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Klage gegen Facebook
10.12.2020

Facebook-Monopol? US-Regierung droht Konzern mit Zerschlagung

Monopol dank WhatsApp und Instagram: US-Regierung droht Facebook mit Zerschlagung
Foto: Uli Deck, dpa

Die US-Regierung und 48 Bundesstaaten klagen gegen Facebook. Mit WhatsApp und Instagram sei Facebook zum Monopol geworden. Wird der Konzern zerschlagen?

Neun Jahre ist es her, dass Facebook das Fotonetzwerk Instagram für eine Milliarde Dollar gekauft hat. Zwei Jahre später blätterte das Unternehmen 22 Milliarden Dollar für die Übernahme des Messengerdienstes WhatsApp hin. Die Welt staunte über die Einkaufstour von Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Wieso legte der Mann so viel Geld hin, um zwei zu dieser Zeit beliebte, aber wenig rentable Unternehmen zu kaufen?

Facebook-Zerschlagung wegen Kauf von WhatsApp und Instagram?

Der Verdacht lag nahe, dass es ihm um das millionenfache Einsammeln und Aggregieren von Nutzerdaten ging. Daten bringen Geld, weil sie Kunden dabei helfen, passgenaue Werbung auszuspielen. Viele Daten bringen viel Geld, vor allem dann, wenn sie aus verschiedenen Diensten zusammenlaufen. Facebook verkauft aberwitzig viele Daten seiner Nutzer an Werbekunden - und verdient damit Milliarden. Mark Zuckerberg erntete damals für die Zukäufe Kritik, die Deals gingen aber ohne Schwierigkeiten über die Bühne.

Facebook hat WhatsApp für 22 Milliarden Dollar gekauft.
Foto: Dominik Berchtold (Symbol)

Jetzt, viele Jahre später, hat die US-Regierung gemeinsam mit knapp 50 Bundesstaaten eine Klage gegen Facebook eingereicht und eine Zerschlagung ins Spiel gebracht. Der Vorwurf: Durch die Käufe von Instagram und WhatsApp habe Facebook nach und nach seine Marktmacht ausgebaut und nun eine Monopolstellung inne. Konkurrenten hätten keine Chance, groß zu werden.

Klage von US-Regierung gegen Facebook ist nachvollziehbar, aber aussichtslos

Das Lamento ist nachvollziehbar, es offenbart aber auch eine große Naivität. Damals, vor neun oder sieben Jahren, hätten die Behörden vorausschauend prüfen müssen. Die Absichten von Zuckerberg waren eindeutig. Es war klar, dass er jedes Mittel nutzen würde, um Profit zu machen. Die Legitimation dazu haben ihm Behörden unter anderem 2012 und 2014 gegeben.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg baut an seiner Version eines neuen Internets.
Foto: Kay Nietfeld, dpa

Seitdem baut Zuckerberg mit Facebook an seiner Vorstellung eines neuen Internets. Es ist ein Internet, das frappierende Ähnlichkeiten aufweist zu den Firmenzentralen von Facebook und Google. Dort, in den tollen Komplexen in Kalifornien, bauen die Eigentümer eine Arbeitswelt, die Mitarbeiter - in pandemiefreien Zeiten - im besten Fall gar nicht mehr verlassen möchten. Kinos, Fitnessstudios, Restaurants: Vieles, was das Leben unterhaltsam macht, findet der Angestellte auf den firmeneigenen Geländen. Die Unternehmen kreieren ein geschlossenes System, das Menschen genügt.

Was Mark Zuckerberg mit Facebook vorhat

So soll nach Vorstellung von Mark Zuckerberg auch das Internet aussehen: Ein Facebook-Kosmos, der Absprünge nicht verbietet, aber unnötig macht. Während Google zumindest bis vor einigen Jahren ein Tor zur Welt sein wollte, meinte Mark Zuckerberg schon immer Zugang zu Facebook, wenn er etwa über seine Initiative für Zugang zum Internet für arme Länder sprach.

Mark Zuckerberg wollte Snapchat 2012 aufkaufen - erfolglos.
Foto: Patrick Seeger, dpa

In ihrer Bewertung der Marktmacht Facebooks liegen die Kläger richtig: Zuckerberg duldet keine Konkurrenz. Wer nicht aufgekauft werden möchte, wird plattgemacht. Das weiß auch Evan Spiegel. Spiegel gründete Snapchat, einen Dienst, über den Nutzer Fotos und andere Medien an Freunde schicken. Nach wenigen Sekunden verschwinden die Beiträge.

Er sei „großer Fan“, schrieb Zuckerberg Spiegel vor acht Jahren. So nett die Einleitung, so kühl die Verabschiedung nach dem Kennenlernen: Spiegel schlug ein Übernahmeangebot Zuckerbergs aus. Die Konsequenz: Zuckerberg startete die Snapchattisierung von WhatsApp, Instagram und Facebook. Beliebte Funktionen wurden kopiert. Facebook wurde zum China der sozialen Netzwerke.

Facebook steht ein längerer Prozess bevor.
Foto: Christophe Gateau, dpa

Facebook wird den Prozess mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann gewinnen. Die Prüfer hatten die Deals schließlich damals abgesegnet, auch die jetzt klagende Wettbewerbsbehörde. Und: Das Kopieren von nicht geschützten Funktionen der Konkurrenz ist nicht verboten. Tritt das Erwartbare ein, festigt der Facebook-Chef seinen Status des Unbesiegbaren. Er wird - wie nach den vielen Skandalen und Vorwürfen in der Geschichte seines Unternehmens - vielleicht salbungsvolle Worte posten und einfach weitermachen mit dem Zusammenführen von Nutzungsdaten seiner Dienste und dem Kleinhalten von Konkurrenten. Er wird weiter von seiner Vorstellung eines neuen Internets sprechen und damit Facebook meinen.

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