1. Startseite
  2. Panorama
  3. Das ist der vermeintliche Oligarchen-Onkel aus dem Strache-Video

Ibiza-Video

22.05.2019

Das ist der vermeintliche Oligarchen-Onkel aus dem Strache-Video

Igor Makarow, einflussreicher russischer Oligarch und nicht beteiligt am Ibiza-Video.
Bild: Thomas Frey, dpa (Archiv)

Eine angebliche Oligarchen-Nichte leitete den Sturz des österreichischen Vizekanzlers Strache ein. Nun kündigt Iwan Makarow, der Oligarch, Konsequenzen an.

Als Heinz-Christian Strache im Juli 2017 auf Ibiza über Möglichkeiten referiert, die österreichische Medienlandschaft umzugestalten, hört seine blonde Gesprächspartnerin aufmerksam zu. Sie gibt sich als Nichte des russischen Oligarchen Igor Makarow aus. Zum Leidwesen Straches war das Gespräch eine Falle, die Aufzeichnung führte zu seinem Sturz als Vizekanzler. Die Nichte gibt es nicht. Makarow sehr wohl.

Igor Makarow präsentiert sich als Siegertyp

Mit der russischen Ausgabe des Forbes-Magazins hat der Milliardär über seine Familiensituation gesprochen. "Es ist allgemein bekannt, dass ich das einzige Kind in der Familie war und dementsprechend keine Nichten habe." Der Oligarch will sich gegen das Vorgehen der Schwindlerin mit juristischen Mitteln wehren. Wer ist der Mann, dessen Name half, Österreich in eine Krise zu stürzen?

Auf seiner Homepage präsentiert sich Makarow als Siegertyp. Nicht nur, dass der 1962 in Turkmenistan geborene Unternehmer nach eigenen Angaben aus einer kleinen Fabrik ein Imperium schuf – der heute 57-Jährige war als Radsportler Olympiateilnehmer und gewann internationale Wettbewerbe. 1992 gründete er in den USA die Itera International Group of Companies – ein Firmenkonglomerat, dessen Haupteinnahmequelle das Öl- und Gasgeschäft war. Zwei Jahre, nachdem Makarow es 2013 an den russischen Ölgiganten Rosneft verkauft hatte, gründete er die Areti International Group, einen global tätigen Mischkonzern. Heute gilt er mit zwei Milliarden Dollar Vermögen als einer der 50 reichsten Russen.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

In den 90er Jahren gelang Makarow der Aufstieg zum Oligarchen

Sein Aufstieg in die höchsten Sphären der russischen Wirtschaft begann mit dem Zerfall der Sowjetunion – damals war er noch Broker für den Konzern Gazprom, der sich voll in staatlicher Hand befand. Seine guten Beziehungen zur russischen Politik verschafften seinem Unternehmen nicht nur riesige Öl- und Gasfelder, sondern auch enorme Absatzmärkte. 2005 wurden ihm Kontakte zur sizilianischen Mafiaorganisation Cosa Nostra vorgeworfen.

Bereits 2002 hatte das FBI Vorwürfe wegen Bestechung eines US-Kongressabgeordneten und seiner Tochter gegen Makarow untersucht. Nachweisen konnte man ihm nichts. Während all der Jahre tauschten Itera und andere russische Konzerne Anteile hin und her, ein Geflecht an Firmen entstand. Viele davon haben heute ihren Sitz in Steueroasen.

Der Oligarch will die Hintermänner des Strache-Videos finden

Der Oligarch hatte einen Sitz in der russischen Handelskammer, gilt als Mitglied der "komanda" Wladimir Putins – wer dazugehört, den schützt Russland vor der Verfolgung durch Behörden. Und noch etwas verbindet Makarov und Putin: die Liebe zum Sport. Nach seiner aktiven Karriere blieb Makarow dem Radsport treu, von 2010 bis 2016 war er Präsident des russischen Radsportverbandes. Das Team Katusha Alpecin wurde von ihm 2009 mitgegründet. Eine gewisse Zeit war auf den Trikots der Sportler die Silhouette des Kremls zu erkennen.

Der 57-Jährige lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Florida. Im Forbes-Interview gab er bekannt, die Hintermänner des Strache-Videos ausfindig machen zu wollen. "Wir wenden alle gesetzlichen Möglichkeiten an, um herauszufinden, wer hinter der nicht autorisierten Verwendung meines Namens steht."

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20dpa_5F9D6A00CD6426C8.tif
Regierungskrise

Was kommt noch auf Österreich zu?

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen