Kritik zum Kino-Film "The Nice Guys" mit Ryan Gosling und Russell Crowe:
Gleich zwei Filme bieten in dieser Kinowoche Reisen in hippe Dekaden des vergangenen Jahrhunderts an: Während Richard Linklater („Everybody Wants Some!!“) mit nostalgisch-dokumentarischer Präzision die Zeitenwende des Jahres 1980 an einem texanischen Campus ins Bild fasst, fühlt sich Shane Blacks in den 70ern angesiedelte Action-Farce „The Nice Guys“ dem retro-coolen Genrekino verpflichtet. Im Zentrum stehen hier zwei Privatermittler, die auf recht unterschiedliche Weise der alltäglichen Kriminalität in Los Angeles beikommen.
Kino-Film "The Nice Guys": Russell Crowe spielt Berufsschläger
Jackson Healy (Russell Crowe) ist ein Berufsschläger, der aufdringliche Männer unmissverständlich und schmerzhaft dazu bringt, seine Klientinnen in Ruhe zu lassen. Mit entspannter Professionalität führt er seine Arbeit aus und gibt den Opfern vorab wertvolle Ratschläge für die medizinische Nachbehandlung. Dem Kollegen Holland March (Ryan Gosling) bricht er erst einmal den Arm, bevor die beiden feststellen können, dass sie an dem selben Fall dran sind, und sich kooperative Handlungsmöglichkeiten eröffnen.
Eine Porno-Schauspielerin ist durch eine Autounfall gewaltsam ums Leben gekommen und eine Umweltaktivistin, die ihr ähnlich sieht, wird von der Auto- und Sexfilmindustrie, korrupten Gesetzeshütern und ihrer einflussreichen Mutter (Kim Basinger) gleichermaßen verfolgt. Der Plot ist verworren und wird es auch bleiben, bietet jedoch den Nährboden für Überraschungsmomente, in denen die Erwartungen erst bedient und wenig später konterkariert werden.
Ryan Gosling in "The Nice Guys" als Privatermittler
Shane Black, der mit „Lethal Weapon“ einen Genre-Klassiker schrieb und dessen Regiedebüt den programmatischen Titel „Kiss Kiss Bang Bang“ trug, ist in dieser scheinbar locker gestrickten Action-Komödie ganz und gar im Vollbesitz seiner filmemacherischen Kräfte. Schon in der ersten Einstellung, in der man eher beiläufig durch das Küchenfenster ein Auto von der Straße abkommen sieht, das erst nach langen 20 Sekunden die Wand des Wohnzimmer durchbricht, ist klar, dass Stil und Timing hier wichtiger sind als hyperventilierende Actionsequenzen.
Souverän jongliert Black in der Tradition des L.A.-Noir-Films. Die Romane von Dashiell Hammett oder James Ellroy bilden hier genauso den popkulturellen Bezugsrahmen, wie Filme von P.T.Anderson oder den Coens, von denen „The Nice Guys“ den drastisch-pointierten Gewalteinsatz übernommen haben. Aus den Verweisen leitet Shane keine Meisterwerk-Allüren ab, sondern gibt sich mit dem Anspruch auf unorthodoxe Kinounterhaltung zufrieden.
Kritik zu "The Nice Guys": Überraschend gut
Überraschend gut funktioniert das Herrendoppel: Russell Crowe verleiht seiner oftmals nervigen Hypermaskulinität einen übermüdet verbrauchten Charme. Ihm gegenüber zappelt sich Ryan Gosling vergnügt durch die Rolle des etwas linkischen Privatermittlers, der immer wieder in uncoole Heldensituationen hinein getrieben wird. Diesem Mann hat Black eine dreizehnjährige Tochter (Angourie Rice) zur Seite gestellt, die sich auch in Gefahrensituationen nicht abschütteln lässt. Das lebenskluge Mädchen bietet einen überraschend tragfähigen Gegensatz zum testosteronlastigen Treiben und gibt dem Film etwas, was sich in diesem Genre kaum einer leistet: ein Gewissen. ****
Filmstart in vielen Kinos der Region