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USA
25.08.2020

Nach Schüssen auf Dunkelhäutigen: Proteste gegen Polizeigewalt

Ein Demonstrant steht mit einem Transparent vor einem brennenden Müllwagen.
Foto: David Goldman, dpa

Bei einem Polizeieinsatz in den USA sollen Schüsse in den Rücken eines Schwarzen abgegeben worden sein. Viele sehen darin einen neuen Beweis für Rassismus und Polizeigewalt.

Mehrere Schüsse in den Rücken des schwarzen Amerikaners Jacob Blake bei einem Polizeieinsatz im US-Bundesstaat Wisconsin haben Entsetzen und Protest ausgelöst.

In der Stadt Kenosha kam es die zweite Nacht in Folge zu Ausschreitungen. Autos wurden in Brand gesetzt, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Die Chicago Sun Times berichtete am Dienstag unter Berufung auf Blakes Vater, dass dessen Sohn infolge der Schüsse von der Hüfte abwärts gelähmt sei. Die Ärzte wüssten nicht, ob die Schäden von Dauer seien.

Viele in den USA sehen den umstrittenen Einsatz als jüngstes Beispiel für Rassismus und Polizeigewalt in den USA. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis (Minnesota) Ende Mai hatte landesweite Proteste ausgelöst. Die Debatte spielt auch im US-Wahlkampf eine zentrale Rolle.

Video im Netz zeigt: Polizei schießt auf Dunkelhäutigen

Auf einem am Sonntag im Internet verbreiteten Video war zu sehen, wie Blake zu einem Auto geht, gefolgt von zwei Polizisten mit gezogenen Waffen. Als der Mann die Fahrertür öffnet und sich hinein beugt, fallen mehrere Schüsse. Nach Angaben des Anwalts der Familie, Ben Crump, saßen im Auto Blakes Kinder im Alter von drei, fünf und acht Jahren.

Die beteiligten Beamten wurden beurlaubt. Das Justizministerium von Wisconsin als leitende Ermittlungsbehörde kündigte an, binnen 30 Tagen einen Bericht vorzulegen.

Unklar blieb zunächst, was vor dem auf Video aufgezeichneten Geschehen passiert war. Anwalt Crump erklärte, Blake sei es gewesen, der einen Streit geschlichtet habe. Dann hätten die Polizisten ihre Waffen auf ihn gerichtet. Zunächst sei Blake von einer Elektroschockpistole getroffen worden. Als er im Auto nach seinen Kindern habe sehen wollen, sei ihm mehrfach in den Rücken geschossen worden.

Symbolische Grabsteine aus Pappkartons erinnern an Schwarze, die Opfer von Polizeigewalt in den USA geworden sind.
Foto: Mike Simons, Tulsa World, dpa

Sein Sohn habe "acht Löcher" in seinem Körper, zitierte die Chicago Sun Times Jacob Blake Senior. "Was rechtfertigte all diese Schüsse?", habe dieser gesagt. "Was rechtfertigte es, dies vor meinen Enkeln zu tun?"

Amerikaner protestieren wieder gegen Polizeigewalt

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden forderte eine sofortige, umfassende und transparente Aufklärung. Aus dem Weißen Haus hieß es, Justizminister William Barr habe den Fall im Blick.

Infolge des Polizeieinsatzes kam es in der Stadt Kenosha in Wisconsin zu Protesten und Ausschreitungen. Fotos zeigten ausgebrannte Autos und Müllwagen. Auch einige Gebäude in der Stadt, in der rund 100.000 Menschen leben, standen in der Nacht zum Dienstag zeitweise in Flammen. Darunter soll Medienberichten zufolge neben Geschäften auch ein Gebäude des Justizvollzugsministeriums des Bundesstaats gewesen sein. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

Nach Ausschreitungen: Gouverneur verhängt Ausgangssperre

Wisconsins Gouverneur hatte am Montag den Einsatz der Nationalgarde autorisiert, um örtliche Einsatzkräfte zu unterstützen. Für die Nacht von Montag auf Dienstag war das zweite Mal in Folge eine Ausgangssperre verhängt worden. Tagsüber gab es unter anderem in New York Protestdemonstrationen mit Hunderten Teilnehmern.

Auf Twitter machten einige Prominente ihrer Empörung Luft. "Und ihr fragt euch alle, warum wir sagen, was wir über die Polizei sagen!! Kann mir bitte jemand sagen, was zum Teufel das ist????!!! Noch ein weiterer schwarzer Mann wird zur Zielscheibe", schrieb Basketball-Star LeBron James.

 

Sängerin Camila Cabello forderte weitreichende Veränderungen und die Festnahme der Polizisten. "Wir fordern eine neue Welt", schrieb die 23-Jährige auf Twitter. "Wir brauchen ein Zeichen, dass diese Regierung genug Einfühlungsvermögen hat und sich genug um Menschlichkeit sorgt, um etwas dagegen zu unternehmen."

 

(dpa)

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