Und schon wieder ein Widerspruch: Der Paarhufer Flusspferd steht nicht dem Pferd, sondern dem Schwein nahe. Mit diesem "Vetter" verbindet die afrikanischen Kolosse vor allem ihr Gebiss, das gleichzeitig ihre gefährlichste Waffe ist. Ihre unteren Schneidezähne stehen wie bei den Schweinen fast waagrecht nach vorn und bilden riesige Hauer. Sie arbeiten gegen die oberen Eckzähne, was zur Folge hat, dass sich diese Beißer ständig gegenseitig schleifen. Rasiermesserscharf sind auch die unteren Eckzähne, die bis zu 50 Zentimeter lang werden können. In Südafrika, wo die Flusspferde übrigens tatsächlich "Hippos" genannt werden, gehören sie zu den gefürchtetsten Wildtieren: Jedes Jahr töten die "Hippos" mehr Menschen als alle anderen Tiere zusammen.
Die so knuddelig wirkenden Herdentiere haben ein sehr ausgeprägtes Revierbewusstsein und verteidigen ihr Terrain gegen Eindringlinge erbittert. Zunächst drohen sie mit einer Art "Gähnen", um dann ohne jedes Zögern anzugreifen. Dabei entwickeln die plumpen Tiere eine erstaunliche Wendigkeit. Davon laufende Menschen überholen sie mühelos. Kleinere Boote werfen sie wie Nussschalen um. Tödlich verlaufen mitunter auch die schweren Kämpfe zwischen rivalisierenden Bullen.
Mit einer Schulterhöhe von 1,50 Metern, einer Länge von bis zu 4,50 Metern und einem Gewicht von bis zu 4500 Kilogramm konkurrieren die Flusspferde mit den Nashörnern um den Rang des zweitgrößten Landtieres hinter den Elefanten. Sie leben ausschließlich in Afrika südlich der Sahara und fühlen sich in langsam fließenden Gewässern mit Uferbänken und Sandstränden am wohlsten. Den Tag verbringen die pummeligen Tiere überwiegend stehend im Wasser, womit sie ihre Austrocknung verhindern und ihre empfindliche Haut vor Sonnenbrand schützen. Bequem halten es Flusspferde auch bis zu zehn Minuten unter Wasser aus. Beim geräuschlosen Auftauchen sind meist nur Ohren, Augen und Nasenlöcher zu sehen. Nachts geht es dann ans Ufer zum Fressen. Rund 50 Kilogramm Gras stopfen die reinen Pflanzenfresser pro Tag in ihre massigen Körper.
Die Zahl acht spielt eine wichtige Rolle im Flusspferdleben: Acht Monate lang trägt die Flusspferdkuh, ehe ihr bis zu einem Zentner schweres Baby auf die Welt kommt. Und acht Jahre dauert es, bis der stummelbeinige Nachwuchs ausgewachsen ist. Die Angaben über die Lebenserwartung der Flusspferde schwanken zwischen 40 und 49 Jahren. Als ältestes Exemplar Europas wird die Kuh Bulette aus dem Berliner Zoo geführt: Sie erhält mit ihren 53 Jahren noch täglich eine "Antibabypille", die in ihren Ausmaßen allerdings eher an einen Brotlaib erinnert.
Eindrucksvoll ist auch die Kommunikation dieser massigen Tiere. Einem hohen Quieken folgt ein dumpfes, weithin hörbares Grollen. Es kann vorkommen, dass eine ganze Herde gleichzeitig im Chor ihre kräftigen Stimmen erhebt. Häufig wird zudem von lauten Schnaufgeräuschen berichtet, die über Kilometer hinweg zu hören sein sollen.
Wer sich so gut wehren kann, sollte eigentlich keine Feinde haben mit einer Ausnahme: Sowohl durch die Einschränkung ihres Lebensraumes und ihrer Weideflächen wie auch durch Wilderei setzt der Mensch den afrikanischen Flusspferd-Beständen zu. Viele angeblich von Elefanten stammende Stoßzähne, die natürlich illegal gehandelt werden, sind tatsächlich Flusspferdzähne. Und somit wird die gefährlichste Waffe dieser einzigartigen Tiere häufig zu ihrer Todesursache schon wieder ein Widerspruch.