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Prozess in Oslo
20.04.2012

Breivik schildert Einzelheiten des Massakers

Massenmörder Breivik: "Ich bin strafrechtlich gesehen gesund"
Foto: dpa

Am fünften Prozesstag spricht der norwegische Attentäter Breivik über Details seiner Taten und darüber, wie er sich jahrelang mental auf die Anschläge vorbereitet hatte.

Breiviks Anwalt Geir Lippestad hatte die Überlebenden und  Hinterbliebenen der Anschläge auf Utöya gewarnt, dass die Verhandlung am  Freitag "der härteste Tag" des Prozesses werden dürfte. Denn am fünften Prozesstag sprach der norwegische Massenmörder Anders Behring Breiviküber Details seiner Taten. Äußerlich ungerührt schilderte Breivik Einzelheiten des Massakers an 69 Menschen: "Einige  stellten sich tot, da habe ich Gnadenschüsse abgefeuert", sagte der 33-jährige Angeklagte. Er habe bei der politisch motivierten Tat  "die Zukunft Europas und Norwegens" verteidigen wollen. Breivik hatte am Donnerstag ausgesagt, er habe alle 569 Teilnehmer des  Jugendlagers töten wollen.

Breivik sieht sich selbst als "sympathischen" Menschen

Er habe sich zu der "Selbstmordaktion" vom vergangenen Juli  entschlossen, nachdem er alle "friedlichen Mittel" zur Umsetzung  seiner Ziele ausgeschöpft hatte, sagte Breivik dem Gericht in Oslo  am fünften Verhandlungstag. Er bezeichnete sich selbst als sonst  "sympathischen"  Menschen, kein Fall für die Psychiatrie.

Breivik warf den Medien vor, sie hätten ihn zu den Anschlägen  gezwungen, da sie ihm durch systematische Zensur seiner nationalistischen Ideologie keine andere Ausdrucksmöglichkeit gelassen hätten. Das Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf  Utöya, bezeichnete er als "Indoktrinierungslager". Der 33-Jährige  sieht sich als Verteidiger der "ethnischen Norweger" gegen eine  "muslimische Invasion".

Die Opfer entmenschlicht

Zur Vorbereitung auf die Anschläge habe er seit 2006 seine  sozialen Kontakte abgebrochen und durch Meditation seine Emotionen  zu kontrollieren geübt. Er habe seine Opfer "entmenschlicht", da er  sonst die Angriffe nicht hätte verüben können, schilderte Breivik  sein Vorgehen weiter. Er habe jahrelang an seiner Psyche arbeiten  müssen, um die "grausamen, barbarischen Taten" begehen zu können.

"Ich bin strafrechtlich gesehen gesund", sagte Breivik. Es müsse  unterschieden werden zwischen "politischem Extremismus und Wahnsinn  im klinischen Sinne des Wortes". Der selbsterklärte Vorkämpfer  gegen eine Islamisierung will verhindern, dass seine Anschläge als Taten eines Irren abgetan werden.

Inspiriert durch Al-Kaida

Er müsse als ein "Verkäufer" verstanden werden, der eine  "Botschaft" loswerden wolle. Bei der Vorbereitung seiner Taten habe  er mehrere revolutionäre Bewegungen untersucht, darunter die  baskische Untergrundorganisation ETA, die nordirische IRA und die  kolumbianischen FARC-Rebellen. Die größte Quelle der Inspiration  sei für ihn Al-Kaida geworden. Deren Vorteil liege darin, "dass sie  den Märtyrertod glorifizieren". Dies sei "für den Widerstandskampf  der Schlüssel zum Erfolg".

 Mit einem Urteil wird nicht vor Mitte Juli gerechnet. AFP

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