Wer dafür gesorgt hat, dass Sascha Hehn in der „Schwarzwaldklinik“ und im „Traumschiff“ gut rüberkam, wer nicht nur „Derrick“ drehte, sondern auch noch „Ein Fall für Zwei“, „Siska“ den „Tatort“ und die ein oder andere Rosamunde-Pilcher-Schmonzette – der kann mit Fug und Recht von sich behaupten, deutsche Fernsehgeschichte geschrieben zu haben. Der Regisseur Hans-Jürgen Tögel hat genau das getan und jetzt ein Buch über seine Fernsehgeschichten auf den Markt gebracht. „Traumreise meines Lebens“ heißt es.
Mit "Zur Sache, Schätzchen" fing alles an
Darin erzählt der 74-Jährige, wie er als Regieassistent beim Klassiker „Zur Sache, Schätzchen“ zum ersten Mal hinter der Kamera stand und wie er dabei Uschi Glas erlebte, die der Film zum Star machen sollte: „Sie hat alles mitgemacht beim Drehen, war überhaupt nicht zickig oder übertrieben ehrgeizig. Im Gegenteil: Sie war sehr professionell und mit ihrer spontanen Art die perfekte Besetzung.“
Seine Liebe zur Bühne hatte Tögel allerdings schon viel früher entdeckt – als Spielkamerad der Kinder des Wagner-Clans, aufgewachsen in der Wahnfriedstraße in Bayreuth, gleich neben der berühmten Villa. So sei seine Begeisterung für Schauspielerei und Inszenierung erwacht, während er als Zwerg in Richard Wagners „Rheingold“ auf der Bühne stand.
60 Folgen "Schwarzwaldklinik" hat Hans-Jürgen Tögel gedreht
Sein Buch besteht allerdings zum großen Teil aus Anekdoten aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Fernsehregisseur. Allein 60 Folgen der „Schwarzwaldklinik“ hat er gedreht. „Wichtig war uns immer, dass die Geschichten lebensnah erscheinen“, schreibt er in seiner Biografie. Laut der Bild am Sonntag bestätigt Tögel in seinem Buch, dass Professor Klaus Brinkmann und Schwester Christa auch im wahren Leben Gefühle füreinander hegten. Klausjürgen Wussow und Gaby Dohm hätten etwa gemeinsam auf Sylt entspannt. Erst, als beider Partner bei den Dreharbeiten aufgetaucht seien, sei die Liebe wieder auf Eis gelegen.
Lebensnähe entstand in der Sendung auch auf andere Weise: „So hat Harald Juhnke auch einen Säufer gespielt, seine eigene Sucht war hinlänglich bekannt.“ Die Dreharbeiten habe das aber nie gefährdet. „Ich habe Harald immer als disziplinierten, zuverlässigen Profi geschätzt.“
Film: Kohlrouladen führten Regisseur Tögel zum Glück
Hans-Jürgen Tögel selbst besitzt auch Schauspielerfahrung. 1941 in Neutitschein im Sudetenland geboren, besuchte er die Schauspielschule in München und sammelte dann erste Filmerfahrungen als Darsteller in kleineren Rollen, bis er größere Regieangebote bekam.
Zu verdanken hatte er das vor allem dem legendären TV-Produzenten Wolfgang Rademann – und anderthalb großen Kohlrouladen. Die habe er nämlich während eines Essens mit ihm verputzt. Rademann sei davon so begeistert gewesen, dass er ihm die Serie „Schöne Ferien“ anbot – und „Die Schwarzwaldklinik“. Nach dem Tod zweier seiner Vorgänger habe er Rademann nur versprechen müssen, dass er nicht auch noch stirbt, so Tögel. Rademann selbst war Ende Januar gestorben. Tögel hat ihm kurzfristig sein Buch gewidmet.
Der Regisseur, der sich seit 1994 bei verschiedenen Hilfsprojekten in Indien engagiert und sich mit seiner Tögel-Stiftung für benachteiligte Kinder einsetzt, hat sein Buch jedoch ursprünglich für seine Söhne Mark und Fabian geschrieben. „Ich wollte dieses Buch schreiben, weil meine beiden Söhne sehr viel ohne mich aufgewachsen sind“, sagt er bei der Buchvorstellung diese Woche in München. Sie sollen jetzt wenigstens lesen können, was ihr Vater die ganzen Jahre über gemacht habe. dpa, AZ