Der frühe und unerwartete Tod des Sängers Roger Cicero hat Fans und die Musikbranche unter Schock gesetzt. Als Reaktion auf den Tod des "Mr. Swing" änderte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) sein Wochenendprogramm. Roger Cicero soll in gleich drei TV-Beiträgen in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu sehen und zu hören sein. Zunächst in einer Folge von "Inas Nacht" aus dem Jahr 2011, dann in dem Konzert-Mitschnitt "Roger Cicero - Live in Berlin" von 2009, ehe die Cicero-Nacht im NDR-Fernsehen mit "Roger Cicero singt Frank Sinatra" abgeschlossen wird. Zwischen den Sendungen sollen nach Angaben des Senders Ciceros Auftritte beim Eurovision Song Contest 2007 in Helsinki und in der "Sesamstraße" gezeigt werden.
BR zeigt nochmal Konzert von Roger Cicero
Auch das Bayerische Fernsehen änderte sein Programm. Am ersten April wird um 0.40 Uhr ein Konzert des Swing- und Jazzmusikers gesendet. Roger Cicero hatte bei dem Konzert den 100. Geburtstag von Frank Sinatra im Dezember 2015 zum Anlass genommen, die größten Hits des legendären Sängers mit einem fulminanten Swing-Konzert mit Big Band im Mehr! Theater in Hamburg wieder aufleben zu lassen. Gemeinsam mit Yvonne Catterfield, Sasha und Xavier Naidoo sang er auch Hits wie „New York, New York“ und „Something Stupid“.
ROger Ciceros letzter Auftritt war im Bayerischen Fernsehen mitte März. "Einen Tag nach seinem letzten Live-Auftritt im Bayerischen Fernsehen traten plötzlich akute neurologische Symptome infolge eines Hirninfarktes auf", berichtete sein Management. "Im Krankenhaus verschlechterte sich sein Zustand rapide." Cicero starb "im Kreise seiner Lieben, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben".
Der Sänger hatte im November wegen eines akuten Erschöpfungssyndroms mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung sämtliche Termine bis Ende 2015 abgesagt. Die ausverkaufte Tour sollte jetzt fortgesetzt werden. Erst kürzlich habe er noch Interviews gegeben, erklärte sein Management. "Wir sind fassungslos und unendlich traurig. Unser Mitgefühl gilt in erster Linie seiner Familie." Trauer um Roger Cicero: Er sagte noch, alles sei wieder gut
In den sozialen Netzwerken drückten Fans und Kollegen des Musikers ihr Beileid aus. "Ein letztes Mal den Hut ziehen. Adieu", hieß es da zum Abschied an den Sänger, zu dessen Markenzeichen die Kopfbedeckung gehörte. So wie bei Musiker Jan Delay, der twitterte: "hamburger, hutträger, prince-fan...tot.. bin sprachlos und erschüttert!!!alle kraft und gedanken an die familie!!" Auch Olaf Scholz (SPD), Bürgermeister in Ciceros Wahl-Heimat Hamburg, meinte: "Ich habe seine Musik gern gehört. Sein früher Tod macht mich traurig."
Auch Roger Ciceros Vater starb an einem Hirnschlag
"Einfach unfassbar.. Machs gut", schrieb Schauspieler und Musiker Jimi Blue Ochsenknecht auf Twitter. "Du warst ein so sympathischer und freundlicher Mensch!!" Als einen "Entertainer aus Leidenschaft" würdigte ESC-Experte Jan Feddersen auf eurovision.de Cicero und zeigte sich geschockt: "Fast jede Nachricht über einen, der nun nicht mehr lebt, ist schrecklich - aber niemand hätte auch nur im Entferntesten damit gerechnet, dass dieser Entertainer so jung sterben würde."
Der Sohn des Jazz-Pianisten Eugen Cicero hatte seinen Durchbruch mit einer Mischung aus Pop, Jazz und Swing, gewürzt mit frechen und amüsanten Texten, geschafft. Elegant mit Hut und Lackschuhen kam er mit seinen Big-Band-Musikern im Stil der großen Swing-Künstler auf die Bühne. Mit dem Album "Männersachen" (2006) landete er erstmals weit vorn in den Charts, mit der Auskopplung "Zieh die Schuh aus" seinen ersten Hit.
Seine letzten großen Projekte waren "Cicero Sings Sinatra" und "The Roger Cicero Jazz Experience" - mit beiden wurde er erneut für Echo-Trophäen nominiert: mit "Cicero Sings Sinatra" für den Echo, der am 7. April in Berlin verliehen wird, und mit "The Roger Cicero Jazz Experience" für den Echo Jazz am 26. Mai in Hamburg. Ein Schlaganfall kann auch junge Menschen treffen
Vom 7. April an wollte Cicero auch wieder auf der Bühne stehen, erst in Frankfurt/Main, danach unter anderem in Berlin und Hamburg. "Er hatte sich unglaublich auf seine ausverkaufte Tournee im April gefreut", erklärte sein Management. "Seine geplanten Konzerte sollten stattfinden, ihm zu Ehren", lautete ein Facebook-Kommentar.
Cicero hinterlässt seinen Sohn Louis, der 2008 geboren wurde. Von der Mutter des Kindes hatte er sich 2013 getrennt. Auch Ciceros Vater Eugen war, im Alter von 57 Jahren, an den Folgen eines Hirnschlags gestorben. "Die Zwei musizieren nun hoffentlich im Himmel zusammen", hieß es unter anderem auf Facebook. Andere zitierten aus Songtexten von "Mr. Swing": "Und als einer von Millionen steh ich hier und schau nach oben, frag mich wo du gerade bist und wie es da wohl ist." dpa/AZ