Manche mögen bei dem Kürzel „ESC“ nicht von ungefähr an eine Taste an ihrem Computer denken, die „Escape“, also Flucht bedeutet. Jetzt aber soll die gegenteilige Botschaft in ganz Europa ausstrahlen: „Join Us“, sei dabei! Es ist das Motto des anderen „ESC“, des Eurovision Song Contests, der heute im dänischen Kopenhagen beginnt. Abseits der Politik, in reiner Freude also, soll der Kontinent eins sein.
Drei-Klassen-System spaltet Teilnehmernationen
Tatsächlich aber zerfällt Europa in drei Klassen. Klasse eins: die großen Fünf, die Länder, die die veranstaltende Sendervereinigung European Broadcasting Union (EBU) hauptsächlich finanzieren – die sind automatisch im Finale am Samstag dabei. Das gilt auch für den Vorjahressieger und Gastgeber. Klasse zwei: die anderen, die sich über die Halbfinals qualifizieren müssen. Heute geht da schon ein Deutscher an den Start, der Bochumer Jöran Steinhauer, der für Lettland antritt, mit seiner Band Aarzemnieki („Ausländer“). Dass dabei wieder die Mischung aus Pop und Wahn tobt, dafür sorgen Teilnehmer wie Conchita Wurst, österreichischer Travestiekünstler, morgen.
Finanziell schwache Nationen können nicht antreten
Klasse drei schließlich: das sind Länder wie Bulgarien, Serbien und Zypern, die wegen der nicht unerheblichen Teilnahmegebühren abgesagt haben. Die EBU sagt: Folgen der Wirtschaftskrise. Ach, auch hier nicht alles Freude. Eher: Sei dabei – wenn du dir’s leisten kannst! Deutschland aber ist Rekordteilnehmer. Seit der Einführung des Wettbewerbs als „Grand Prix …“ 1956 fehlten wir nur einmal, sind 1996 in der Qualifikation gescheitert. Und siehe da, kurz darauf wurde die Regel der großen Fünf eingeführt. Willkommen in Europa!