Zwei Jahre nach dem Absturz einer Air-France-Maschine über dem Atlantik ist die Aufklärung des Unglücks einen wichtigen Schritt vorangekommen. Ferngesteuerte Such-U-Boote fanden in 4000 Metern Tiefe ein großes Wrackteil mit Leichen, wie Verkehrsministerin Nathalie Kosciusko-Morizet am Montag mitteilte. Die Angehörigen der 228 Opfer, darunter 28 Deutsche, hoffen, dass nun auch die Black Box gefunden wird.
Der Airbus A330 war am 1. Juni 2009 auf dem Weg vom brasilianischen Rio de Janeiro nach Paris zwischen dem amerikanischen und afrikanischen Kontinent in den Atlantik gestürzt. In den folgenden Wochen wurden 50 Leichen und über 600 Wrackteile aus dem Atlantik geborgen. Ein vierter Sucheinsatz der Luftfahrtermittlungsbehörde BEA begann Ende März. Laut den französischen Ermittlern war der Ausfall der Geschwindigkeitsmesser des französischen Herstellers Thales zumindest zum Teil für das Unglück verantwortlich. Mitte März reichte die französische Justiz Ermittlungen gegen Airbus und Air France wegen fahrlässiger Tötung ein.
Entdeckung des Wrackteils
Die ferngesteuerten Mini-U-Boote des Typs Remus entdeckten und fotografierten einen Teil der Passagierkabine, sagte Kosciusko-Morizet. Die darin gefundenen Leichen könnten noch identifiziert werden. Außerdem stießen die Suchgeräte auf zwei Triebwerke und einen Teil der Tragfläche. Die Bergung der Wrackteile samt Leichen könne in spätestens einem Monat beginnen, ergänzte die Ministerin. Dazu muss ein Spezialschiff an den Unglücksort entsandt werden.
Die Bergung der Leichen sei ein sensibles Thema, sagte der Vize-Präsident der französischen Opfervereinigung, Robert Soulas, der Nachrichtenagentur AFP. Man wisse nicht, in welchem Zustand die Toten seien. "Das hat eine erschütternde Seite". Möglicherweise komme es zum Konflikt zwischen den Familien, die die Leichen am Meeresgrund lassen wollten, und denen, die sie bergen wollten. Kosciusko-Morizet und andere Regierungsvertreter trafen die Angehörigen der Opfer am Montagnachmittag, um über die neuesten Entwicklungen zu sprechen. Die Hinterbliebenen hatten den französischen Behörden mehrmals vorgeworfen, sie nicht ausreichend über die Untersuchungen zu informieren.
Die Tatsache, dass die Teile nur in einem kleinen Umkreis verteilt seien, stärke die Vermutung, dass das Flugzeug nicht in der Luft zerbrach, hieß es aus Ermittlungskreisen. "Die Maschine war im Moment ihres Aufpralls noch ganz". Eine genaue Rekonstruktion des Unglückshergangs und der Ursache ist aber erst möglich, wenn die Black Box mit dem Flugdatenschreiber und dem Stimmrekorder gefunden wird.
"Wir hoffen ganz fest, dass die Entdeckung des Wrackteils es ermöglicht, die beiden Aufzeichnungsgeräte zu finden, denn das ist grundlegend für das Verständnis dieses schrecklichen Dramas", sagte Airbus-Chef Thomas Enders. Angehörige der Opfer fürchten allerdings, dass die Geräte nach zwei Jahren am Meeresgrund nicht mehr zu gebrauchen sind. afp