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Jukebox
23.11.2019

Was hast du gedrückt? Vor 130 Jahren wurde die Musikbox erfunden

Echtes Kneipenflair? Gibt es nur mit Musik per Knopfdruck! Vor 130 Jahren erfand Louis Glass die Jukebox.
Foto: Patrick Seeger, dpa

Die vor 130 Jahren erfundene Musikbox prägte im 20. Jahrhundert die Atmosphäre in Kneipen und Lokalen. Ihre Magie hallt noch immer nach.

Der magische Verzögerungsmoment zwischen dem Drücken des Songs und den ersten Tönen: Der Greifarm holt sich die Platte, legt sie auf wie ein Geister-DJ, dann senkt sich die Nadel und die Kiste vibriert, dass es das ganze Lokal hört. Wer nie an einer Jukebox stand, die nach kaltem Rauch roch, gebeugt über die Liste der 80 oder 100 enthaltenden Hits, Geld einwarf und A7 oder C9 drückte, wird kaum begreifen, was für ein Erlebnis Musikhören in der Kneipe einmal war. Heute, im Spotify-Zeitalter, wo Lieder überall sofort gefunden und auf dem Telefon abgespielt werden können, wirken die bunten Kästen, die Musikboxen, wie Dinosaurier. Und das sind sie ja auch: alt und ausgestorben.

1889 präsentierte ein gewisser Louis Glass seine Erfindung: die Musikbox

Am 23. November 1889 führt ein gewisser Louis Glass im Restaurant "Palais Royal" in San Francisco einen Musikautomaten vor, den "Phonographen". Der spielt kurze Stücke Musik ab – und zwar in stetoskopartige Kopfhörer. Mit der Erfindung der Schellack-Platte wurden die Phonographen ein Massenphänomen in den USA. Firmen wie Wurzlitzer, Seeburg, Rock-Ola und AMI bauten zigtausende Münzautomaten mit Musik, die seit den 1940er Jahren mit Singles aus Vinyl gefüttert wurden. Ihre Verstärker machten die Dinger immer lauter und den Klang immer besser.

In Amerika gab es Mitte des 20. Jahrhunderts praktisch kein Lokal ohne Musikbox. Elvis Presley oder Bill Haley wurden auch durch die Wahl an der Jukebox groß. Drei Viertel aller gepressten Singles landeten in den 50ern in den Schreinen. Mit den GIs wurde die Jukebox auch bei uns populär. Auch deutsche Firmen bauten jetzt Jukeboxen, sogar in der DDR wurden Truhen produziert.

Selbst Nobelpreisträger Peter Handke widmete der Jukebox eine Erzählung

Die Musikaltäre aus Chrom, buntem Plexiglas und Neonlichtspielen, um die sich das Ausgehen abspielte, wurden zum Mythos, der in Filmen und in Hits inszeniert wurde. Songs wie "Juke Box Hero" von Foreigner oder "Juke Box Music" von den Kinks feierten das Genre. Auch der Literaturnobelpreisträger Peter Handke ist mit der Jukebox großgeworden. Er hat ihr vor 30 Jahren mit seinem "Versuch über die Jukebox" eine Erzählung gewidmet. "Schon als Halbwüchsiger, mit den Eltern, ging er nicht ins Gasthaus, und nicht zum Limonadetrinken, sondern zur Wurlitzer, zum Plattenhören (...) Dabei bedeuten die äußere Form der jeweiligen Geräte und sogar die Auswahl fürs erste weniger, als der besondere Klang, der davon ausging. Er kam nicht (...) von oben, sondern aus dem Untergrund …"

Die Disco und immer mehr kleine Musikabspielgeräte hungerten die Jukebox aus. 1974 stellte Wurlitzer in Chicago die Produktion ein. Werksabgesang: "Niemand hat mehr Zeit, und in den modernen Abfütterungsplätzen wird keiner zum Bleiben ermuntert. Unser ganzer Lebensstil ändert sich." Geschmäcklerische Wiederbelebungsversuche mit CD-Musikboxen und Plastiksimulationen scheiterten. Die letzten Orte, wo noch alte Boxen laufen, sind längst Weihestätten.

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