Die 38 Jahre alte Lisa Coleman ist im US-Bundesstaat Texas am Mittwoch (Ortszeit) hingerichtet worden. Coleman ist erst die 15. Frau, die seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976 in den USA hingerichtet wurde.
Hinrichtung einer Frau per Giftspritze
Lisa Coleman war wegen der Entführung und Tötung des neun Jahre alten Sohnes ihrer Freundin, mit der sie sich die Wohnung teilte, zu der Strafe verurteilt worden. Die Frau wurde im Gefängnis von Huntsville per Giftspritze hingerichtet und 18.24 Uhr (Ortszeit, 01.24 Uhr MESZ) für tot erklärt.
Junge wog bei Tod nur noch 15 Kilo
Die Todesstrafe in den USA
Die USA sind einer von weltweit 57 Staaten, in denen die Todesstrafe vollstreckt wird. Amnesty International registrierte 2011 nur in China, dem Iran, Saudi-Arabien und Irak mehr Hinrichtungen als in den Vereinigten Staaten.
In vielen der 50 US-Bundesstaaten sehen Gesetze die Todesstrafe für schwere Verbrechen vor. Darüber hinaus kann die Todesstrafe im ganzen Land nach Bundes- und Militärrecht verhängt werden.
Seit Wiederaufnahme der Hinrichtungen 1977 wurden nach Angaben des US-Death Penalty Information Centers (DPIC) 1300 Todesurteile vollstreckt.
Häufigste Hinrichtungsart ist die Giftspritze. Andere Straftäter starben auf dem elektrischen Stuhl, in der Gaskammer, wurden erschossen oder gehängt.
Laut Amnesty International wurden in den USA seit 1977 auch mindestens 44 Gefangene mit geistigen Behinderungen hingerichtet. Nach US-Recht besteht kein generelles Verbot für Hinrichtungen von Menschen mit geistigen und psychischen Erkrankungen.
Voraussetzung für den Vollzug eines Todesurteils ist, dass der Todeskandidat die Gründe für seine Strafe versteht, was als Beleg für seine Schuldfähigkeit gesehen wird.
Anfang 2012 saßen nach DPIC-Angaben 3189 Todeskandidaten hinter Gittern, die meisten in Kalifornien (723), Florida (402) und Texas (312).
Durch Anfechtungen des Urteils, Wiederaufnahmeverfahren oder andere Verzögerungen können Jahrzehnte vom Urteil bis zur Hinrichtung vergehen.
Seit 1973 wurden in den USA 140 Menschen wegen erwiesener Unschuld oder erheblicher Zweifel an ihrer Schuld wieder aus den Todeszellen entlassen.
Allein 2009 wurden neun Gefangene nach einem vorherigen Todesurteil freigesprochen. Bis zu ihren Entlassungen waren sie insgesamt 121 Jahre inhaftiert.
Der Fall passierte im Jahr 2004. Der neunjährige Junge war verhungert, bei seinem Tod hatte er nur noch 15 Kilogramm gewogen. Er wurde nach Überzeugung des Gerichts außerdem schwer misshandelt, eingesperrt und festgebunden, weshalb die Strafe auch wegen Kidnappings verhängt wurde. Die Mutter des Kindes wurde zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt.
In diesem Jahr wurden in dem Land bereits 30 Todesurteile vollstreckt, fast ein Drittel davon in Texas. afp/AZ