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Nachrufe auf Vicco von Bülow: "Loriot war der Glücksvogel der Deutschen"

Nachrufe auf Vicco von Bülow

"Loriot war der Glücksvogel der Deutschen"

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    Die Schauspieler Evelyn Hamann und Vicco von Bülow in einer Szene der Komödie "Ödipussi" (Aufnahme von Dezember 1987).
    Die Schauspieler Evelyn Hamann und Vicco von Bülow in einer Szene der Komödie "Ödipussi" (Aufnahme von Dezember 1987). Foto: Wolfgang Jahnke/dpa

    Hellmuth Karasek schreibt in der Welt:  "Loriot war der Glücksvogel der Deutschen.  In der Tat ist Loriot der große deutsche Humorist der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – so wie Wilhelm Busch der große Humorist des 19. Jahrhunderts war. Loriot wurde gern in Zeiten, die sich politisch engagierte Züge anschminkten, als „unpolitischer Humorist“ verharmlost. Zu Unrecht. Er hat alle politischen Kabarettisten mühelos überlebt."

    In der Süddeutschen Zeitungunter sz.de steht: "(Loriot) war DER Humor der alten Bundesrepublik. An ihm arbeiteten sie sich alle ab, die nach ihm kamen und nur in seinem Schatten standen: die Blödelbarden von damals, die Klimbims, die Ottos und Hapes. Doch Loriot war immer besser, geistreicher, humorvoller, stilvoller." (Bernd Graff)

    Vicco von Bülow alias "Loriot"

    Bernhard Victor (Vicco) Christoph Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 geboren.

    Der Künstlername "Loriot" geht auf das Wappentier der von Bülows zurück, einen Pirol, auf französisch "Loriot".

    Das Geheimnis seines Erfolges beschrieb der Humorist einmal ohne einen Anflug von Humor so: «Das Herstellen von Komik ist schwere Arbeit. Es ist Quälerei. Da kommt es auf Rhythmus und Genauigkeit an.»

    Berühmt geworden war er in den späten 1960er Jahren.

    1967 moderierte er zum ersten Mal die Sendung «Cartoon» für die ARD. In den 70er Jahren folgte die Serie «Loriots sauberer Bildschirm» mit Cartoons und Sketchen an der Seite von Evelyn Hamann.

    Einige von Loriots Sketchen sind legendär: Die berühmteste Szene mit Loriot und Evelyn Hamann war der«Nudel-Sketch» im Restaurant: Als Fräulein Hildegard starrte Hamann gebannt und mit todernster Miene auf das Stück Pasta, das hartnäckig im Gesicht ihres Gegenübers klebte. Doch der achtete nicht auf ihreHinweise und suchte stattdessen das intensive Gespräch mit ihr: «Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard».

    Jedes Jahr zu Weihnachten wieder wird der Sketch einer Bescherung bei Familie Hoppenstedt im Fernsehen ausgestrahlt. Der Sohn bekommt ein Papp-Kraftwerk, die Mutter (Evelyn Hamann) eine Trockenhaube und Opa (Loriot) ist dauernd am motzen: "Früher war mehr Lametta". Dazu ertönt durchdringende Marschmusik.

    Unvergessen sind auch die beiden "Herren im Bad" ("Die Ente bleibt draußen!"), das "Jodeldiplom" oder das lakonische "Ach was!".

    Doch schon vor seinem 85. Geburtstag hatte sich "Loriot" vom Fernsehen verabschiedet. 2006 befand er: Für seine Komik sei dort kein Platz mehr.

    Zu kurzatmig sei das Fernsehen geworden: «Bei einer solchen Schlagzahl kann man einfach keine komische Qualität erreichen.»

    Von Bülow war jedoch nicht nur Schauspieler, sondern auch Karikaturist, Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner.

    Vicco von Bülow lebte am Starnberger See. Er war verheiratet, hatte zwei Töchter und zwei Enkelkinder.

    Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt Jörg Thomann: "Loriot war kein Umstürzler; er war ein Kritiker, durchaus, aber ein Menschenfreund. Und ein Unterhalter: der größte, den wir hatten."

    In der Bild schreibt Dr. Eckhardt von Hirschhausen: "Deutschland hat seinen wichtigsten Komiker verloren. „Ach was“, würde er jetzt sagen. Stimmt. Unsterblich ist Loriot schon lange."

    "Zugleich Krönung und Abgesang des verzweigten Lebenswerks aber wurden zwei unprätentiöse Spielfilme: "Ödipussi" (1988) und "Papa ante portas" (1991). Sie zeigten noch einmal Loriots Sinn für das Absurde in allen menschlichen Verrichtungen. Das tägliche Leben erscheint in ihnen als Kaleidoskop von kleinen Katastrophen; die Komik gewinnt ihren Glanz durch ihre schopenhauersche Grundierung, durch die liebevolle Zeichnung von Menschen, die alles recht machen wollen und gerade damit recht kurios in den Lücken des Weltgebäudes eingeklemmt werden." So Manfred Papst in der Neuen Zürcher Zeitung unter nzz.ch. AZ     

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