Diese Szene ist ein TV-Klassiker und der Name ihrer Hauptfigur weit bekannter als der des genialen Schauspielers, der sich mit dem Sketch des unvergessenen Loriot ein Denkmal gesetzt hat.
Loriot-Sketch: Heinz Meier als Erwin Lindemann
Wer weiß schon, wer Heinz Meier war, der am Sonntag im Alter von 83 Jahren in Schliengen bei Freiburg gestorben ist. Aber den überforderten Lottogewinner Erwin Lindemann kennt fast jeder. Der ist Kult und ohne Meier unvorstellbar.
Wie er im Lehnstuhl sitzend dem geduldigen Fernsehreporter für den Kulturbericht der Abendschau sagen soll, wer er ist und was er mit dem Geld anfangen will, ist köstlichste Unterhaltung.
Heinz Meier war der "Lottemann": Die Rolle seines Lebens
So wird nach der x-ten Klappe aus Rentner Erwin Lindemann, 66 Jahre alt, der mit dem Gewinn erst nach Island reisen, dann mit seiner Tochter eine Papstaudienz besuchen und schließlich in Wuppertal eine Herrenboutique eröffnen will, jener legendäre „Erwin Lottemann“, der „in 66 Jahren nach Island fährt“ und schließlich sagt: „... und im Herbst eröffnet dann der Papst mit meiner Tochter eine Herrenboutique in Wuppertal“.
Heinz Meier wurde mit dieser Rolle identifiziert, dabei wirkte er – so wie Evelyn Hamann – in fast allen Loriot-Produktionen mit – manchmal schweigend. Was sich von dem Restaurantgast nicht behaupten lässt, der mit seinen Tischnachbarn um einen „Kosakenzipfel“ ringt. Unvergessen ist auch sein Kellner im „Schmeckt’s“-Sketch.
Heinz Meier ist tot: Schauspieler war eigentlich ein Theatermann
Vicco von Bülow alias "Loriot"
Bernhard Victor (Vicco) Christoph Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 geboren.
Der Künstlername "Loriot" geht auf das Wappentier der von Bülows zurück, einen Pirol, auf französisch "Loriot".
Das Geheimnis seines Erfolges beschrieb der Humorist einmal ohne einen Anflug von Humor so: «Das Herstellen von Komik ist schwere Arbeit. Es ist Quälerei. Da kommt es auf Rhythmus und Genauigkeit an.»
Berühmt geworden war er in den späten 1960er Jahren.
1967 moderierte er zum ersten Mal die Sendung «Cartoon» für die ARD. In den 70er Jahren folgte die Serie «Loriots sauberer Bildschirm» mit Cartoons und Sketchen an der Seite von Evelyn Hamann.
Einige von Loriots Sketchen sind legendär: Die berühmteste Szene mit Loriot und Evelyn Hamann war der«Nudel-Sketch» im Restaurant: Als Fräulein Hildegard starrte Hamann gebannt und mit todernster Miene auf das Stück Pasta, das hartnäckig im Gesicht ihres Gegenübers klebte. Doch der achtete nicht auf ihreHinweise und suchte stattdessen das intensive Gespräch mit ihr: «Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard».
Jedes Jahr zu Weihnachten wieder wird der Sketch einer Bescherung bei Familie Hoppenstedt im Fernsehen ausgestrahlt. Der Sohn bekommt ein Papp-Kraftwerk, die Mutter (Evelyn Hamann) eine Trockenhaube und Opa (Loriot) ist dauernd am motzen: "Früher war mehr Lametta". Dazu ertönt durchdringende Marschmusik.
Unvergessen sind auch die beiden "Herren im Bad" ("Die Ente bleibt draußen!"), das "Jodeldiplom" oder das lakonische "Ach was!".
Doch schon vor seinem 85. Geburtstag hatte sich "Loriot" vom Fernsehen verabschiedet. 2006 befand er: Für seine Komik sei dort kein Platz mehr.
Zu kurzatmig sei das Fernsehen geworden: «Bei einer solchen Schlagzahl kann man einfach keine komische Qualität erreichen.»
Von Bülow war jedoch nicht nur Schauspieler, sondern auch Karikaturist, Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner.
Vicco von Bülow lebte am Starnberger See. Er war verheiratet, hatte zwei Töchter und zwei Enkelkinder.
Der gebürtige Ostpreuße war eigentlich ein Theatermann, der in mehr als 200 Produktionen mitspielte. Mit Studienfreunden gründete er vor 60 Jahren in Freiburg ein eigenes Theater. Es existiert bis heute, Heinz Meier sei Dank.