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Interview

29.03.2016

Patrick Lindner: "Das erste Album, das Mutter nicht mehr hört"

Patrick Lindner ist einer der bekanntesten Schlagerstars in Deutschland. Regelmäßig lässt er die Fans an seinem Privatleben teilhaben.
Foto: Ursula Düren, dpa

Patrick Lindner saß am Bett seiner Mutter, als sie vor drei Monaten starb. Im Interview spricht er über diesen Abschied und warum sein Album trotzdem "Mitten rein ins Glück" heißt.

Sie bringen ein neues Album heraus. Der Titel „Mitten rein ins Glück“ klingt unbeschwert. Aber Sie haben eine nicht ganz leichte Zeit hinter sich.

Patrick Lindner: Ja, das ist richtig. Man möchte denken, dass der Titel nicht zur Situation passt. Das ist im Prinzip logisch, denn wir arbeiten schon seit vergangenem Jahr an diesem Album. Da entstand auch der Titel. Das war eine Idee von mir, weil ich mir dachte: Wer würde nicht einmal mitten rein ins Glück springen?

Aber im Januar ist dann Ihre Mutter verstorben.

Patrick Lindner: Ich hatte mit ihr in der Tat ein sehr enges Verhältnis. Meine Mutter war für mich eine wahnsinnige Bezugsperson. Dennoch erlebte ich den Augenblick ihres Todes so, wie ich ihn mir erträumt habe.

Wie haben Sie sich das vorgestellt?

Patrick Lindner: Ich hatte immer Angst, dass ich in diesem Moment unterwegs bin. Doch dann hatten wir einen wunderbaren Abschied. So traurig das in dem Moment ist, war es für mich, als wäre es in ein Drehbuch geschrieben. Ich konnte ihre Hand halten und sagen: „Mama, ich wünsche dir jetzt alles Gute. Pass auf dich auf! Pass auf uns auf! Wir wünschen dir eine gute Reise!“

Wusste sie, dass sie sterben würde?

Patrick Lindner: Ich denke schon. Aber sie konnte sich zuletzt nicht mehr artikulieren. Wir saßen da, bemerkten, dass der Atem sich veränderte. Als sie gegangen ist, saßen wir ums Bett und weinten. Eine Freundin von uns sagte: „Macht’ s das Fenster auf, damit die Seele rausfliegen kann.“ Das taten wir dann. Dann holte ich zwei Flaschen Champagner und sagte: „Jetzt müssen wir erst einmal auf die Mama anstoßen!“ Wenn mir das vorher einer gesagt hätte, hätte ich den für verrückt erklärt. Trotzdem die Trauer tief war, hatte ich eine innere Ruhe und Zufriedenheit.

Patrick Lindner widmet Lied auf neuem Album seiner toten Mutter

Einer Ihrer neuen Songs – „Wie weit ist es bis zum Himmel?“ – wirkt sehr emotional. Ist der Song Ihrer verstorbenen Mama gewidmet?

Patrick Lindner: Obwohl es ein Titel ist, der bereits im vergangenen Jahr entstanden ist, habe ich ihn ihr gewidmet. Ursprünglich ist das Lied für ein Weihnachtsalbum entstanden. Es ist jetzt das erste Album, das meine Mutter nicht mehr hört.

Glauben Sie persönlich an die Wiederauferstehung und die Überführung der Seele ins Paradies?

Patrick Lindner: Ja, ich habe einen ganz festen Glauben. Ich stelle mir vor, dass die Seele irgendwo ankommt, aber am Weiterleben im Paradies habe ich so meine Zweifel. Aber der Glaube ist etwas Wichtiges.

Woran glauben Sie?

Patrick Lindner: Ich glaube an Gott.

So wie ihn sich Katholiken vorstellen?

Patrick Lindner: Na gut. Ich stimme natürlich politisch gesehen nicht mit dem Glauben, den die Kirche vorgibt, überein. Schon als junger Mensch habe ich damit abgeschlossen. Aber der Glaube an Gott ist da. Meine Eltern waren beide katholisch. Meine Mutter stammt sogar aus der Familie Ratzinger.

Tatsächlich?

Patrick Lindner: Ja, sie war eine Anverwandte des Papstes. Aber das hat nichts damit zu tun, dass mir mein Glaube an Gott wichtig ist.

Gehen Sie in die Kirche?

Patrick Lindner: Nicht allzu oft, aber ich gehe. Gerade jetzt zünde ich gerne eine Kerze für meine Mutter an. Ich war auch nie ein Sonntagskirchengänger, der das einfach macht, weil es sich gehört. Wenn ich in die Kirche gehe, dann ganz bewusst.

Wird Patrick Lindner manchmal wegen seiner Homosexualität angefeindet?

Sie sagten einmal, Sie liebten Ihre Mutter auch dafür, dass sie Sie niemals allein gelassen hat, egal was war, egal was „d’Leut g’sagt ham“, beispielsweise bezüglich Ihrer Homosexualität.

Patrick Lindner: Das war anfangs schon schwer. Meine Mutter dachte anfangs, das sei wie eine kurze Krankheit und ginge schon wieder vorbei. Und: Was werden denn die Leute sagen, das war damals noch das Allerschlimmste. Das war Ende der 1970er Jahre. Das war die Zeit, als Homosexualität noch strafbar war.

Bescherte der offene Umgang mit Ihrer Homosexualität Ihnen Probleme, hatten Sie mit Anfeindungen zu kämpfen?

Patrick Lindner: Nein, ganz massiv und ins Gesicht hinein habe ich sie nicht erlebt. Eher dergestalt, dass nach der Adoption meines Buben einer mal auf dem Oktoberfest gesagt hat: „So einer schwulen Sau gibt man kein Kind!“ Aber das war eine lapidare Nebengeschichte.

Wie hat sich die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Homosexuellen in den vergangenen 20 Jahren geändert?

Patrick Lindner: Die Leute sind viel offener geworden. Aber es ist auch noch lange nicht so, dass man sagen könnte: Da redet man nicht mehr drüber. Die Selbstmordrate homosexueller Jugendlicher ist noch immer erschreckend hoch. Dabei geht es da um eine Lebensform, die es gibt, seit es Leben auf der Welt gibt. Und Tatsache ist, dass sich das keiner aussucht. Aber wenn du betroffen bist, musst du schauen, wie du dein Leben meisterst. Das ist immer noch nicht einfach.

Ihr adoptierter Sohn ist inzwischen 18 Jahre alt. Wie sieht er das?

Patrick Lindner: Er ist nun volljährig und möchte aus der Presse rausgehalten werden – daher kein Kommentar.

Wie Patrick Lindner zur Musik kam

Wie sind Sie eigentlich zur Musik gekommen?

Patrick Lindner: Freunde haben mich hier in München zu einer Laienschauspielgruppe gebracht. Als das Stück abgespielt war, habe ich mich sofort wieder beworben. Über eine Arbeitskollegin habe ich dann eine berühmte Münchner Schauspielerin kennengelernt (Margot Werner/d. Redaktion). Der sagte ich, dass ich auch gerne mal eine Platte aufnehmen würde. Der Produzent war der Entdecker von Nicki. Den richtigen Einstieg bekam ich dann aber erst über den Bayerischen Rundfunk, der mich mit dem Komponisten Jean Frankfurter und der Texterin Irma Holder vermittelte. Bereits der zweite Titel war „Die kloane Tür zum Paradies“. Mein Produzent sagte: „Den werde ich zum Grand Prix der Volksmusik einreichen“ – und ich dachte mir: „Da will ich ja gar nicht hin!“

Sie haben den Wechsel zum Schlager später geschafft. Sie sagten mal, das Schöne am Schlager ist, dass man mit der Musik alt werden kann. Wie meinten Sie das?

Patrick Lindner: Ich muss einfach nicht darüber nachdenken, ob ich ein paar Falten mehr habe. Darum möchte ich meiner Karriere auch kein Zeitlimit setzen. Allerdings nur, wenn das Publikum es zulässt. Ich möchte nicht auf der Bühne stehen und verzweifelt um die Gunst buhlen müssen.

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