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Exorzismus

10.12.2015

Tödliche Teufelsaustreibung in Franfurt: Was treibt Exorzisten an?

Die Studentin Anneliese Michel kam vor 40 Jahren bei einer Teufelsaustreibung in Franken ums Leben.
Bild: dpa/Archiv

In Frankfurt stirbt eine Frau (41) bei einer Teufelsaustreibung. Unglaublich? Fakt ist: Exorzismus wird in Deutschland auch heute noch täglich betrieben, sagen Experten.

Tödliche Teufelsaustreibung in Frankfurt - und es muss ein langer, qualvoller Tod gewesen sein. Mindestens zwei Stunden lang prügeln fünf Verwandte in einem Hotelzimmer auf eine 41 Jahre alte Frau ein, weil sie angeblich vom Teufel besessen war. Dann erstickt die Frau.

So stellen die Ermittler den Fall am Mittwoch dar. Fast unvorstellbar: Auch der 15 Jahre Sohn des Opfers soll bei dem Gewaltexzess mitgemacht haben. Selbst die Frankfurter Staatsanwälte, die schon in einige menschliche Abgründe geblickt haben, sprechen von einer grausamen Tat.

Die fünf mutmaßlichen Täter im Alter von 15 bis 44 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Viele Fragen zu dem Fall sind noch offen. Handelten die Verdächtigen in Eigenregie? War es womöglich sogar der eigene Wunsch des späteren Opfers, den Teufel auszutreiben? Was ist der genaue religiöse Hintergrund? Und wer fand die Leiche? Ein weiteres Rätsel: In einem Haus in Sulzbach im Taunus, in der die vor sechs Wochen nach Hessen eingereisten Koreaner zeitweise wohnten, entdecken die Ermittler eine weitere, schwer verletzte Frau.

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Doch was treibt allgemein Exorzisten zu einer Teufelsaustreibung? Der Wiesbadener Kriminologe Rudolf Egg sagt: "Die Täter glauben, etwas Gutes zu tun." Die Austreibung eines bösen Geistes könne dabei sogar den Tod rechtfertigen. Dadurch sei der angeblich von den bösen Geistern befallene Mensch wenigstens erlöst. Egg verweist auf die Geschichte: Auch in der westlichen Welt sei es bei psychisch Kranken früher gängige Vorstellung gewesen, dass der Teufel von ihnen Besitz ergriffen habe.

Johannes Lorenz vom Bistum Limburg erläutert, dass Teufelsaustreibungen in der katholischen Kirche zwingend die Erlaubnis des Bischofs benötigten. Diese Erlaubnis sei an äußerst strikte Regeln geknüpft, die ärztliche und psychologische Gutachten miteinbezögen. Die Würzburger Historikerin Petra Ney-Hellmuth, die ihre Doktorarbeit über den Fall Anneliese Michel geschrieben hat, berichtet, dass dennoch Exorzismen ohne kirchliche Genehmigung stattfänden. Wie viele es sind, lasse sich aber nur schwer schätzen.

Der Journalist Marcus Wegner, der sich seit vielen Jahren mit Exorzismus befasst, geht davon aus, dass es vier bis fünf inoffizielle Exorzismen pro Tag in Deutschland gibt - "verteilt auf alle Religionen, Konfessionen und Abspaltungen", wie er sagt. "Ein bis zwei davon in der Esoterik-Szene, wo die Menschen auch Geld dafür bezahlen, dass sie befreit werden." Hinzu kämen - ohne offizielle Genehmigung - Exorzismen aus den Reihen der katholischen Kirche, auf dem Vormarsch seien außerdem freikirchliche evangelische Sekten. 

Körperverletzung gehört eigentlich nicht zur Teufelsaustreibung

Körperverletzung gehöre nicht zu einem normalen exorzistischen Ritual, betont Wegner. Allerdings gebe es auch solche Teufelsaustreibungen, bei denen massiv auf den vermeintlich Besessenen eingeschlagen werde. Solche Exorzisten rechtfertigten sich meist damit, dass sie nicht auf den Menschen, sondern auf den Teufel einschlügen.

Der tödliche Exorzismusfall von Frankfurt weckt Erinnerungen an die Studentin Anneliese Michel, die vor rund 40 Jahren in Franken ums Leben gekommen war. Die epilepsiekranke Studentin starb im 1976 an den Folgen extremer Unterernährung. Während der Monate, in denen zwei Geistliche 67 Mal den Exorzismus vollzogen, verweigerte sie zunehmend das Essen.

Ihre strenggläubige Familie und die Geistlichen, die sich abgeschottet und keinen Arzt gerufen hatten, wurden wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilt.  dpa

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