Deutschland ist nicht nur Krimiland, sondern auch Quizland. Was fasziniert die Leute so am Rätseln?
Sebastian Klussmann: Es ist die Mischung aus Spiel, Spaß und Spannung. Ich glaube, viele Menschen können sich dabei wiederfinden. Die Neugierigen lernen dabei etwas, und die Sportlichen können sich in Wettkämpfen messen. Dabei kann man alle abholen. Denn anders als beim Skat oder beim Schach muss man zuvor keine Regeln lernen.
Warum ergibt es Sinn, sich auch im Zeitalter von Google noch viele Fakten zu merken?
Klussmann: Letztendlich ist unser Wissen die Brille, durch die wir die Wirklichkeit wahrnehmen. Je mehr Wissen ich habe, umso besser kann ich mir auch neues Wissen merken. Umso mehr verstehe ich mein Leben. Wenn ich mir bei allen Dingen sagen würde, die brauche ich nicht und lagere sie aus, weil ich ja googeln kann, dann fällt es mir jedes Mal aufs Neue schwer zu lernen.
Googeln Sie nie?
Klussmann: Doch, natürlich google ich auch. Man muss die Chancen der Technik nutzen. Aber es wäre auch ineffizient, wenn man immer wieder dieselbe Frage googeln muss, weil ich mir nichts merke. Da fällt mir noch ein Grund ein, warum es ganz gut ist, Dinge zu wissen. Wenn ich auf eine Party gehe, habe ich nie Probleme, mit anderen ins Gespräch zu kommen, denn ich kann über fast alle Themen interessante Gespräche führen.
Bei der ARD-Sendung „Gefragt – gejagt“ gewinnen die Jäger fast alle Endkämpfe, obwohl sie bis zu vier Gegner haben. Auch Sie verblüffen durch ein umfangreiches Wissen auf allen Gebieten. Wie wird man so schlau?
Klussmann: Immer neugierig sein! Letztendlich muss man mit offenen Augen durch die Welt laufen. Ich habe mich in meinem Buch „Besser wissen mit dem Besserwisser“ auch gefragt, was ich anders mache.
Und was machen Sie anders?
Klussmann: Da gibt es jedenfalls nicht die eine geniale Methode, die ich dann nach mir benennen und verkaufen könnte. Nein, es ist ein Sammelsurium an Dingen, die ich vielleicht ein bisschen anders mache. Das fängt damit an, dass ich immer darauf achte, wonach Straßennamen benannt sind. Ich sauge aus meiner Umgebung sehr effizient Wissen auf. Die US-Präsidenten habe ich beispielsweise über amerikanische Sitcoms gelernt oder die römischen Ziffern über Wrestling-Kassetten. So habe ich Mittel gefunden, mich für verschiedene Themengebiete begeistern zu können. Heute mache ich das systematischer. Das Schöne beim Wissen ist wie beim Essen. Wenn man ein Grundwissen hat, dann wächst der Appetit auf mehr.
Promis als Namensgeber für neue Tierarten
Bringt Zeitunglesen was?
Klussmann: Natürlich, unbedingt. Zeitung ist in jedem Fall eine Konfrontation mit Dingen, auf die ich ansonsten vielleicht nicht gestoßen wäre. Zeitung ist komprimiertes Wissen, das jeden Tag von Menschen aufbereitet wird, die sich damit beschäftigt haben. Zeitung gehört bei mir zum Wissensalltag dazu. Aber nur Zeitung lesen reicht auch nicht. Man sollte sich schon noch andere Medien hinzuholen, beispielsweise Bewegtbilder. Auch das Hören einer Nachricht ist wichtig. Erinnerung ist ein Netzwerk an Nervenzellen. Und über je mehr Kanäle wir uns das Wissen zuführen, umso besser verankert es sich.
Sie konnten vor Ihrer Einschulung Länder, ihre Flaggen und die Hauptstädte. Was hat Ihr Wissensinteresse geweckt?
Klussmann: Erst mal war da eine Art Grundneugier. Der Atlas lag bei uns halt da und ich habe gerne reingeguckt. Er war für mich ein wenig das Tor zur Welt. Ich habe mir auch Rechnen beigebracht. Ein bisschen erkläre ich meinen Wissensdurst auch über die Identitätsbildung. Ich war ein Kind ohne großes Selbstbewusstsein, war etwas verängstigt. Und das Wissen war der Schlüssel dazu, dass andere mich positiv wahrgenommen haben. Und dem wollte ich dann auch entsprechen.
Sie nehmen ja nicht nur an der Olympiade teil, sondern haben auch den deutschen Quiz-Verein gegründet. Wie kommt man mit 22 Jahren auf so eine Idee?
Klussmann: Das war sozusagen ein natürlicher Schritt. 2010 erstmals an den Weltmeisterschaften teilgenommen. Damals zählte man in Deutschland an der dezentral ausgetragenen Veranstaltung gerade einmal 13 Leute. Das wollte ich ändern.
Sie haben mal Politikwissenschaft studiert, aber daraus ist offenbar kein Beruf geworden. Wovon leben Sie?
Klussmann: Tatsächlich vom Quizzen, vom Schreiben von Quizfragen und zu einem großen Teil von Auftritten. Ich trete als Speaker bei Unternehmen und Universitäten oder Verbänden auf. Ich gebe auch Seminare, wie man sich fürs Lernen begeistern kann. Manchmal veranstalte ich selbst Quiz-Abende. Überhaupt öffnen sich immer mehr Türen. Sogar bei der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ habe ich eine Gastrolle bekommen.
Sie nennen sich selbst einen Besserwisser und sagen, Sie hätten viele Jahre gebraucht, um die besserwisserischen Züge sozial verträglich zu gestalten. Hat Sie schon mal jemand als Klugscheißer beschimpft?
Klussmann: Ja, ja, das ist schon passiert. Gerade in der Pubertät, als ich es mit der Besserwisserei etwas übertrieben habe. Ich hatte zwar durchaus Freunde und war kein Ausgestoßener, aber ich habe schon gemerkt, dass ich damit angeeckt bin und die anderen genervt habe. Ich habe irgendwann für mich selbst analysiert, dass das Besserwissen kein wirklich sympathischer Zug ist.
Und dann konnten Sie das einfach so sein lassen?
Klussmann: Ich kann das ja jetzt immer noch beispielsweise bei Quizmeisterschaften ausleben.
Können Sie auch etwas Einfaches tun, wie vor dem Fernseher zu sitzen?
Klussmann: Natürlich, Fernsehen spielt bei mir eine große Rolle. Ich habe schon tausende von Stunden Trash-TV geguckt. Ich verfolge das „Dschungelcamp“ und ich mag professionelles Wrestling. Ich mache auch ganz normale Dinge und gehe gerne mit Kumpels ein Bier trinken. Was ich aber mache, dass ich dann beim Weißbier schaue, wo denn Erding liegt.
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Das Kleingedruckte bei Gewinnspielen lesen
Für Spielinteressierte wichtig ist, sich im Kleingedruckten der Online-Seiten über den Sitz der Internet-Lotterie (Impressumsangabe) sowie dessen Spiel- und Gewinnregeln (Allgemeine Geschäftsbedingungen) zu informieren.
Denn welchem Geschäftsmodell sie folgen, verheimlichen die schwarzen Lotterien nicht. Außerdem finden sich auf den Webseiten Hinweise auf deren "staatliche Lizenzierung und behördliche Regulierung" – die aber nicht in Deutschland erfolgt.
Laut Verbraucherzentrale Bayern bewegen sich die Zweitanbieter – nach europäischem Recht – in einem Graubereich. Speziell in Deutschland gebe es aber den Glücksspielvertrag – "und demnach sind diese illegalen Zweitlotterien ganz klar verboten".
Es bestehe jedoch ein "erhebliches Rechtsdurchsetzungs- und Vollzugsdefizit des deutschen Staates gegenüber den im Ausland ansässigen und lediglich im Internet agierenden Unternehmen", so die Verbraucherschützer.
Nach Auskunft von Lotto Bayern gibt es immerhin erste Urteile von Verwaltungsgerichten, die eine TV-Werbung für Schwarzlotterien untersagten.
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