Ungeachtet der Sorge vor dem Zika-Virus haben in Rio de Janeiro zehntausende Menschen zum Höhepunkt des Karnevals an der Vorführung der Sambaschulen teilgenommen. Rund 70.000 Menschen tanzten und jubelten in der brasilianischen Metropole auf den Rängen des Sambadroms, als am Sonntagabend die Estacio de Sa als erste der zwölf Sambaschulen den Wettbewerb in dem Tanzstadion eröffnete. Als Verweis auf die Olympischen Sommerspiele in sechs Monaten wurde zur Eröffnungszeremonie eine riesige Fackel hereingetragen.
Der Wettbewerb der Sambaschulen, der am Sonntag und Montag jeweils die ganze Nacht läuft, ist der Höhepunkt des Karnevals, an dem Schätzungen zufolge fünf Millionen Menschen teilnehmen, darunter eine Million Touristen. Der Parade der aufwändig kostümierten Sambaschulen, einer Auswahl aus rund hundert Ensembles von Amateurtänzern aus der brasilianischen Metropole, gehen zwei Wochen mit Straßenparaden voraus.
Karneval in Rio: Feierlaune trotz Zika-Angst
Das ist das Zika-Virus
Das Zika-Virus kann vor allem für schwangere Frauen und deren Kinder gefährlich werden. Ein Überblick.
Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 in Uganda bei einem Affen entdeckt. Benannt ist es nach einem südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala gelegenen Wald.
Der erste Fall beim Menschen wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1952 bekannt.
Dengue- und Chikungunya-Fieber werden durch die Tigermücke übertragen. Auch das Zika-Virus wird durch Stechmücken übertragen.
Das Zika-Virus kam bislang nur im tropischen Afrika, in Südostasien und auf den pazifischen Inseln vor. Experten vermuten, dass es durch die Fußball-WM nach Brasilien gelangen konnte und sich von dort ausgebreitet hat.
In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe: Die Infizierten leiden unter Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen. Häufig treten auch Hautausschlag und Bindehautentzündungen auf.
In einigen Fällen kann es nach einer Zikavirus-Infektion zu einem Guillain-Barré-Syndrom kommen, einer entzündlichen Nervenerkrankung. Dabei können Empfindungsstörungen und Lähmungserscheinungen in Beinen und Armen auftreten. In den meisten Fällen bilden sich die Symptome wieder zurück.
Besonders gefährlich kann das Virus für Schwangere sein: Es kann sich offenkundig auf das ungeborene Kind übertragen und zu Hirnfehlbildungen führen, einer sogenannten Mikrozephalie.
Sowohl das Robert-Koch-Institut (RKI) als auch Tropenmediziner und Viren-Experten sehen keine Gefahr, dass sich das Virus auch hierzulande verbreitet. Es fehlen die klimatischen Bedingungen; die Gelbfiebermücke als Hauptüberträgerin kommt hier gar nicht vor. Und bei der vereinzelt in Süddeutschland auftauchenden Asiatischen Tigermücke ist gar nicht klar, ob sie das Virus tatsächlich überträgt.
Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Erkrankter.
Allerdings trübt das Zika-Virus in diesem Jahr die Feierlaune. Brasilien ist besonders von dem durch die Gelbfiebermücke übertragenen Virus betroffen, das derzeit in Süd- und Mittelamerika grassiert. Die Krankheit verläuft zumeist glimpflich, doch besteht der Verdacht, dass Schwangere das Virus auf Babys übertragen können, bei denen es offenbar zu Mikrozephalie führen kann - einer gefährlichen Fehlbildung des Kopfes.
Überschattet wird der Karneval zudem von der anhaltenden Rezession, den Streit um den riesigen Korruptionsskandal bei dem Erdölkonzern Petrobras und dem Konflikt um das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff. Wegen der Wirtschaftskrise ist die Finanzierung für die aufwändigen Sambaaufführungen deutlich zurückgegangen, und in 48 Städten wurde der Karneval sogar ganz abgesagt. AZ/goro