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Coronavirus

13.06.2020

Blutgruppe könnte Einfluss auf Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben

Forscher haben Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und der Schwere der Covid-19-Erkrankung entdeckt.
Bild: Marijan Murat, dpa

Genvarianten auf den Chromosomen 3 und 9 könnten das Risiko auf einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöhen. Das legt eine genomweiten Assoziationsstudie nahe.

Der Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 kann sehr unterschiedlich ausfallen. Während einige Infizierte nur leichte Symptome haben, müssen andere beatmet werden und sterben im schlimmsten Fall an der Viruserkrankung. Warum reagieren Betroffene so unterschiedlich? Weltweit gehen Wissenschaftler dieser Frage nach.

Bislang ist das Rätsel noch ungelöst, doch es gibt erste Erklärungsversuche. Das Alter der Patienten, eventuelle Vorerkrankungen oder auch eine Überreaktion des Immunsystems kommen als Möglichkeiten in Betracht. Bei vielen Covid-19-Erkrankten verklumpen außerdem die Blutplättchen, weshalb Mediziner Gerinnungshemmer einsetzen, der Spiegel berichtete.

Neue Studie: Hat die Blutgruppe einen Einfluss auf den Verlauf von Covid-19?

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern, unter ihnen der Molekularbiologe Andre Franke von der Universität Kiel und der Internist Tom Karlsen von der Universität Oslo, hat nun einen weiteren Ansatz in die Diskussion eingebracht. In ihrer genomweiten Assoziationsstudie (GWAS) legen sie nahe, dass die jeweilige Blutgruppe der Patienten bei der Schwere des Krankheitsverlaufs eine Rolle spielt. GWAS dienen dazu, genetische Prädispositionen für Krankheiten zu ermitteln.

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Am 2. Juni veröffentlichten die Forscher ihre Erkenntnisse als Preprint, gewissermaßen ein Vorabdruck der Studie, die noch kein unabhängiges Begutachtungsverfahren durchlaufen hat. Die Studie sollte nicht zuletzt deshalb mit Vorsicht interpretiert werden. Nur weil zwischen den beiden Faktoren eine Assoziation besteht, bedeutet das nicht automatisch eine Kausalität. Der Faktor "Blutgruppe" muss nicht unbedingt den Faktor "Krankheitsverlauf" bedingen. Die Autoren des Preprints weisen in ihrer Einleitung auch darauf hin, dass "die Pathogenese der respiratorischen Insuffizienz bei Covid-19 kaum verstanden, aber die Mortalität durchweg mit höherem Alter und männlichem Geschlecht assoziiert ist". Bedeutet: Es fällt auf, dass Ältere und Männer häufiger erkranken als Jüngere und Frauen, das muss jedoch nicht zwingend kausal bedingt sein.

 

Zum Hintergrund der Assoziationsstudie: Atemstillstand ist ein Hauptmerkmal einer schweren Covid-19-Erkrankung und ein entscheidender Faktor für die Sterblichkeit, er betrifft jedoch aus bislang ungeklärten Gründen weniger als zehn Prozent der SARS-CoV-2-infizierten Patienten. Um herauszufinden, ob es eine genetische Veranlagung für die Schwere und den Verlauf der Erkrankung gibt, haben die Wissenschaftler das Erbgut in den Blutproben von 1610 Patienten mit Covid-19-Atemversagen aus sieben Kliniken in den Epizentren der SARS-CoV-2-Pandemie in Europa untersucht (in Mailand, Monza, Madrid, San Sebastian und Barcelona).

Das Risiko für einen schweren Verlauf scheint bei Blutgruppe A höher zu sein

Die Ergebnisse ihrer Untersuchung haben die Wissenschaftler schließlich zur Kontrolle mit der DNA von insgesamt 2205 gesunden Menschen aus der spanischen und italienischen Bevölkerung verglichen. Das Ergebnis: Das Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung wird durch Genvarianten auf den Chromosomen 3 und 9 offenbar erhöht. Dabei betrifft eine Genvariante das Gen für die Blutgruppeneigenschaft AB0.

Konkret haben die Forscher nach der Extraktion der Desoxyribonukleinsäure (DNA) diese an rund 8,6 Millionen Stellen untersucht, an denen es zu Variationen kommt. Diese Variationen an einer bestimmten Stelle des Genoms werden Einzel-Nukleotid-Polymorphismen (SNP) genannt und eignen sich deshalb für Assoziationsanalysen zur Identifikation komplexer Krankheiten, weil sie stabil sind und sich über mehrere Generationen kaum ändern.

Die italienisch-spanischen genomweiten Assoziationsanalyse zeigt, dass der AB0-Blutgruppen-Locus und ein Gencluster von Chromosom 3 mit der Atemwegsinsuffizienz SARS-CoV-2 assoziiert sind. Die blutgruppenspezifische Analyse zeigt ein höheres Risiko für A-positive Personen (OR=1,45, 95% KI, 1,20 bis 1,75, P=1,48x10-4) und eine schützende Wirkung für die Blutgruppe 0 (OR=0,65, 95% KI, 0,53 bis 0,79, P=1,06x10-5).

Auch in China erkrankten Menschen mit Blutgruppe A vergleichweise stärker

Die Wissenschaftler um Franke und Karlsen verweisen in ihrem Vorabdruck auch auf Forschungsergebnisse aus China, wonach überdurchschnittlich viele Covid-19-Patienten die Blutgruppe A haben, während die Blutgruppe 0 eine gewisse Schutz­wirkung zu haben scheint.

Die Sterblichkeitsraten werden bei Covid-19 nach bisherigen Erkenntnissen vorwiegend von Patienten mit schwerem Lungenversagen infolge von bilateraler (gleichzeitig in beiden Lungenflügeln auftretender), interstitieller Lungenentzündung und akutem Atemnotsyndrom angeführt. Daher erfordert Covid-19 mit respiratorischer Insuffizienz auch frühzeitig künstliche Beatmung. Warum die Blutgruppe einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben könnte, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt.

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