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Südfrankreich: Mutmaßlicher Serienkiller floh einst aus Knast in Afghanistan

Südfrankreich

Mutmaßlicher Serienkiller floh einst aus Knast in Afghanistan

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    Polizei-Einsatzkräfte einer Eliteeinheit vor dem umstellten Haus in Toulouse.
    Polizei-Einsatzkräfte einer Eliteeinheit vor dem umstellten Haus in Toulouse.

    Der 23-Jährige, der der Serienkiller von Südfrankreich sein soll, ist kein unbeschriebenes Blatt. Der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse ist nach Angaben der zuständigen afghanischen Behörde vor mehreren Jahren aus dem Gefängnis in der Taliban-Hochburg Kandahar geflohen. Seinen Namen gab der Direktor des Gefängnisses in der südafghanischen Provinzhauptstadt, Ghulam Faruk, mit Mohammad M. an. "Wir haben Dokumente, die zeigen, dass M. 2007 in Kandahars Zentralgefängnis unter unserer Obhut war", sagte Faruk am Mittwoch. Dem Häftling sei danach die Flucht gelungen. Es sei unklar, ob er Teil des Massenausbruchs Mitte 2008 gewesen sei.

    Faruk sagte, die Dokumente der Gefängnisverwaltung würden noch untersucht. Mitte 2008 hatte ein Taliban-Kommando das Gefängnis gestürmt und rund 1000 Häftlinge befreit, darunter zahlreiche Aufständische. Im April vergangenen Jahres waren bei einem weiteren spektakulären Massenausbruch Hunderte Aufständische durch einen Tunnel aus demselben Gefängnis entkommen.

    Im Visier des französischen Geheimdienstes

    Der mutmaßliche Islamist war schon seit Jahren im Visier  des französischen Geheimdienstes. Der Mann, der vermutlich sieben  Menschen erschoss, will Mitglied des Terrornetzwerks Al-Kaida sein.  Der 23-jährige Mohammed M. algerischer Abstammung ist in Frankreich  aufgewachsen. Sein Werdegang scheint typisch für einen  radikalisierten Muslim, der dann in seinem Heimatland  terroristische Anschläge verübt - ein "home grown terrorist".

    Serienkiller hinterlässt blutige Spur in Südfrankreich

    11. März: Ein Unbekannter auf einem Motorroller tötet in Toulouse einen Soldaten mit einem Kopfschuss. Das 30 Jahre alte Opfer mit nordafrikanischen Wurzeln saß nach Medienberichten in Zivilkleidung auf seinem privaten Motorrad. Der Täter soll mit ihm per E-Mail einen Treffpunkt vereinbart haben, angeblich um das Motorrad zu kaufen.

    15. März: Im südwestfranzösischen Ort Montauban werden zwei Soldaten vor einem Geldautomaten erschossen. Ein dritter wird schwer verletzt. Zwei haben Wurzeln in Nordafrika, der dritte stammt aus der Karibik. Die Soldaten waren unbewaffnet. Überwachungskameras zeigen einen schwarz gekleideten Motorroller-Fahrer, der einen Helm mit getöntem Visier trägt.

    19. März: Vor einer jüdischen Schule in Toulouse werden ein 30-jähriger Lehrer und Rabbiner, dessen zwei Söhne sowie ein Mädchen erschossen. Augenzeugen berichten, der Täter habe mit einer Minikamera gefilmt und sei auf einem Motorroller geflohen. Die Regierung ruft die höchste Terror-Alarmstufe für die Region aus

    20. März: In einer Schweigeminute wird an allen französischen Schulen der Opfer gedacht. Die französische Justiz stuft die Anschläge als Terrorakte ein. Am Abend werden die Leichen der drei Schüler und des Lehrers nach Israel geflogen.

    21. März: In Toulouse stellt die Polizei einen 24-jährigen Verdächtigen, der sich in einem Mehrfamilienhaus verschanzt und um sich schießt. Er sei der Täter, sagt Innenminister Claude Guéant.

    In Jerusalem werden die getöteten Kinder und ihr Lehrer beerdigt. Auf einem Militärstützpunkt in Montauban war am Nachmittag eine Trauerfeier für die drei ermordeten Soldaten geplant, an der auch Präsident Nicolas Sarkozy teilnehmen wollte.

    Der mutmaßliche Attentäter war in den vergangenen Jahren bereits  mehrfach in Afghanistan und Pakistan, wie Innenminister Claude  Guéant mitteilte. "Er gibt an, ein Mudschahed zu sein, zu Al-Kaida  zu gehören und palästinensische Kinder rächen zu wollen", sagte  Guéant. Mohammed M. sei in einer "salafistischen Gruppe" in  Toulouse radikalisiert worden, die rund ein dutzend Mitglieder,  aber keinen Namen habe.

    Die Bewegung der Salafisten strebt einen islamischen Gottesstaat  an, manche Salafisten akzeptieren auch den Einsatz von Gewalt. 99,9  Prozent der Salafisten in Frankreich seien aber gewaltfrei, sagt  Dominique Thomas, Experte für radikalen Islam an der Hochschule  EHESS.

    Nichts deutete auf geplante Attentate hin

    Obwohl der 23-Jährige jahrelang vom französischen  Inlandsgeheimdienst DCRI beobachtet wurde, deutete laut Guéant  nichts darauf hin, dass der in Toulouse aufgewachsene Mann  Anschläge plant. Mohammed M. wurde zwar schon einmal in der  südafghanischen Stadt Kandahar vorübergehend festgenommen. Auch  sein Bruder soll radikaler Muslim sein. In Frankreich war er  bereits durch Straftaten auffällig geworden - auch gewalttätige.  Doch erst am Dienstag identifizierten Ermittler den Mann als den  mutmaßlichen Serien-Attentäter, der drei Kinder und einen Lehrer  vor einer jüdischen Schule sowie drei Fallschirmjäger der  französischen Armee erschoss.

    Ist der Serienkiller Al-Kaida-Mitglied?

    Seine angebliche Mitgliedschaft bei Al-Kaida bewerten Experten  vorsichtig. Das Terrornetzwerk stecke in einer "tiefen Krise" und  habe seit 2005 in Europa keine Anschläge mehr verüben können, ruft  Jean-Pierre Filiu in Erinnerung, Al-Kaida-Experte und Professor am  Institut für politische Studien in Paris. Einzeltäter hätten häufig  die Tendenz, sich als Teil einer größeren Organisation zu sehen.

    Auch Al-Kaida werde aus Propagandagründen sicher die Gelegenheit  beim Schopf ergreifen und so tun, "als ob diese Operation von einer  ihrer Zellen geplant worden sei", prognostiziert Filiu. Tatsächlich  sei die Aktionsfähigkeit des Netzwerkes in Europa aber äußerst  begrenzt. In Frankreich gab es bisher noch nie einen Anschlag von  Al-Kaida, zuletzt erschütterte 1995 eine islamistische  Anschlagswelle der algerischen Gruppe GIA das Land.

    Das Terrornetzwerk gilt unter anderem durch den Tod seines  Anführers Osama bin Laden im vergangenen Mai als sehr geschwächt.  Zuvor hatte Bin Laden allerdings mehrfach Frankreich mit  Terroranschlägen gedroht, zuletzt Anfang 2011. Den Abzug der  französischen Armee aus Afghanistan forderte er und prangerte das  Verbot von Ganzkörperschleiern in Frankreich an. Der Serientäter  von Toulouse berief sich einer Journalistin zufolge, mit der er  offenbar telefonierte, ebenfalls auf diese Gründe, um seine  Bluttaten zu rechtfertigen.

    Seit dem Tod Bin Ladens seien die islamistischen Zellen in  Europa kaum noch aktiv, doch würden "Einzelpersonen in völlig  anarchischer Weise" den Kampf weiterführen, meint Eric Denécé vom  Zentrum für Geheimdienstforschung CF2R. Und so gelten nicht nur in  Frankreich, sondern auch in Deutschland und anderen europäischen  Staaten vor allem junge Muslime, die in den Ländern aufgewachsen  sind und sich dann radikalisiert haben, als eine der größten  Terror-Gefahren. afp/dpa/AZ

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