Erik Neutsch ist tot. Der Schriftsteller ("Spur der Steine", "Der Friede im Osten") starb am Dienstag im Alter von 82 Jahren nach langer Krankheit in Halle. Seinen Tod bestätigte die Erik-Neutsch-Stiftung in Berlin am Mittwoch.
Erik Neutschs DDR-Vergangenheit sorgte für Kritik
Neutsch verfasste in seinem arbeitsreichen Leben Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Essays, Gedichte und Drehbücher. Neutsch war von 1974 bis 1990 Mitglied der Akademie der Künste der DDR und wurde mit dem Nationalpreis für Kunst und Literatur ausgezeichnet. Erik Neutschs DDR-Vergangenheit sorgte nach 1990 auch für Kritik.
Neutsch trat in die SED ein
Als Sohn einer Arbeiterfamilie wurde Neutsch 1931 in Schönebeck bei Magdeburg geboren. 1949 trat er in die SED ein. Von 1950 bis 1953 studierte er Gesellschaftswissenschaften, Philosophie und Publizistik an der Universität Leipzig. In den 1970er Jahren begann Neutsch, mit dem Romanzyklus "Der Friede im Osten" an seinem Lebenswerk zu schreiben. Vier der sechs Bücher erschienen bis zu seinem Tod.
Schriftsteller war ein engagierter Streiter
Die Konflikte in seinem sozialen Umfeld wurden ihm zum Thema, sagte eine Sprecherin vom Verlag Das Neue Berlin zum Anliegen des Schriftstellers. Neutsch sei stets als ein engagierter Streiter für eine bessere Welt eingetreten, teilte Sachsen-Anhalts Chef der Linksfraktion im Landtag, Wulf Gallert, in einer Mitteilung mit. "Sein Werk wird nicht in Vergessenheit geraten. Den Angehörigen bekunden wir unsere Anteilnahme und tiefe Trauer", sagte Gallert.
Mit Manfred Krug in der Hauptrolle
Neutsch habe sich oft in die Lebensumstände seiner Romanhelden begeben, erklärte die Rosa-Luxemburg-Stiftung (Berlin). Unter deren Dach befindet sich die Erik-Neutsch-Stiftung. Sein Roman "Spur der Steine" wurde mit Manfred Krug in der Hauptrolle verfilmt. Nach der Premiere 1965 wurde der Defa-Film wegen seiner kritischen Sicht auf die DDR abgesetzt. Erst nach 1990 wurde der Film wieder gezeigt.
Nach Angaben des Verlages Edition digital, der einen großen Teil der Werke Neutschs als E-Books veröffentlicht hat, wollte der Autor noch den fünften Teil seiner Reihe "Der Friede im Osten" vollenden. "Er hoffte, dass er das noch hinbekommt", sagte Verlagschefin Gisela Pekrul in Pinnow bei Schwerin. Neutsch habe zuletzt aber offenbar wegen seiner Krankheit nicht mehr auf Briefe des Verlages reagiert. Der Verlag hat mehr als 300 Bücher von 74 ostdeutschen Autoren als E-Books im Programm. dpa/AZ