Der Volkstrauertag, ein nationaler Gedenktag für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus, findet jeweils zwei Sonntage vor dem ersten Advent statt. Zahlreiche Veranstaltungen und Kundgebungen an diesem Tag sollen auch zur Versöhnung und Völkerverständigung beitragen und zu Toleranz und Frieden aufrufen.
Wieder eingeführt wurde der Volkstrauertag in der Bundesrepublik 1952 auf Anregung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Der Volksbund war 1919 von heimkehrenden Soldaten des Ersten Weltkriegs gegründet worden. Mithilfe dieser Bürgerinitiative konnten sie sich um die Gräber ihrer gefallenen Kameraden im Ausland kümmern - eine Aufgabe, die die Weimarer Republik wirtschaftlich nicht stemmen konnte. Heute ist die Organisation im Auftrag der Bundesregierung aktiv.
Die Ursprünge des Volkstrauertags reichen bis in das Jahr 1922, als im Reichstag der Weimarer Republik die erste offizielle Feierstunde stattfand. Damals veranstaltete der Volksbund eine Feier, um das Gedenken an die Millionen Kriegstoten des Ersten Weltkrieges zu wahren. Die Nationalsozialisten wandelten den Volkstrauertag nach der Machtübernahme 1933 in einen "Heldengedenktag" um, der bis 1945 jährlich im März stattfand.
Volkstrauertag 2015: "Zivil geht vor Militär"
Der Volkstrauertag an diesem Sonntag mahnt nach Auffassung des evangelischen Friedensbeauftragten Renke Brahms zu zivilen Konfliktlösungen. "Es darf nicht sein, dass angesichts der zunehmenden Zahl von Konflikten in der Welt immer nur der Ruf nach dem Militär erschallt", warnte der Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und leitende Theologe aus Bremen und fügte hinzu: "Zivil geht vor Militär." Instrumente ziviler Konfliktbearbeitung müssten deutlich ausgebaut und finanziell besser ausgestattet werden.
Der Volkstrauertag erinnert Brahms zufolge nicht nur an getötete Soldaten. Auch die vielen zivilen Opfer von Gewalt und Krieg dürften nicht vergessen werden. "Alle Opfer von Kriegen mahnen nachdrücklich zum Frieden: In Kriegen und kriegerischen Konflikten sterben nicht nur Soldaten, sondern viele unschuldige Menschen, darunter auch viele Kinder."
Volkstrauertag heißt Tanzverbot
Der Volkstrauertag ist in Bayern ein sogenannter stiller Tag. An stillen Tagen sind öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen verboten, die nicht dem ernsten Charakter dieser Tage entsprechen. Es gilt also auch ein Tanzverbot, und zwar ab zwei Uhr in der Nacht.