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Klimaaktivistin

14.08.2019

Greta Thunberg startet Segelreise über den Atlantik

Die emissionsfreie Hochseejacht "Malizia" wird Greta Thunberg über den Atlantik nach Amerika bringen.
Bild: Andreas Lindlahr/Team Malizia, dpa

Greta Thunberg wird am UN-Klimagipfel in New York teilnehmen und überquert dafür mit den Profiseglern Boris Herrmann und Pierre Casiraghi ab heute den Atlantik.

Vor knapp einem Jahr, am 20. August 2018, fing alles an. Greta Thunberg begann ihren "Schulstreik fürs Klima" vor dem Reichstag in Stockholm. Seitdem ist viel passiert: Die 16-Jährige hielt eine Rede bei der UN-Klimakonferenz im polnischen Katowice, traf Aktivisten wie Jane Goodall, sprach beim Weltwirtschaftsforum in Davos, erhielt den Sonderpreis der Goldenen Kamera in der Kategorie Klimaschutz, zierte das Cover des Time-Magazins als "Next Generation Leader", veröffentlichte ihre Redemanuskripte, erhielt den "Prix Liberté" zum D-Day-Jahrestag in der Normandie, besuchte den Hambacher Forst und wurde zuletzt von der britischen Zeitschrift GQ zum "Game Changer Of The Year" gekürt.

Nebenbei mobilisierte die schwedische Klimaaktivistin weltweit Hunderttausende Menschen, sich der Bewegung "Fridays for Future" und den wöchentlichen Schulstreiks anzuschließen. 

Atlantik-Reise von Greta Thunberg dauert voraussichtlich zwei Wochen

Nun will Greta Thunberg ihren Einsatz im Kampf gegen die Klimakrise ausweiten und startete am Mittwoch in Plymouth im Südwesten Englands ihre 3000 Seemeilen lange Reise in die Vereinigten Staaten. Und zwar mit einem Segelboot, da sie aus Gründen des Klimaschutzes generell nicht fliegt. Ende Juli verkündete die Klimaaktivistin über ihre Social-Media-Kanäle, dass die beiden Profisegler Boris Herrmann und Pierre Casiraghi sie mit der 18 Meter langen Hightech-Segeljacht "Malizia" über den Atlantik nach New York bringen werden. Zu der Crew zählen auch Thunbergs Vater Svante und ein Filmemacher, der eine Dokumentation über die Tour plant. Am Montag startete das Segelboot eine Probefahrt vor der Küste Englands.

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Der britische Sender BBC begleitete die Probefahrt und dokumentierte in einem Video, wie spartanisch die Ausstattung an Bord ist: Keine Toilette, kein Kühlschrank, keine Heizung. Wie die taz berichtet, ernährt sich die Crew während der Überfahrt von gefriergetrockneter veganer Nahrung. Wie Herrmann BBC gegenüber erklärt, können sich die Passagiere an Bord auch nicht waschen und werden während der gesamten zwei Wochen dieselbe Kleidung tragen. Als Toiletten-Ersatz dient ein blauer Plastikeimer. Greta Thunbergs Fazit nach der Probefahrt: "Ich könnte etwas seekrank werden und es wird nicht angenehm." Doch die 16-Jährige bleibt optimistisch: "Wenn es sehr hart wird, muss ich einfach daran denken, dass es nur für zwei Wochen ist und dass ich dann zurück zur Normalität kann." Um sich die Zeit zu vertreiben, hat Thunberg für die Überfahrt Bücher und Brettspiele mitgenommen.

Greta Thunberg über Donald Trump: "Ich sage niemandem, was er zu tun hat"

Die emissionsfreie Hochseejacht ist am späten Mittwochnachmittag in See gestochen. Ein Video des britischen Senders BBC auf Twitter zeigt, wie das Segelboot den Hafen von Plymouth verlässt. Ob Greta Thunberg Präsident Donald Trump bei ihrer Ankunft in den USA umstimmen wird? "Nein!", sagt Thunberg und grinst. In der Regel redet die 16-Jährige bei ihren Auftritten sehr leise, aber bestimmt. Die Kllimaaktivistin hat das Asperger-Syndrom, eine milde Form des Autismus. Auf der Pressekonferenz im Freien vor etwa 200 Journalisten und Schaulustigen fügt sie hinzu: "Ich sage niemandem, was er zu tun oder zu lassen hat."

Profisegler Herrmann erklärt: "Uns ist klar, dass nicht jeder auf einer Hightech-Jacht übers Meer segeln kann ... Aber jeder kann in seinem Garten anfangen, etwas zu ändern. Und mit vielen kleinen Schritten können wir etwas erreichen."

Weltklimakonferenz: Greta Thunberg reist im Dezember weiter nach Chile

"Am Anfang hat niemand meine Stimme gehört", sagt die für den Friedensnobelpreis nominierte Thunberg vor ihrer Abfahrt in Plymouth und ermutigt einen jungen Fan. "Ich hab einfach alles Mögliche versucht, bis ich meinen Weg gefunden hatte, damit man mir zuhört. Man muss kreativ sein. Es gibt so viel, was man tun kann."

Die Atlantik-Überquerung ist der vorläufige Höhepunkt für Thunberg. "Wenn ich mir eine Sache aussuchen könnte, die ich mit dieser Reise erreiche, dann ist es ein erhöhtes Bewusstsein der Menschen, dass sie verstehen, dass wir einen Notfall haben, und wissen, was wir jetzt tun müssen, um die schlimmsten Folgen zu vermeiden."

 

Im September wird Greta Thunberg am UN-Klimagipfel vieler Staats- und Regierungschefs in New York teilnehmen, im Dezember steht in Chile die Weltklimakonferenz an. Rund um diese beiden zentralen Termine will sie an Klimaprotesten teilnehmen, Betroffene der Klimakrise sowie andere Aktivisten und Entscheidungsträger treffen. Die voraussichtlich zweiwöchige Reise der 16-Jährigen an Bord der "Malizia" lässt sich online über eine Echtzeitdaten-Karte mitverfolgen. Kurz nach ihrer Abfahrt veröffentlichte Thunberg auf Twitter ein Foto von sich mit einem Lächeln und dem Beisatz: "Wir sind auf dem Weg." (mit dpa)

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