Der mutmaßliche Mörder des neunjährigen Dennis aus Osterholz-Scharmbeck und zweier weiterer Jungen hat nach diesen Verbrechen unerkannt zweimal wegen anderer Delikte in Hamburg vor Gericht gestanden. In beiden Fällen habe es keine Hinweise auf die Morde oder Anlass für dahingehende Ermittlungsansätze gegeben, sagte der Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers am Freitag.
Der heute 40-Jährige Martin N. war schon 2005 wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt worden. Er soll zwei sechs- und achtjährige Jungen in seiner Wohnung auf nackter Haut am Bauch gestreichelt haben, wie Möllers sagte. Weil es sich um ein Vergehen "an der Grenze zur Straflosigkeit" gehandelt habe, sei der Fall jedoch vom Amtsgericht Hamburg-Harburg gegen eine Geldauflage von 1.800 Euro eingestellt worden.
Wegen versuchter Erpressungdes musste er sich ebenfalls 2005 vor dem Amtsgericht Harburg verantworten. Laut Anklage hatte er von einem Mann aus Berlin 20.000 Euro gefordert, und drohte diesem, Kinderpornos aus dessen Besitz zu veröffentlichen. Er wurde deshalb zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungsfrist habe anstandslos bestanden, damit sei der Fall erledigt gewesen, so Möllers. Weitere Hinweise auf andere Straftaten habe es nicht gegeben.
Der Täter, der gebürtige Bremer und ehemalige Lehramtsstudent Martin N. hat gestanden, den 13-jährigen Stefan J. aus Hamburg im März 1992 aus einem Internat in Scheeßel (Landkreis Rotenburg/Wümme) entführt und ermordet zu haben. Im Juli 1995 verschleppte er dann den achtjährigen Dennis R. aus Lippstadt aus einem Zeltlager in Schleswig-Holstein. Die Leiche wurde zwei Wochen später in Dänemark entdeckt. In der Nacht zum 5. September 2001 entführte er schließlich neunjährigen Dennis aus dem Schullandheim Wulsbüttel. Ein Pilzsammler fand zwei Wochen später die Leiche auf einem Waldweg.
Der Leiter der Polizei Verden, Uwe Jordan, sagte auf einer Pressekonferenz, der Mann sei zwar als Sexualtäter bekannt gewesen, sei aber nicht vorbestraft. Zuletzt war er in der Erwachsenenbildung in Hamburg tätig, wo er seit zehn Jahren lebte. (dapd)