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Großeinsatz in Toulouse: Nervenkrieg um Serienkiller - Wann gibt er auf?

Großeinsatz in Toulouse

Nervenkrieg um Serienkiller - Wann gibt er auf?

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    Ein maskierter Polizist am Haus, in dem sich der mutmaßliche Serienkiller verschanzt hat.
    Ein maskierter Polizist am Haus, in dem sich der mutmaßliche Serienkiller verschanzt hat.

    Nach einer Gesprächspause hat der  mutmaßliche Serien-Attentäter von Toulouse laut Ermittlungskreisen  am frühen Mittwochnachmittag die Verhandlungen mit der Polizei  wieder aufgenommen. Der 23-Jährige Mohammed M., der algerischer  Abstammung ist, hatte angekündigt, er wolle sich am Nachmittag  ergeben. Die Polizei brachte am späten Vormittag die anderen  Bewohner des vierstöckigen Hauses in Sicherheit, in dem sich  Mohammed M. verschanzt hält.

    Nervenkrieg am Mittwochmorgen

    Der Nervenkrieg begann am Mittwochmorgen um drei Uhr. Schüsse schreckten die Bewohner des Viertels Côte Pavée im Osten von Toulouse plötzlich aus dem Schlaf. "Ich habe sofort an den Serienmörder gedacht",  schildert der 55-jährige Roland seine Reaktion. "Es ist  erschreckend, dass er nebenan war, vielleicht bin ich ihm sogar  begegnet", sagt die 24-jährige Julie Verdier. Der meistgesuchte  Mann Frankreichs, der in den vergangenen Tagen wahrscheinlich  kaltblütig sieben Menschen erschoss, soll Islamist mit Verbindungen  zum Terrornetzwerk Al-Kaida sein.

    23-Jähriger verdächtiger Serienkiller zählt sich zu Al-Kaida

    In der Nacht auf Mittwoch hatten sich die Ereignisse um den Serienkiller regelrecht überschlagen: Gegen ein  Uhr nachts soll der Mann die Chefredakteurin des Nachrichtensenders  France24 angerufen haben, um sich zu den Angriffen von Toulouse und  Montauban zu bekennen. Elf Minuten lang habe der Mann Details  seiner Taten geschildert, darunter die Zahl der abgefeuerten Kugeln und den Waffentyp. Außerdem habe er sich als Mitglied des Terrornetzwerkes Al-Kaida  bezeichnet und weitere Taten angekündigt, sagte die Journalistin,  die sich sofort an die Polizei wandte, der Nachrichtenagentur AFP.  Der Anrufer gab auch an, dass er seine Angriffe gefilmt habe und  demnächst veröffentlichen werde.

    Mann schoss durch Tür auf Polizisten

    Gegen drei Uhr morgens schlug die Polizei-Eliteeinheit Raid dann  zu und umstellte das Haus Nummer 17 in der Rue du Sergent Vigné, in  dem der 23-Jährige algerischer Abstammung wohnt. Der schwer bewaffnete Mann schoss durch die Tür auf die Polizisten und  verletzte zwei leicht. Nachdem Polizisten ebenfalls durch die Tür mit dem mutmaßlichen  Täter gesprochen hatten, gab Innenminister Claide Guéant am frühen  Morgen Einzelheiten bekannt: Der Mann habe sich mehrfach in  Afghanistan und Pakistan aufgehalten. Er habe sich als  Al-Kaida-Mitglied bezeichnet und nach eigenen Angaben mit seinen  Angriffen palästinensische Kinder rächen wollen. Am Montag hatte  der Serientäter vor der jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder  und einen Religionslehrer erschossen.

    Mutter wollte nicht mit Verdächtigen in Kontakt treten

    Serienkiller hinterlässt blutige Spur in Südfrankreich

    11. März: Ein Unbekannter auf einem Motorroller tötet in Toulouse einen Soldaten mit einem Kopfschuss. Das 30 Jahre alte Opfer mit nordafrikanischen Wurzeln saß nach Medienberichten in Zivilkleidung auf seinem privaten Motorrad. Der Täter soll mit ihm per E-Mail einen Treffpunkt vereinbart haben, angeblich um das Motorrad zu kaufen.

    15. März: Im südwestfranzösischen Ort Montauban werden zwei Soldaten vor einem Geldautomaten erschossen. Ein dritter wird schwer verletzt. Zwei haben Wurzeln in Nordafrika, der dritte stammt aus der Karibik. Die Soldaten waren unbewaffnet. Überwachungskameras zeigen einen schwarz gekleideten Motorroller-Fahrer, der einen Helm mit getöntem Visier trägt.

    19. März: Vor einer jüdischen Schule in Toulouse werden ein 30-jähriger Lehrer und Rabbiner, dessen zwei Söhne sowie ein Mädchen erschossen. Augenzeugen berichten, der Täter habe mit einer Minikamera gefilmt und sei auf einem Motorroller geflohen. Die Regierung ruft die höchste Terror-Alarmstufe für die Region aus

    20. März: In einer Schweigeminute wird an allen französischen Schulen der Opfer gedacht. Die französische Justiz stuft die Anschläge als Terrorakte ein. Am Abend werden die Leichen der drei Schüler und des Lehrers nach Israel geflogen.

    21. März: In Toulouse stellt die Polizei einen 24-jährigen Verdächtigen, der sich in einem Mehrfamilienhaus verschanzt und um sich schießt. Er sei der Täter, sagt Innenminister Claude Guéant.

    In Jerusalem werden die getöteten Kinder und ihr Lehrer beerdigt. Auf einem Militärstützpunkt in Montauban war am Nachmittag eine Trauerfeier für die drei ermordeten Soldaten geplant, an der auch Präsident Nicolas Sarkozy teilnehmen wollte.

    Der Täter, dessen Bruder ebenfalls festgenommen wurde, scheint  nur schwer zugänglich zu sein. Die Polizei holte seine Mutter,  damit sie ihren Sohn zur Aufgabe bewege. "Sie wollte nicht mit  ihrem Sohn in Kontakt treten, da sie kaum noch Einfluss auf ihn  habe", sagte Guéant. Deshalb waren es dann die Polizeibeamten, die stundenlang mit  dem 23-Jährigen verhandelten. Der Mann habe dabei ein  "Kommunikationsmittel" verlangt und dafür eine Pistole aus dem  Fenster geworfen, sagte Guéant. Er habe aber noch weitere Waffen,  darunter eine Kalaschnikow.

    Inzwischen hat der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse nach Angaben des französischen Innenministers Claude Guéant die Kommunikation mit der Polizei eingestellt. Guéant erklärte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz zudem, der Verdächtige, der sich in einem Mehrfamilienhaus verschanzt hat, habe nach eigenen Angaben in einem in der geparkten Wagen weitere Waffen aufbewahrt. "Diese Waffen wurden entdeckt", sagte Guéant.

    Flucht mit dem Motorroller

    Die Polizei kam dem Serientäter, der stets mit einem Motorroller  vom Tatort floh, am Dienstag unter anderem durch die  Internet-Adresse seines Bruders auf die Spur, wie aus  Ermittlerkreisen verlautete. Der Mann tauschte mit seinem ersten  Opfer, einem Soldaten nordafrikanischer Abstammung, Mails aus. Der  Täter antwortete auf eine Internet-Anzeige, in welcher der  Fallschirmjäger sein Motorrad zum Verkauf anbot.

    Letztlich wurde dem Täter auch sein Yamaha-Motorroller T-Max 530  zum Verhängnis. Die Ermittler befragten alle Yamaha-Händler der  Region und fanden einen, der von der verdächtigen Nachfrage eines  Mannes berichtete. Der habe sich erkundigt, wie der Chip aus dem  Motorroller entfernt werden könne, mit dem das Fahrzeug bei  Diebstahl lokalisiert werden kann.

    Dem Innenminister war es bei der Aktion wichtig, dass die Polizei  den Täter "lebend" ergreift: "Man muss die Verbindungen klären, die  er zu anderen Personen haben könnte." Der mutmaßliche  Serien-Attentäter will laut Guéant am Nachmittag aufgeben und sich  dann der Polizei stellen. Für Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist der Serienkiller eindeutig identifiziert. Nach einer Unterredung mit Vertretern der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften betonte er, es werde alles getan, damit er sich vor der Justiz verantwortet. Sarkozy betonte: "Der Terrorismus wird unsere nationale Gemeinschaft nicht zerbrechen." Er warnte vor Rachegedanken und einer Verquickung von Religion und Terrorismus. afp/AZ/dpa

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