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Prozessauftakt in Göttingen: Mutmaßlicher Doppelmörder von Bodenfelde vor Gericht

Prozessauftakt in Göttingen

Mutmaßlicher Doppelmörder von Bodenfelde vor Gericht

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    Jan O.
    Jan O.

    Der Prozess um den mutmaßlichen Doppelmord an zwei Teenagern aus Bodenfelde beginnt am Mittwoch um 13.00 Uhr vor dem Landgericht Göttingen.

    Im November 2010 sind die 14-jährige Nina und den 13-jährigen Tobias ermordet aufgefunden worden. Der mutmaßliche Mörder Jan O. soll Mitte November zuerst die 14-Jährige angesprochen und versucht haben, sie zu vergewaltigen. Diesen Plan habe er aufgegeben und sie anschließend in der Nähe ihres Elternhauses getötet.

    Fälle getöteter Kinder in Deutschland

    Februar 2002: Am Rosenmontag 2002 steigt ein junger Mann in das Haus einer Familie in Gersthofen und ermordet die zwölfjährige Vanessa. Der Täter wird gefasst und zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt.

    6. Mai 2004: Die achtjährige Levke aus Cuxhaven verschwindet nach der Schule. Dreieinhalb Monate später wird ihre skelettierte Leiche in einem Sauerländer Waldstück gefunden. Der Täter tötet am 30. Oktober 2004 auch den achtjährigen Felix. Er wird 2005 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

    Juni 2004: In Metzels (Thüringen) erwürgt und ersticht ein 38 Jahre alter vorbestrafter Kinderschänder die sechsjährige Jessica. Die Kleine war auf dem Heimweg vom Kindergarten.

    13. Oktober 2004: Die siebenjährige Angelina wird vom 17-jährigen Bruder ihrer Freundin vergewaltigt und anschließend ermordet.

    17. Februar 2005: Der der neunjährige Peter wird in München ermordet aufgefunden. Die Polizei nimmt einen 28-jährigen vorbestraften Kindesmörder fest, der mit Peters Vater bekannt war.

    17. Mai 2005: Ein 37-Jähriger zerrt die sechsjährige Ayla in Zwickau in sein Auto und tötet sie.

    22. Februar 2007: In Leipzig wird der neunjährige Mitja wahrscheinlich sexuell missbraucht und erstickt. Der Täter wird nach einem Suizidversuch festgenommen und 2007 zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

    7. September 2007: Die achtjährige Jenisa verschwindet in Hannover auf dem Weg zu ihrer Tante. Vier Tage später findet die Polizei Kleidungsstücke und Schuhe eines Mädchens, die zur Beschreibung der Bekleidung Jenisas zum Zeitpunkt ihres Verschwindens passen. Von dem Mädchen fehlt bis heute jede Spur.

    18. August 2008: Die achtjährige Michelle aus Leipzig kehrt nicht von der Ferienbetreuung in der Grundschule nach Hause zurück. Drei Tage später wird am Stötteritzer Wäldchen im Südosten Leipzigs ihre Leiche entdeckt. Der geständige Täter, ein 19-Jähriger, wird im Oktober 2009 zu einer Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt.

    12. Januar 2009: Die achtjährige Kardelen aus Paderborn verschwindet auf dem Weg zu einer Freundin. Drei Tage später wird ihre Leiche am rund 60 Kilometer entfernten Möhnesee gefunden. Der 29-jährige mutmaßliche Täter, ein Nachbar, wird vier Wochen nach der Ermordung in der Türkei gefasst. Im Dezember 2009 wird er dort zu lebenslanger Haft verurteilt.

    Juli 2009: Polizisten finden die Leiche der neunjährigen Corinna aus Eilenburg (Sachsen) in einem Nebenarm der Mulde. Das Kind fiel einem Sexualverbrechen zum Opfer.

    3. September 2010: Der zehnjährige Mirco aus Grefrath verschwindet abends auf dem Heimweg. Die Polizei geht bald von einem Verbrechen aus. Erst im Januar 2011 können die Ermittler einen Verdächtigen festnehmen. Der 45-jährige aus dem nahe gelegenen Schwalmtal ist geständig und führt die Ermittler zu Mircos Leiche. Er wird später verurteilt.

    15. November 2010: Die 14-jährige Nina aus Bodenfelde in Niedersachsen kehrt nicht nach Hause zurück. Wenige Tage später verschwindet der 13 Jahre alte Tobias. Am 21. November werden die Leichen der beiden Kinder am Ortsrand von Bodenfelde gefunden. Wenig später wird der 26-jährige Jan O. festgenommen.

    April 2012: Wegen Mordes aus Habgier muss der Onkel von Chiara (8) und Sharon (11) aus Krailling bei München lebenslang in Haft. Der verschuldete Familienvater habe im März 2011 auch die Mutter der Kinder umbringen wollen, um seiner Frau ein Erbe zu verschaffen, urteilt das Gericht. Die Verteidigung legt Revision ein.

    25. März 2012: In einem Parkhaus in Emden wird ein totes Mädchen gefunden. Ihr 19-jähriger Mörder wird später gefasst und seine Unterbringung in einer Psychiatrie angeordnet - auf unbestimmte Zeit. Er sei wegen einer schweren Persönlichkeitsstörung vermindert schuldfähig und eine "Gefahr für die Allgemeinheit", so das Gericht.

    16. Februar 2014: Angler finden die Leiche der zwölfjährigen Franziska aus dem Kreis Eichstätt. Ein 26-Jähriger hat die Tat gestanden.

    Danach soll der Beschuldigte den 13-jährigen Tobias für ein Mädchen gehalten und dann getötet haben. Der Beschuldigte hat die Taten bereits gestanden.

    Im Prozess soll unter anderem geklärt werden, ob der 26-Jährige schuldfähig ist. Aus einem psychiatrischen Gutachten geht hervor, dass der Angeklagte nur eingeschränkt steuerungsfähig sei.

    Kannibalismusvorwürfe gegen mutmaßlichen Doppelmörder

    Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich Jan O. durch die Taten sexuelle Befriedigung verschafft habe. In diesem Zusammenhang sind vor dem Prozess grausige Details bekannt geworden.

    In einem schriftlichen Geständnis, das Jan O. abgelegt hat, ist von einer Verstümmelung der ermordeten Nina die Rede. Das wurde aus dem Landgericht Göttingen berichtet. Der 26 Jahre alte mutmaßliche Mörder habe eine Wunde am Hals des toten Mädchens weiter aufgebissen, sagte am Freitag Gerichtssprecher Tobias Jakubetz. Dabei habe der Angeklagte ein Stück Fleisch im Mund gehabt.

    Zudem soll Jan O. nach eigener Aussage versucht haben, dem toten Mädchen einen Zeh des rechten Fußes abzubeißen. Dieses sei ihm aber nicht gelungen, berichtete Jakubetz weiter aus dem Geständnis.

    Vorwürfe gegen Zeugen: Zweites Opfer hätte noch leben können

    Im Vorfeld des Prozesses sind Vorwürfe gegen mehrere Zeugen erhoben worden. Kinder haben angeblich schon zwei Tage vor dem zweiten Mord die Leiche des ersten Opfers gefunden. Allerdings hätten sich Zeugen nicht rechtzeitig bei der Polizei gemeldet. Das geht nach Angaben des Nachrichtenmagazin "Focus" aus der Anklageschrift gegen den mutmaßlichen Täter Jan O. hervor, die dem Magazin vorliegen soll.

    Die zuständige Staatsanwaltschaft Göttingen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Dem Bericht zufolge sollen zwei neunjährige Kinder die Leiche der 14-jährigen Nina bereits am 18. November 2010 gefunden haben, also zwei Tage vor dem Mord am 13-jährigen Tobias. Eines der beiden neunjährigen Kinder erzählte seiner Mutter von dem Fund. Doch die Frau habe die Schilderung als Fantasie bewertet.

    Auch zwei Anwohner hätten den Mord möglicherweise verhindern können: Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, hätten sie nach eigener Aussage wahscheinlich zum Zeitpunkt der Mordes Schreie gehört. Sie hätten diese jedoch ignoriert, da Kinderschreie vor der Wohnungstür häufig vorkämen.

    Erst nach dem Fund der beiden Leichen hätten sich die Zeugen bei der Polizei gemeldet.

    Das Landgericht Göttingen hat zunächst elf Verhandlungstage für den Prozess angesetzt. Ein Urteil könnte demnach bis zum 25. Mai gefällt werden. dapd/dpa/AZ

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