„Sie sind wie Götter!“ – die beiden Mütter am Strand können kaum fassen, dass die zwei schönen, athletischen Männer, die auf ihren Surfbrettern in den Wellen toben, ihre Söhne sind. Lil (Naomi Watts) und Roz (Robin Wright) sind seit ihrer Kindheit beste Freundinnen. Genau wie die Mütter verbindet auch die Söhne Ian (Xavier Samuel) und Tom (James Frecheville) eine tiefe Vertrautheit.
Doch die beiderseitige Harmonie droht drastisch aus der Balance zu geraten, als Roz sich auf eine Affäre mit Lils Sohn einlässt und dessen Freund seinerseits mit Lil anbandelt.
„Tage am Strand“: eine Kurzgeschichte von Doris Lessing
Mit „Tage am Strand“ verfilmt die französische Regisseurin Anne Fontaine („Coco Chanel“) eine Kurzgeschichte der vor kurzem verstorbenen Literatur-Nobelpreisträgerin Doris Lessing, deren Setting sie in eine paradiesische, sonnendurchflutete Bucht an der australischen Ostküste verlegt hat. Im Zentrum steht die unumstößliche Freundschaft der beiden Frauen.
Naomi Watts und Robin Wright gelingt es hervorragend, diese tiefe Seelenverwandtschaft darzustellen, ohne die Konturen der Charaktere zu verwischen. Denn auch wenn die Grenzüberschreitung im Einklang miteinander vollzogen wird, gehen die beiden Frauen, als es darum geht, die jungen Liebhaber wieder loszulassen, verschiedene Wege.
Sinnliche „Tage am Strand“
Von emotionalen Abhängigkeiten erzählt Fontaine auf eine ebenso analytische wie sinnliche Weise. Immer wieder kehrt der Film zurück zum Meer und zur Badeinsel, zu der die vier in wechselnden Konstellationen hinausschwimmen. Wenn sie am Ende der dramatischen Entwicklungen wieder in vermeintlicher Harmonie nebeneinander in der Sonne liegen, ist das ein wunderbares Schlussbild von perfekter, schmerzender Ambivalenz. ****