"Tod oder Freispruch" - jedes andere Urteil ist für den geständigen Massenmörder Anders Behring Breivik nicht legitim. Er räumte jedoch ein, dass dies "nicht realistisch" sei. In Norwegen gibt es keine Todesstrafe. Sollten ihn die Richter für zurechnungsfähig erklären, droht Breivik eine maximale Gefängnisstrafe von 21 Jahren, bei anhaltender Gefahr für die Öffentlichkeit kann er anschließend weiter festgehalten werden. Den Richtern liegen zwei gegensätzliche Gutachten zu seiner Zurechnungsfähigkeit vor.
Breivik: Norwegen drohen weitere Anschläge
Breiviks Fahrplan beim Massenmord
11.45 Uhr: Breivik fährt einen Mietwagen des Typs Fiat Doblò durch eine Station für Automaut Richtung Osloer Innenstadt. Er parkt das Auto am Hammersberg Torg und kehrt in den Stadtteil Skøyen im Westen Oslos zurück. Dort wohnt er bei seiner Mutter.
12.51 Uhr: Breivik schreibt den letzten Eintrag in sein 1500 Seiten umfassendes «Manifest».
14.08 Uhr: Das «Manifest» wird per Email an 1003 Adressaten verschickt. Breivik verkleidet sich als Polizist.
15.00 Uhr: Er fährt einen mit mehreren hundert Kilo Sprengstoff gefüllten VW-Transporter durch eine der automatischen Mautstationen Richtung Zentrum. Den ebenfalls gemieteten Wagen stellt er direkt vor dem Regierungs-Hochhaus ab und läuft zum Fiat am Hammersberg Torg. Im Polizeiverhör gibt Breivik später an, er habe die Transportzeiten zu niedrig berechnet.
15.26 Uhr: Die Bombe explodiert im Osloer Regierungsviertel. Doch wegen der Sommerferien sind viele Angestellte schon im Feierabend. Breivik steckt danach bei seiner Fahrt zur 40 km entfernten Insel Utøya im Stau nach einem Unfall.
16.40 Uhr: Breivik kommt in seiner Polizeiuniform an der kleinen Fährstation zur Insel an. Er stellt den Mietwagen ab und setzt auf der Fähre über. Als Gepäck führt er ein Schnellfeuergewehr, eine Pistole und große Mengen Munition mit sich.
17.08 Uhr: Ankunft des Attentäters auf Utøya.
17.27 Uhr: Die Polizei wird alarmiert. Unklar bleibt auch bei anderen Medienangaben, was in den ersten knapp 20 Minuten seit Breiviks Ankunft genau geschieht. Nach den ersten offiziellen Mitteilungen der Polizei hat der Massenmörder für die Tötung seiner 69 Opfer auf Utøya anderthalb Stunden Zeit.
18.09 Uhr: Angehörige der Polizei-Eliteeinheit «Delta» kommen zusammen mit örtlichen Polizisten an der Fährstation nach Utøya auf der Festlandseite an.
18.25 Uhr: Die Einsatzgruppe erreicht die Insel und sucht nach dem Täter.
18.27 Uhr: Breivik lässt sich mit erhobenen Händen festnehmen. Er hat beide Waffen weggelegt. Die Polizei setzt ihn mehrere Stunden in einem Holzhaus auf der Insel fest, ehe er nachts in die Osloer Polizeizentrale gebracht wird.
Neben seinen Vorstellungen von einem legitimen Urteil, kündigte Breivik auch neue Gefahren für Norwegen an. Dem Land drohen nach den Worten des Massenmörders Anders Behring Breivik jederzeit neue Anschläge. Zwei weitere "Zellen" seien zu Anschlägen bereit, erklärte Breivik am Mittwoch beim dritten Prozesstag in Oslo. Sollte die Regierung nicht aufhören, "die norwegische Kultur zu zerstören, wird dies wieder und wieder passieren". Breivik sieht sich in einem Kampf gegen die wie er es nennt fortschreitende Islamisierung Norwegens. Bereits am Dienstag hatte der 33-Jährige vor Gericht bekräftigt, er sei ein "Kommandeur", der "lose Verbindungen" mit zwei weiteren unabhängigen Ein-Mann-Zellen unterhalte.
"Alle Nationalisten Europas vereinen"
Der Attentäter hatte in seinem im Internet veröffentlichten 1500 Seiten starken Manifest erklärt, Mitglied einer Tempelritterorganisation zu sein, die er 2002 mit drei Verbündeten gegründet haben will. Das Wesen seines Netzwerks sei es, "heldenhafte Akte" auszuführen, sagte Breivik. Der Tempelritterorden bestehe aus "individuellen und autonomen Zellen", die unabhängig voneinander handelten. Die Organisation habe zum Ziel, "alle Nationalisten Europas zu vereinen", sagte er. Diese hätten seit dem Zweiten Weltkrieg das Problem, dass es "keine Vorbilder gibt, denen sie folgen können". Zu anderen Mitgliedern der ominösen Organisation wollte Breivik sich nicht äußern: "Ich werde keine Informationen geben, die zu weiteren Festnahmen führen können."
Der norwegische Geheimdienst hat indes keine Hinweise auf die Existenz einer solchen Organisation. Auch die Staatsanwaltschaft bekräftigte am Mittwoch, dass es vermutlich keine weiteren Zellen gebe.
Es war eine "Selbstmordmission"
Der Norweger steht seit Montag unter anderem wegen "Terrorakten" vor Gericht. Er hatte die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utöya mit insgesamt 77 Toten zugegeben, hält sich jedoch für unschuldig und will in Notwehr gehandelt haben. Am Mittwoch betonte er, es habe sich um eine "Selbstmordmission" gehandelt: "Ich habe nicht erwartet zu überleben." Das Urteil im Prozess gegen Breivik wird für Mitte Juli erwartet. AFP