London (dpa) - Ihre Auftritte in der US-Kultserie "Der Denver-Clan" sind längst Fernsehgeschichte. Doch das Image der Ober-Zicke haftet Joan Collins alias Alexis Carrington noch heute an.
Waren es doch besonders ihre Stutenbissigkeiten und Intrigen gegen die blonde "Krystle" (Linda Evans) in der 80er-Jahre-Serie, die den Hollywoodstar aus London weltberühmt machten. Auch im vorgerückten Alter hat sie noch eine scharfe Zunge. Ob Los Angeles, London oder Berlin: Um passende Worte ist sie nie verlegen. Am Freitag (23. Mai) wird die Diva, die nach eigenen Angaben ein kleines Vermögen für die eigene Instandhaltung ausgibt, 75 Jahre alt.
Zuletzt wurde es um Collins zwar ruhiger. Doch aufs Altenteil wollte sie sich lange nicht setzen. Noch als 70-Jährige verkündete sie, sie habe trotz Millionen-Gagen zu "Denver"-Zeiten nicht genug, um in den Ruhestand zu gehen. "Ich habe immer alles ausgegeben, was ich verdient habe", sagte sie in einem Interview. "Und ich habe hohe Kosten für die eigene Instandhaltung." Freilich: Grund für eine Spendensammlung besteht nicht. Auch um den beträchtlichen Altersunterschied zu ihrem fünften Ehemann, dem 32 Jahre jüngeren Theatermanager Percy Gibson, macht sie nicht viel Aufhebens. "Wenn er stirbt, stirbt er eben", kontert sie auf derlei Fragen.
Im Jahr 2000 nahm sich Collins zusammen mit anderen Alt-Stars wie Elizabeth Taylor und Shirley MacLaine in der Filmkomödie "These Old Broads" selbst aufs Korn. Darin spielen die Diven abgetakelte Hollywoodprimadonnen, die ein Comeback versuchen. In Zeiten des Schlankheitswahns gibt sich die Schauspielerin pragmatisch. "Wir wollen nicht herumstehen und vier Milligramm Graupen abwiegen. Die einfachste Diät der Welt heißt: Iss weniger", empfahl sie den Leserinnen der "Mail on Sunday". Als sie zur 40. Verleihung der Goldenen Kamera 2005 in Berlin dem Team des ZDF-Films "Die Patriarchin" mit Iris Berben den Preis für den besten Fernsehfilm überreichte, meinte sie: "Ich wäre sicher auch gut in der Rolle gewesen, leider spreche ich kein Deutsch."
Als Tochter eines Impresarios in London kam Joan Henrietta Collins früh in Kontakt mit dem Showgeschäft. Als Neunjährige stand sie erstmals auf der Bühne. Mit 17, nach einer abgebrochenen Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art, gab sie ihr Filmdebüt in "I'll Be Leaving You". Bald avancierte sie zu "Britain's best bad girl". 1955 stand sie erstmals für einen Hollywood-Monumentalfilm, "Land der Pharaonen", vor der Kamera. Zu ihren Filmpartnern gehörten Richard Burton, Harry Belafonte, Gregory Peck und Paul Newman. Mehr als 50 Filme und 30 TV-Serien drehte sie allein in den ersten drei Jahrzehnten ihrer Laufbahn. Doch erst als Alexis Carrington wurde sie Anfang der 80er Jahre rund um den Globus bekannt.
Als sich Sir Elton John und sein Partner David Furnish Ende 2005 das Jawort gaben, gehörte Collins neben Prominenten wie Ringo Starr, Victoria Beckham, Claudia Schiffer und Boris Becker zu den Stars unter den 700 Gästen. Beim letzten offiziellen Flug der Concorde von New York nach London war Collins 2003 als Ehrengast an Bord. Seither vermisst sie die Annehmlichkeiten des Überschallflugzeugs._"Das Schnarchen anderer Passagiere der Ersten Klasse klang wie der Tagesanbruch auf einer Schweinefarm", beschrieb sie ihre Erfahrungen in einer Linienmaschine.
Selbst zum 80. Geburtstag der "Eisernen Lady" Margaret Thatcher im Oktober 2005 saß Collins mit am Dinnertisch in London. Unter den 650 erlesenen Partygästen waren Queen Elizabeth II. und Prinz Philip. Auch sonst gibt es Gemeinsamkeiten mit den Royals. So soll Collins den gleichen Friseur wie Prinz Charles' Frau Camilla haben, die Presseberichten zufolge schon vor Jahren mehr als 4000 Euro pro Monat für die Frisur ausgab.
Immer wieder kehrte Collins ins Rampenlicht zurück, moderierte im US-Fernsehen eine Talkshow, zeigte sich nach langer Abstinenz wieder auf der Bühne, produzierte die dreiteilige Fernsehserie "Sins" (Sünden), die in Großbritannien Schlagzeilen machte. Unter der Regie von Kenneth Branagh drehte sie 1995 den Film "Ein Winternachtstraum". 1996 war sie in einem aufsehenerregenden Verfahren von dem Verlag Random House auf Rückzahlung eines Millionen-Vorschusses verklagt worden. Die von ihr gelieferten Manuskripte seien nicht druckbar, hieß es. Am Ende gewann sie: Das Gericht befand, in ihrem Vertrag sei über die Qualität der zu lieferenden Werke nichts gesagt worden.