Sie wurde als Carolin Ebert geboren. Und sie wollte berühmt werden. Das ist das eine. Sie wollte einen perfekten Körper. Das war ihr wichtig, denn sie verdiente Geld mit ihrem Körper. Sie drehte Pornofilme, ging ins Fernsehen zu "Big Brother" und in andere seichte TV-Sendungen. Das ist das andere.
Doch sie hatte nicht den perfekten Körper, trotz Sport und gesunder Ernährung. Zumindest sah sie das so. So sahen es einige in der Branche, in der der Körper alles ist. Also ließ sie sich operieren. Bei ihrer sechsten Brust-OP starb sie. Sie war 23. Und als sie starb, nannte sie jeder nur "Sexy Cora".
Welche Beweggründe hatte sie, sich sechsmal operieren zu lassen? Wollte sie um jeden Preis noch berühmter werden? Was für ein Mensch ist ein Pornostar? Die Antworten von Menschen, die Cora kannten, verblüffen.
"Sie war fast immer sehr zurückhaltend", sagt Carlos Fassanelli, der mit ihr zusammen im "Big-Brother"-Haus war. Er beschreibt Cora als "bodenständig". "Sie war nicht so, wie man sich eine Pornodarstellerin vorstellt", sagt er. Keine Draufgängerin, keine Frau ohne Hemmungen. Auch ihre Filme oder die Operationen seien nie ein Thema im Haus gewesen. Warum sie sich so oft operieren ließ, weiß Fassanelli auch nicht. "Sie hat den Eindruck gemacht, zufrieden mit sich zu sein", erinnert er sich. So sei es nun mal in diesem Beruf: "Je mehr man zu bieten hat, desto mehr kann man verdienen", sagt er.
Etwas anders sieht das Fernsehproduzent Uli Goldhahn: "Die Operationen waren ihr eigener Wunsch." Er, der ihr Medienberater war, und andere Bekannte hätten ihr von weiteren OPs abgeraten. Schließlich ging es bereits darum, ihre Körbchengröße von 70 F auf 70 G zu vergrößern. "Wer in dieser Branche Erfolg haben will, braucht große Brüste", sagt Goldhahn ganz offen. "Aber wenn ein gewisser Zenit überschritten ist, verliert man Fans." Er glaubt vielmehr: "Die Brüste waren für sie der Gradmesser ihres Erfolgs." Der Inbegriff von "Sexy Cora".
Eine These, die auch Psychologen stützen, etwa Roland Raible aus Wangen im Allgäu. Durch den großen Druck, sich abheben und präsentieren zu wollen, könnten Menschen in solchen Branchen die Maßstäbe und die eigene Ethik aus dem Blick verlieren. "Es hat schon was Suchtmäßiges an sich", sagt er. Wer sich so oft operieren lasse, sei häufig unzufrieden. "Da ist was in der Seele verschoben", nennt es Raible. Dass solche Personen die Öffentlichkeit suchen, sei normal. Zuspruch und Resonanz, die von außen kommen, seien dann so eine Art Lebenselexier. Die Erwartungen und die Suche nach Bestätigung seien Nährboden dafür, dass Maßstäbe außer Kontrolle geraten.
Manager Goldhahn versucht jedenfalls, das Bild über Cora in der Öffentlichkeit etwas zurechtzurücken. Es sei nicht bei allen Operationen um Brustvergrößerungen gegangen. Zweimal habe es sich um Korrekturen gehandelt, weil sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden war. Dass die letzte OP schieflief, habe auch nicht direkt mit der Vergrößerung zu tun gehabt. So weit sei es gar nicht gekommen. Was genau passierte, will die Staatsanwaltschaft klären. Sie ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen zwei Ärzte einer Hamburger Privatklinik. Eine Obduktion ist für Anfang der kommenden Woche geplant.
Goldhahn bestätigt aber Ex- "Big-Brother"-Mitbewohner Fassanelli, was Coras Charakter angeht: "Sie war extrem schüchtern." Trotz der Pornografie sei sie ruhig und zurückhaltend gewesen. Eine Frau aus einer guten und einfachen Familie aus einer ländlichen Gegend bei Schwerin. Als junges Mädchen müsse sie einen Alltag ohne jede Anerkennung und ohne großes Selbstbewusstsein gehabt haben, ist er überzeugt. Dann sei die Zeit gekommen, in der die Männer ihr hinterher sahen, in der sie mit ihrem Aussehen was erreichen konnte. "Das war ihre Triebfeder", sagt Goldhahn.
Dann lernte sie ihren späteren Mann Tim Wosnitza kennen. "Er kam aus Hamburg und hatte einen ganz anderen Umgang mit Sex und Erotik", erzählt der Produzent. Wosnitza hätte aus ihr eine Persönlichkeit gemacht, die mehr und mehr im Mittelpunkt steht. Er brachte sie auch ins Pornografiegeschäft. Goldhahn sah ihre Zukunft aber woanders. "Ich habe versucht, sie in andere Gefilde zu bringen", sagt er. Er verschaffte ihr Auftritte im Fernsehen. Klar habe es dabei einen erotischen Hintergrund gegeben, räumt er ein. Aber so, sagt er, wollte er sie in die Welt der Komödie und der Moderation bringen. Cora und ihr Mann sahen das wohl anders. Sie wollten im Pornogeschäft bleiben. Frank Eberhard