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06.03.2012

"Thor Steinar": Laden in Chemnitz namens "Brevik" eröffnet

Thor Steinar ist in Nazi-Kreisen sehr beliebt.
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Thor Steinar ist in Nazi-Kreisen sehr beliebt.
Bild: dpa

Ärger um "Thor Steinar": Die Kleidermarke, die bei Neonazis beliebt ist, hat in Chemnitz einen neuen Laden eröffnet und ihn "Brevik" genannt.

Proteste gegen "Thor Steinar": Die bei Rechtsextremen angesagte Marke hat den neuen Laden nicht nur kurz vor dem 67.  Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg  eröffnete. Sie haben dem  Geschäft zudem den Namen "Brevik" gegeben, was unweigerlich Erinnerungen an den norwegischen Attentäter Anders  Behring Breivik weckt, der im vergangenen Sommer insgesamt 77  Menschen getötet hatte. Tausende Bürger demonstrierten deshalb gegen Rechts.

Thor Steinar: Chemnitz empfindet "Brevik" als Provokation

Die meisten "Thor Steinar"-Läden sind nach Ortschaften in  Norwegen benannt. Es gibt auch eine Kleinstadt an der Südküste  namens Brevik. Doch die Namensähnlichkeit mit dem rechtsextremen  Oslo-Attentäter empfinden Politiker, Gewerbetreibende und Bürger in  Chemnitz zunehmend als Provokation, weshalb sich nun Widerstand  formiert.

"So etwas ist schockierend und völlig inakzeptabel", sagt die  Sprecherin der Stadt Chemnitz, Katja Uhlemann. Die Stadtverwaltung  habe mit dem Vermieter Kontakt aufgenommen, um die weiteren  Schritte zu beraten. "Wir prüfen alle rechtlichen Möglichkeiten, um gegen den Laden vorzugehen", sagt Uhlemann und fügt hinzu: "Für uns  als Stadt ist klar: Wir wollen so einen Laden nicht haben."

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Gegen den rechten Szeneladen formiert sich Protest

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Hanka Kliese, die ganz in der  Nähe ihr Wahlkreisbüro hat, ist entsetzt und sorgt sich um das  Image von Chemnitz. Die Eröffnung des Geschäfts werfe "ein  schlechtes Licht auf die Stadt". Der Name sei "eine Kampfansage"  und zeige auch, dass die bei Rechtsextremen beliebte Modemarke nicht verharmlost werden dürfe. Bei einem Treffen am Mittwoch will  Kliese gemeinsam mit Anwohnern, Vereinen und Vertretern der Stadt  beraten, wie möglichst schnell ein "zivilgesellschaftlicher  Protest" gegen den rechten Szeneladen organisiert werden kann.

Thor-Steinar-Laden: MediaTex äußert sich nicht

Der Vermieter des Ladens indes sieht sich nach eigener Aussage getäuscht. Ihm sei bei Abschluss des Mietvertrages nicht bewusst  gewesen, wer dahinter steckte, sagte der in Niederbayern lebende  Mann der Chemnitzer "Freien Presse". Als er das Ladenschild zum ersten Mal gesehen habe, "lief es mir kalt den Rücken runter",  betont er. Die in Brandenburg ansässige Firma MediaTex, die hinter den "Thor Steinar"-Läden steht, wollte sich zu der Namensgebung  nicht äußern.

Die Chancen, dass das Geschäft in Chemnitz wieder geräumt werden muss, sind freilich nicht ganz aussichtslos. Bereits mehrfach haben Gerichte in der Vergangenheit die Schließung ähnlicher Läden verfügt, weil sich die Vermieter arglistig getäuscht sahen und auf Räumung klagten. So musste ein "Thor Steinar"-Laden in einem vom  österreichischen Architekten Friedensreich Hundertwasser konzipierten Haus mitten in Magdeburg wieder schließen. Ähnlich erging es einem Laden in der Leipziger Innenstadt.

Thor-Steinar-Geschäft: Bemühen der Stadt wird konterkariert

Chemnitz beschert der Wirbel um den Szeneladen indes nicht nur ungewollt öffentliche Schlagzeilen. Der Fall konterkariert auch das  Bemühen der Stadt, das betroffene Viertel am Brühl für Gewerbetreibende und vor allem für Studenten attraktiver zu machen.  So ein Laden aber wirke "auf die angepeilte studentische Zielgruppe abschreckend", gibt die Chefin der Chemnitzer Grünen, Katharina  Weyandt, zu Bedenken. (afp, AZ)

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