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Fall Mirco: Olaf H.: Treusorgender Vater oder machtverliebter Intrigant?

Fall Mirco

Olaf H.: Treusorgender Vater oder machtverliebter Intrigant?

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    Beobachter des Prozesses gegen den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco rätseln über den wahren Charakter des Mannes.
    Beobachter des Prozesses gegen den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco rätseln über den wahren Charakter des Mannes. Foto: dpa

    Es sind völlig gegensätzliche Bilder, die Zeugen im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco, Olaf H., zeichneten. Die einen beschrieben ihn als treu sorgenden Familienvater, die anderen als machtverliebten Intriganten. Eine seiner Ex-Frauen mutmaßte, Olaf. H. wolle möglicherweise den wahren Täter decken.

    Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45 Jahre alten Familienvater Mord aus niederen Beweggründen und zur Verdeckung eines sexuellen Missbrauchs vor. Olaf H. soll Mirco am Abend des 3. September vergangenen Jahres abgefangen, sich an ihm vergangen und ihn dann getötet haben.

    Für Kerstin H., die zweite Ex-Frau des Angeklagten, passen diese Vorwürfe jedoch nicht zur Persönlichkeit von Olaf H. "Er ist ein sehr liebenswürdiger Mensch", sagte die 44-Jährige vor Gericht. Was ihm vorgeworfen werde, "passt einfach nicht". Auch die sexuelle Beziehung zwischen ihr und ihrem Ex-Mann sei "völlig normal" gewesen "nichts, was aus der Rolle fällt". Sie habe sich sogar schon überlegt, ob er mit seinem Geständnis jemanden schützen wolle, sagte die Frau. Auf einem Rechner im Haus des Angeklagten waren während der Ermittlungen pornografische Bilder entdeckt worden, die einer seiner Söhne installiert haben soll.

    Alle drei Ex-Frauen gaben an, sie hätten bei Olaf H. niemals Hinweise auf Pädophilie entdeckt. Auch Gewalt hätten sie von ihm nie erlebt. Auch an dem vermeintlichen Tag des Verbrechens selbst, dem 3. September 2010, sei Olaf H. "ruhig, ausgeglichen" gewesen, "wie immer", berichtete sein früherer Schwiegervater, der Vater seiner kürzlich von ihm geschiedenen dritten Frau. Olaf H. hatte ihn der Aussage zufolge damals nachmittags besucht, um ein technisches Problem in der Küche zu beheben.

    Untergebene beschreibt Olaf H. als "Machtmensch"

    So hilfsbereit und höflich erlebten einige seiner Untergebenen Olaf H. jedoch anscheinend nicht. Er sei ein "Machtmensch" gewesen, berichtete eine Arbeitskollegin aus Wuppertal. "Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass er Macht über Menschen ausüben wollte", sagte die 50-Jährige. Ihren direkten Chef, der Olaf H. unterstellt gewesen sei, habe er einmal vor versammelter Mannschaft "abgekanzelt". Einen Kollegen habe er benutzt, "um dem Teamleiter eins reinzuwürgen".

    Eine weitere Kollegin beschrieb den Angeklagten als "Blender und Lügner". Immer wieder sei er bei Terminen nicht aufgetaucht und habe anschließend Entschuldigungen vorgebracht, "die nach Lügen rochen". Ob Olaf H. zum Tatzeitpunkt unter außergewöhnlichem Stress stand, wie er es in Vernehmungen angegeben hatte, ließ sich nach den Aussagen der Zeugen nicht klären. Mehrere Arbeitskollegen berichteten allgemein von "extremem Druck", der auf allen Mitarbeitern gelastet habe. Michaela H., seine dritte Ex-Frau, sagte: "Er hat seinen Job gerne gemacht, aber es war schon teilweise recht stressig." Ihre Mutter, die zeitweise auch seine Vorgesetzte bei der Arbeit gewesen war, sagte vor Gericht: "Ich hatte nie den Eindruck, dass er mit seiner Arbeit nicht zurechtkommt."

    Am Montag wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen weitere Arbeitskollegen verhört werden. Mit dem Urteil wird am 30. September gerechnet - gut ein Jahr nach Mircos Verschwinden. dapd/AZ

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