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Medien
14.03.2021

Bild-Chef Reichelt nach Freistellung: „Ich werde mich wehren“

Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild-Zeitung, will die Vorwürfe gegen ihn entkräften.
Foto: Jörg Carstensen

Julian Reichelt steht möglicherweise vor dem Ende seiner Zeit als Bild-Chef. Nun hat er sich erstmals zu Vorwürfen gegen ihn geäußert.

Für Verschwörungsgläubige ist der Fall Julian Reichelt offensichtlich: Der Bild-Chefredakteur habe Kanzlerin Merkel kritisiert und sei deshalb abserviert worden, sind sie überzeugt. Wer solche Freunde hat, braucht wirklich keine Feinde mehr. Und davon hat Reichelt ohnehin mehr als genug, auch in seiner Redaktion. Der wegen seines harten Führungsstils bekannte und gefürchtete Springer-Journalist muss sich in einem sogenannten Compliance-Verfahren innerhalb des Axel-Springer-Verlags massiver Vorwürfe erwehren. Am Samstag wurde bekannt: Der 40-Jährige ist freigestellt worden. Nach Tagen des Schweigens äußerte sich auch der Medienkonzern: „Julian Reichelt, Vorsitzender der Bild-Chefredaktionen und Sprecher der Bild-Geschäftsführung, weist die Vorwürfe zurück. Um eine ungestörte Aufklärung sicherzustellen und die Arbeit der Redaktion nicht weiter zu belasten, hat er den Vorstand darum gebeten, bis zur Klärung der Vorwürfe befristet von seinen Funktionen freigestellt zu werden.“

Reichelt wird von früheren und aktuellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Machtmissbrauch und das Ausnutzen von Abhängigkeitsverhältnissen vorgeworfen. Einem Spiegel-Bericht zufolge, gegen den Reichelt laut Neue Zürcher Zeitung presserechtlich vorgehen will, geht es unter anderem um intime Beziehungen sowie eine Vermischung von Privatem und Beruflichem.

Reichelt bezeichnet Bild als "sein Leben"

In einer Mitteilung an seine Kollegen zeigte sich Reichelt kämpferisch: „Bild und die Menschen bei Bild sind mein Leben“, schrieb er ihnen. Die Vorwürfe seien falsch. „Ich werde mich gegen die wehren, die mich vernichten wollen, weil ihnen Bild und alles, wofür wir stehen, nicht gefällt.“ Nach einem Bericht der Medienjournalistin Ulrike Simon gehört dazu der Schriftsteller und Journalist Benjamin von Stuckrad-Barre. Er sei „ein maßgeblicher Hinweisgeber im Compliance-Verfahren“, zu dem Springer nach eigenen Angaben externe Experten hinzugezogen hat.

Auch von außen wurde Reichelts Krawallkurs immer wieder scharf kritisiert. Vor wenigen Monaten etwa forderte der Eichstätter Journalistik-Professor und Medienethiker Klaus-Dieter Altmeppen  im Gespräch mit unserer Redaktion einen „Bild-Boykott“. Vor allem deren Berichterstattung über den Fall Solingen nannte er „menschenverachtend“. Bild.de hatte WhatsApp-Nachrichten eines Elfjährigen veröffentlicht – nachdem dessen Mutter seine fünf Geschwister ermordet haben soll. Selbst der Vorstand von Springer goutiere offenbar diese Art von Menschenverachtung, kritisierte Altmeppen. „Konsequenzen aber sind seit Jahren nicht erkennbar beim Springer-Konzern.“

Damit ist, wie auch jetzt wieder, Mathias Döpfner – Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE – angesprochen. Lässt er Julian Reichelt fallen?, ist die Frage, die sich sehr viele gerade stellen.

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