Kann das gut gehen? Wenn Martin L. Gore nach über drei Jahrzehnten als Chef-Designer der Chef-Melancholiker von Depeche Mode verkündet: „Ich bin glücklich.“ Noch nie sei es ihm, sei es auch Dave Gahan und Andrew Fletcher so gut gegangen wie heute – noch nie hätten sich die drei so gut verstanden. Oh weh! Es wäre nicht die erste Musikerkarriere, die ihre großen Moment der Innigkeit von Schmerz und Traurigkeit verdankt, im Erreichen persönlicher Gelöstheit aber entscheidend an Bedeutung verliert.
Neues Depeche Mode-Album: Ruppige Klänge
Aber nein, so drastisch ist es mit „Delta Machine“, dem nach wieder vier Jahren Pause heute erscheinenden neuen Album dann doch nicht gekommen. Und das ist vor allem Martin L. Gore zu verdanken, obwohl er nur eines der 13 Lieder singt (mit „The Child Inside“ mal wieder die lichteste Ballade). Aber die von ihm geschriebenen zehn Songs überragen jene drei von Dave Gahan deutlich, vor allem, weil der unermüdliche Frickler Gore mal wieder überzeugende Sounds gebastelt hat. Hier gibt es kein zeitgemäßes Anbiedern an Dubstep, hier gibt es ruppige Klänge aus aktuellen Maschinen.
Am Klischee schrammende Pathos-Texte
Das beginnt gleich ausgiebig wummernd und knarzend in „Welcome To My World“ und „Angel“, die sich Gahan dann aber mit vollem Testosteron-Einsatz im Gesang aneignet. Daran schließt sich ein geradezu schwelgerisch hübsches „Heaven“ an, bevor die Platte im Mittelteil manche Länge aufweist. Aus der Nettigkeit hebt sich höchstens das lüsterne „Slow“ ab, Gahans „Broken“ erinnert dagegen allzu sehr an die einstige Großtat „Behind The Wheel“. Dessen bester Song, das sogar in Kopfstimme gesungene „Should Be Higher“, leitet das wieder interessantere Finish ein. Was Gore da wieder unter oft am Klischee schrammenden Pathos-Texte an Effekten packt, will richtig laut genossen werden. Dann fällt nicht zu sehr auf, dass alle Melancholie nur noch scheinbar ist, dass das Ende des Schmerzes gekommen ist.
Dann bleibt: Es ist ein ordentliches Depeche-Mode-Album. Wie zuletzt „Sounds Of The Universe“. Ein Muss wirklich nur für Fans, eine gute Vorlage aber für die einjährige Welt-Tournee. (ws) *****