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Umstellung auf Sommerzeit: Uhren werden umgestellt: "Das ist eine Unverschämtheit"

Umstellung auf Sommerzeit

Uhren werden umgestellt: "Das ist eine Unverschämtheit"

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    Die Zeitumstellung bringt bei vielen Menschen die innere Uhr aus dem Takt.
    Die Zeitumstellung bringt bei vielen Menschen die innere Uhr aus dem Takt. Foto: dpa

    Für Nachtschwärmer wird es am Wochenende bitter. Denn die Nacht auf Sonntag wird um eine Stunde kürzer. Am 25. März werden die Uhren wieder von der Winterzeit auf die Sommerzeit vorgestellt. Für den Physiker, Autor und Wissenschaftshistoriker Professor Ernst Peter Fischer ist das ein Skandal: "Die Uhrenumstellung ist ein Diktat von Frühtypen über Spättypen und das führt zu einem sozialen Jetlag mit schweren gesundheitlichen und sozialen Folgen", sagt der 64-Jährige in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Fischer hat sich in vielen seiner Arbeiten mit dem Thema Zeit auseinandergesetzt. Für ihn steht fest: "Zeit ist wahrscheinlich das einzige, was wir haben. Deshalb sollten wir sorgfältig damit umgehen - es geht um unsere Lebenszeit."

    Professor Fischer, die Menschen unterwerfen sich dem Diktat der Zeit, zerteilen das Leben oft gehetzt in Tage, Stunden und Minuten. Was ist Zeit eigentlich?

    Fischer: "Die Frage nach dem Wesen von Zeit beschäftigt die Menschen schon seit Jahrtausenden. Bis heute hat die Zeit nichts von ihrem Rätsel verloren. Zeit ist auf jeden Fall eine Dimension der Physik und eine Qualität, die Menschen erleben können - unter anderem als Wartezeit, Spielzeit, Schulzeit, Arbeitszeit. Augustinus sagte im vierten Jahrhundert auf die Frage, was Zeit ist: "Wenn mich niemand fragt, dann weiß ich es; sobald ich aber gefragt werde, kann ich es nicht erklären." Die Philosophen haben sich große Mühe gegeben, die Zeit zu erkunden, aber sie haben es nicht geschafft. Nicht einmal Martin Heidegger in seinem Werk "Sein und Zeit" von 1927. Und die Physiker sind bis heute uneinig. Albert Einstein hat mal kurz und bündig verkündet: "Zeit ist das, was eine Uhr anzeigt." Klingt erstmal sehr einfach. Aber überlegen Sie sich mal, was eigentlich eine Uhr ist. Wir leben alle in der Zeit, wir erleben die Zeit, aber wir wissen nicht, was das ist."

    Welche Modelle von Zeit gibt es denn?

    Die Geschichte der Zeitumstellung

    Benjamin Franklin ist der eigentliche Urheber der Zeitumstellung. Bereits 1784 formulierte er seine Idee, durch eine Zeitumstellung den Kerzenverbrauch zu senken, in einem Brief an eine Pariser Zeitschrift. Wahrscheinlich hat er seinen Vorschlag aber nicht ernst gemeint.

    Hierzulande wurde die Sommerzeit erstmals 1916 anlässlich des Ersten Weltkrieges eingeführt. Die Umstellung wurde bis 1918 beibehalten. Seither gab es verschiedene Ansätze. 1947 gab es zum Beispiel zusätzlich zur Sommerzeit eine Hochsommerzeit.

    Die Ölkrise 1973 veranlasste die Länder Europas dazu, Möglichkeiten für einen geringeren Energieverbrauch zu suchen. Einige Jahre später wurde die Sommerzeit eingeführt, um das Tageslicht besser ausnutzen zu können.

    Der englische Ausdruck für die Sommerzeit lautet: "Daylight Saving Time". Damit ist der eigentliche Zweck der Umstellung wörtlich benannt.

    In Deutschland wurde die Zeitumstellung erst 1980 vollzogen, weil sich die beiden deutschen Staaten erst untereinander einigen mussten. Man wollte verhindern, die BRD und die DDR auch noch zeitlich zu trennen.

    Mitte der 90er Jahren einigte man sich innerhalb der EU auf eine einheitliche Sommerzeit. Seitdem werden in allen europäischen Ländern am letzten Sonntag im März die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Am letzten Sonntag im Oktober werden die Uhren dann wieder auf Winterzeit (Normalzeit) zurückgestellt.

    Der eigentliche Zweck der Zeitumstellung wurde, wie man inzwischen weiß, verfehlt. Zwar braucht man durch die zusätzliche Stunde Tageslicht während der Sommerzeit weniger elektrisches Licht, aber morgens wird dafür mehr Energie zum Heizen verbraucht. Unterm Strich ist der Energieaufwand dadurch - einigen Studien zufolge - sogar höher.

    Außerdem sind viele Experten davon überzeugt, dass sich die Zeitumstellung negativ auf den Biorhythmus auswirkt. Studien haben ergeben, dass sich am darauffolgenden Montag mehr Verkehrsunfälle als sonst ereignen.

    Fischer: "Ursprünglich haben die Menschen zyklisch gedacht. Das entspricht ja auch unserem Erleben. Der Tag hat einen Rhythmus von Tag und Nacht, das Jahr hat den Rhythmus der Jahreszeiten. Wir haben das Gefühl, dass Zeit immer irgendwo einen Anfang hat und dann einen Neuanfang bildet. Die Idee, dass die Zeit linear nur eine Richtung hat, und zwar nach vorne, ist eine christliche Idee, weil gewissermaßen vom Schöpfungsmoment bis zum Jüngsten Gericht eine Entwicklung gezeigt werden soll."

    Ist Zeit also etwas Menschengemachtes?

    Fischer: "Der bedeutende britische Naturforscher Isaac Newton hat im 17. Jahrhundert noch gesagt, Zeit sei eine Schöpfung oder Ausströmung Gottes. Philosophen haben die These aufgestellt, nicht wir sind in der Zeit, sondern die Zeit ist in uns - in dem Sinne, dass Zeit eine Kategorie ist, mit der wir überhaupt die Welt verstehen. Sie können sozusagen die Welt ohne den Begriff der Zeit nicht denken, also muss der Begriff der Zeit der Welt der Erfahrung vorausgehen. Und Poeten wiederum meinten, Zeit sei nötig, damit nicht alles gleichzeitig stattfindet, zum Beispiel auch die Sprache. Wenn wir keine Zeit hätten, könnten wir ja nicht sprechen, weil wir ja Zeit brauchen, um zu sprechen."

    Wenn an diesem Wochenende die Uhren zurückgedreht werden, bringt das viele Menschen aus dem Rhythmus. Was halten Sie von der Zeitumstellung?

    Sommerzeit: Merksätze zur Zeitumstellung

    Es ist zwar jedes Jahr das Gleiche, aber immer wieder vergessen Menschen, wann jetzt eigentlich wie an der Uhr gedreht wird. Eine Auswahl von Merksätzen.

    Im Sommer stellt man die Gartenmöbel «vor» die Tür. Im Winter stellt man sie «zurück» in den Schuppen.

    Im Winter sind die Temperaturen im Minus-Bereich, also eine Stunde zurückstellen. Im Sommer sind sie wieder im Plus-Bereich, also eine Stunde vorstellen.

    Im Sommer wird die Uhr vorgestellt (beides mit «o»), im Winter hinter.

    In spring, time springs forward, in fall it falls back. (Im Frühling springt die Zeit nach vorne, im Herbst fällt sie zurück.)

    Fischer: "Das ist eine Unverschämtheit in vielerlei Hinsicht. Aber: Es wird nicht die Zeit umgestellt, sondern es werden Uhren umgestellt. Das bedeutet, dass die inneren Uhren, die Sie haben - in ihren Zellen, in ihrem Gehirn - nicht mit den äußeren Uhren wie Arbeits- und Tagesanfängen übereinstimmen."

    Was heißt das genau?

    Fischer: "Nun, es gibt viele Leute, die sind Frühaufsteher. Und es gibt viele Leute, die sind Spätaufsteher. Die Spätaufsteher nennen wir dummerweise Langschläfer und bewerten sie negativ. Tatsächlich aber müsste man neutral unterscheiden zwischen Frühtypen und Spättypen. In unserer Gesellschaft haben sich die Frühtypen, die als erste am Arbeitsplatz sind und immer so fröhlich pfeifen, in der Selektion durchgesetzt. Sie bestimmen Management und Politik. Und genau die diktieren uns jetzt die neue Uhrzeit. Das heißt, die Uhrenumstellung ist ein Diktat von Frühtypen über Spättypen und führt zu einem sozialen Jetlag mit schweren sozialen Folgen."

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