Was ist echte Anerkennung? Wenn der 15-jährige Sohn einem auf die Schulter haut, weil man ihm erlaubt hat, noch eine Stunde auf der Playstation zu spielen. Dazu nuschelt er: „Papa, du bist ein Ehrenmann!“
Was man als Eltern von Pubertieren schon seit einiger Zeit am Küchentisch hört, hat inzwischen Eingang in den deutschen Sprachgebrauch gefunden: „Ehrenmann“ beziehungsweise „Ehrenfrau“ sind die Jugendwörter des Jahres 2018. So werde jemand bezeichnet, der etwas Besonderes für einen tut, erklärt der Langenscheidt-Verlag. Eine 21-köpfige Jury hat das Wort gewählt. Ursprünglich standen 30 Begriffe zur Auswahl, die zeigen sollen, wie Jugendliche heute reden.
Jugendwort des Jahres 2018: Auch "Lauch" stand zur Wahl
In einer Online-Abstimmung konnte aus Wörtern wie „lindnern“ (etwas lieber gar nicht als schlecht zu machen), „Snackosaurus“ (für einen verfressenen Menschen) oder „Lauch“ (Trottel) gewählt werden. 1,5 Millionen Stimmen wurden abgegeben. Die Jury musste sich dann für eines der beliebtesten zehn Wörter entscheiden. Spitzenreiter im Internet war „verbuggt“. Das steht für etwas, das voller Fehler ist.
Ansonsten orientiert sich die aktuelle Jugendsprache oft am Turkdeutsch von Gangsta-Rappern. Das Wörtchen „krass“ etwa gehört dazu. Und auch der Ehrenmann kommt aus dieser Ecke. Als Eltern sind wir angesichts der primitiven Sprache der Sprösslinge bisweilen auch am Verzweifeln. Aber dann erinnern wir uns, dass wir selbst nicht besser waren: Das Wort „geil“ in seiner vielfältigen Bedeutung war damals megahip, um unsere Eltern cool zu provozieren.
Das waren die "Jugendwörter des Jahres"
2021: "Cringe". Der Begriff beschreibt etwas Peinliches oder Unangenehmes. Das Wort landete bei der Abstimmung 2020 bereits auf dem zweiten Platz.
2020: "Lost". Der Begriff drückt Ahnungslosigkeit und Unsicherheit aus. Es war das erste Jahr, in dem online über das Jugendwort abgestimmt wurde.
2019 fiel die Wahl zum "Jugendwort des Jahres" aus.
2018: "Ehrenmann/Ehrenfrau". Diese Wortschöpfung bedeutet "jemand, der etwas Besonderes für dich tut".
2017: "I bims". Der Ausdruck bedeutet "Ich bin" oder "Ich bin's" und ist ein Stilmittel der "vong"-Sprache, einem Sprachphänomen aus den sozialen Medien. Als Erfinder gelten sowohl der österreichische Rapper Money Boy als auch Internet-Kunstfigur "Willy Nachdenklich", ein Großhandelskaufmann aus Amberg in der Oberpfalz.
2016: "Fly sein". Der Ausdruck kommt aus der Hip-Hop-Sprache und soll soviel bedeuten wie: jemand oder etwas "geht besonders ab".
2015: "Smombie". Das aus Smartphone und Zombie zusammengesetzte Wort beschreibt jemanden, der von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, weil er nur noch auf sein Smartphone starrt.
2014: "Läuft bei Dir". Vor drei Jahren wurde ein ganzer Satz zum "Jugendwort" gekürt. Er soll als Synonym für cool oder krass gelten.
2013: "Babo". Das Wort bedeutet so viel wie Boss oder Anführer. Der Ausdruck erinnert an den türkischen Begriff Baba (Vater) und wird vor allem in kurdischen Gebieten der Türkei benutzt. Hierzulande bekanntgemacht hat den Begriff der deutsch-kurdische Rapper Haftbefehl aus Offenbach - mit seinem Lied "Chabos wissen wer der Babo ist".
2012: "Yolo". Das ist ein Akronym und steht für "You only live once" - eine Aufforderung, alle Chancen auf Erlebnisse zu nutzen.
2011: "Swag". Der US-amerikanische Ausdruck bezeichnet eine "beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung" oder eine "charismatisch-positive Aura". Wörtlich übersetzt bedeutet "to swagger" stolzieren, prahlen oder schwadronieren, und "swaggerer" heißt Aufschneider oder Angeber.
2010: "Niveaulimbo". Mit dem Begriff beschrieben Jugendliche 2010 das Absinken des Niveaus beispielsweise im Fernsehprogramm, bei Partys oder in Gesprächen.
2009: "hartzen". Das an Hartz IV angelehnte Wort kann so etwas wie rumhängen oder auch arbeitslos sein heißen.
2008: "Gammelfleischparty". Das erste "Jugendwort des Jahres" ist eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für eine Ü-30-Party. (dpa)