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Boston-Anschlag: Anklage gegen vermeintlichen Boston-Bomber Dschochar Zarnajew

Boston-Anschlag

Anklage gegen vermeintlichen Boston-Bomber Dschochar Zarnajew

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    Anklage gegen Boston-Bomber: Der überlebende mutmaßliche  Attentäter vom Bostoner Marathonlauf, Dschochar Zarnajew, ist  wegen vierfachen Mords und des Gebrauchs einer  Massenvernichtungswaffe angeklagt worden. Eine sogenannte Grand  Jury aus Laienrichtern habe Zarnajew insgesamt 30 Anklagepunkte zur  Last gelegt, teilte die Bundesstaatsanwaltschaft in der  US-Ostküstenstadt am Donnerstag mit. Allein auf 17 der  Anklagepunkte stünden die Todesstrafe oder lebenslange Haft.

    Die Zarnajew-Brüder sollen das Attentat auf den Bostoner Marathonlauf zusammen verübt haben

    Der 19-jährige Zarnajew soll gemeinsam mit seinem 26-jährigen  Bruder Tamerlan zwei Bomben im Zieleinlauf des Bostoner Marathons  gelegt haben. Bei dem Anschlag Mitte April wurden drei Menschen  getötet und mehr als 260 weitere verletzt. Auf ihrer Flucht sollen  die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder außerdem  einen Polizisten erschossen haben.

    Die Ermittler kamen Tamerlan und Dschochar Zarnajew durch  Videoaufnahmen auf die Spur, die Überwachungskameras am  Anschlagsort gemacht hatten. Der ältere Bruder wurde wenige Tage  nach der Attacke bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd mit der  Polizei getötet. Dschochar Zarnajew wurde kurz darauf schwer  verletzt gefasst.

    Radikalislamischer Hintergrund?

    Das ist der Boston-Marathon

    Der Boston-Marathon ist der älteste Stadt-Marathon der Welt.

    Mehrere Zehntausend Läufer sind jedes Jahr am Start; die Strecke ist gesäumt von bis zu 500 000 Zuschauern.

    Erstmals fand der Lauf am 19. April 1897 statt. 15 Männer nahmen die 24,5 Meilen (etwa 39,43 Kilometer) in Angriff.

    Erst 1927 wurde die Strecke auf die Marathon-Distanz von 42,195 Kilometer (26,385 Meilen) verlängert.

    Von 1897 bis 1968 fand der Lauf jedes Jahr am 19. April statt, dem Patriot's Day, einem Feiertag im Bundesstaat Massachusetts.

    Nachdem der Feiertag offiziell auf den dritten Montag im April gelegt wurde, findet auch der Marathon jedes Jahr an diesem Tag statt.

    Zunächst war das Rennen nur Männern vorbehalten; erst seit 1972 durften Frauen sich auch offiziell in die Starterlisten eintragen.

    Der Start ist seit 1924 im Bostoner Vorort Hopkinton, zuvor war er in Ashland. Das Ziel ist direkt Downtown in Boston.

    Einen Eintrag in das Guinness Buch der Weltrekorde schaffte der Boston-Marathon 1996 bei der 100. Auflage mit 38 708 Teilnehmern.

    2011 erzielte der Kenianer Geoffrey Kiprono Mutai die bislang beste Zeit für einen Marathon in 2:03:02 Stunden. Doch die Marke wird nicht als Weltrekord anerkannt. Grund ist, dass die Strecke nicht dem offiziellen Reglement entspricht. 

    2013 wurde der Boston Marathon von einem Anschlag erschüttert. Viele Menschen starben oder wurden verletzt.

    Die Ermittler vermuten einen radikalislamischen Hintergrund. Ende  April hatte die US-Justiz ein Strafverfahren gegen den jüngeren  Zarnajew eingeleitet. Eine Grand Jury entschied nun, dass die  Beweise gegen den mutmaßlichen Attentäter für eine Anklage  ausreichen. Am 10. Juli soll er zur Verlesung der Anklage erstmals  vor Gericht erscheinen, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag  erklärte.

    In der Anklageschrift wird Zarnajew vorgeworfen, spätestens ab  Februar dieses Jahres gemeinsam mit seinem Bruder einen  Bombenanschlag geplant zu haben. Am 15. April hätten die Brüder  dann zwei Sprengsätze inmitten der jubelnden Menge beim Bostoner  Marathon gelegt und diese im Abstand von wenigen Sekunden gezündet.  Die Bomben bauten die beiden den Angaben zufolge selbst aus  Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammen.

    Als die Bundespolizei FBI die Fahndungsfotos der Verdächtigen  veröffentlichte, seien die Zarnajew-Brüder am 18. April mit fünf  weiteren Sprengsätze, einer halbautomatischen Pistole, einer  Machete sowie einem Jagdmesser zum Campus der Universität MIT  gefahren. Dort hätten sie den Polizisten Sean Collier erschossen,  heißt es in der Anklageschrift. Anschließend hätten die Brüder  einen Mercedes gestohlen, den Fahrer entführt und ausgeraubt.

    Nachdem ihre Geisel flüchten konnte, sollen Tamerlan und Dschochar  Zarnajew sich den Angaben zufolge eine Schießerei mit Polizisten  geliefert haben. Dabei hätten die Brüder vier weitere Bomben auf  die Beamten geworfen. Dschochar Zarnajew habe dann auf der Flucht  seinen Bruder mit dem Mercedes überfahren. Anschließend habe sich  der 19-Jährige im Bostoner Vorort Watertown in einem  trockengelegten Boot versteckt, wo er am darauffolgenden Abend  festgenommen worden sei.

    Bei der Suche nach einem Motiv hatte das FBI vor allem eine  sechsmonatige Kaukasus-Reise von Tamerlan Zarnajew im vergangenen  Jahr unter die Lupe genommen. Dort könnte der ältere Bruder mit  radikalen Islamisten in Kontakt gestanden haben. Die US-Behörden  gehen aber davon aus, dass die Attentäter allein handelten.

    Dschochar Zarnajew soll Medienberichten zufolge vor seiner  Festnahme in seinem Versteck ein Bekennerschreiben verfasst haben.  Er habe den Anschlag darin als Vergeltung für US-Militäreinsätze im  Irak und in Afghanistan bezeichnet. "Wer einen Muslim angreift,  greift alle Muslime an", soll der 19-Jährige an die Innenwand des  Boots gekritzelt haben. afp/AZ

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