Über 43.000 Menschen gefällt die Facebook-Seite von Altkanzler Helmut Schmidt. "Der beste Politiker, den wir haben", kommentiert ein User das Profil von Schmidt. Ob der Altkanzler das überhaupt lesen wird, ist fraglich, denn eigentlich hat Schmidt mit Facebook, Twitter, Google und den anderen Milliarden Internetseiten wenig am Hut. Mehr noch: Er empfindet das Internet als "bedrohlich".
Oberflächlichkeit und spontane Reaktionen ohne langes Nachdenken
Über das weltweite Netz sagte der 93-Jährige in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Gespräch mit dem Zeit-Magazin: "Erstens: Das Internet gehört kaum zu meiner Welt. Zweitens: Ich empfinde es als bedrohlich. Und drittens: Es hat Zukunft."Denn natürlich führe das Internet unbestreitbar auch zu positiven Veränderungen. Dennoch müsse man auch die Probleme im Blick haben: "Das Negative besteht meiner Meinung nach darin, dass das Internet zu Oberflächlichkeit verleitet, zu spontanen Reaktionen, hinter denen kein langes Nachdenken steckt", sagte Schmidt.
Helmut Schmidt hat auch kein Handy
Der SPD-Politiker hat nach eigenen Worten auch kein Handy. "Ich telefoniere überhaupt nur noch selten. Wahrscheinlich habe ich das auch früher nie wirklich gern getan. Ich habe immer die Schriftform bevorzugt, und zwar die briefliche Schriftform", sagte Schmidt.
Schmidt: Die SPD muss sich mehr öffnen
Im Interview ging es aber nicht nur um das Internet. Schmidt äußerte auch seine Meinung zur Piratenpartei. Der SPD riet der Altkanzler angesichts der neuen Konkurrenz durch die Piraten, sich weiter zu öffnen. Dass die SPD neben Grünen und Linken noch einen dritten Konkurrenten bekommen hat, wertete er als "eine Folge der Tatsache, dass die Mehrheit der Sozialdemokraten zu lange auf die Sozialpolitik gesetzt hat." Auf die Frage hin, welchen Themen sich die SPD heute öffnen sollte, antwortete der Altkanzler: "Der entscheidende Punkt ist, dass sie sich überhaupt öffnet, und zwar für alle Themen." AZ, afp