Von der Soap in die Charts - für junge Musik-Bands könnte dies vielleicht bald Wirklichkeit werden. Zumindest dürfen sie ihren neuesten Song gleich vor einem Millionenpublikum präsentieren: Auf der Bühne des RTL-Seifenopern-Dauerbrenners "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" (GZSZ). Schauplatz ist die neue Cocktail-Bar "Mauerwerk", im Studio in Potsdam-Babelsberg als authentische Berliner Keller-Kneipe hergerichtet.
An langen Tischen oder in schwarzen Sesseln können sich die Besucher lümmeln, am halbrunden schicken Tresen einen Campari schlürfen oder eben vor der kleinen Bühne richtig abrocken. Möglichst alle vier Wochen soll dort künftig eine Live-Band spielen und in einer GZSZ-Folge einheizen.
"Die Serie soll damit auch musikalisch Trends setzen", begründet GZSZ-Sprecherin Brita Wäldrich das neue Projekt. "Da GZSZ junges Leben in Berlin darstellt, gehört die Musik einfach dazu, und deshalb soll sie wieder stärker integriert werden." Gedacht ist es so: "Junge Bands aus Deutschland, vor allem aus Berlin und Brandenburg, können sich um so einen Auftritt bewerben, werden sie ausgewählt, erhalten sie eine Aufwandsentschädigung", sagt Guido Reinhardt, Produzent aller Serien der Grundy UFA. "Wir verstehen das als Sprungbrett für junge Talente. Dass wir bereits bekannte Bands ins Studio holen, ist eher unwahrscheinlich."
Schließlich soll die Serie authentisch bleiben und bei bekannten Gruppen wäre es nötig, eine Geschichte um den Auftritt zu schreiben. "Dann müssten wir erklären, warum solche Stars plötzlich im Mauerwerk sind", sagt Reinhardt. Den Anfang bei der "Musik auf der GZSZ-Bühne" machte die Hamburger Band One Fine Day, die in Folge 4254 Anfang Juni zu sehen sein wird. Vor wenigen Tagen drehten die Musiker ihren Live-Gig für GZSZ. "Das hier ist eine Chance für uns, viele Leute zu erreichen", meint Sänger Marten Pulmer.
Die GZSZ-Stars wie Bar-Besitzer Leon alias Daniel Fehlow oder Mauerwerk-Gast Verena (Susan Sideropoulos) sowie die zahlreichen Komparsen tanzten jedenfalls ausgelassen zu ihrem Song. Allerdings präsentierte die Band nicht ihr schon bekanntes "Emily". Die Emily aus GZSZ (Anne Menden) wurde aber immerhin anschließend vom Bandmanager auf die Bühne geholt. Als nächstes rockt die Berliner Band Jennifer Rostock im Mai bei einem Soap-Dreh, die allerdings schon eine der arrivierten Gruppen im Reigen der Nachwuchsbands ist.
Die letzten Band-Auftritte bei GZSZ sind schon Jahre her, damals traten aber fast ausschließlich Casting-Bands auf, wie Wäldrich sagt. So wurde eigens für GZSZ die Gruppe Just Friends gecastet. "Jetzt kommen absolut authentische, szenige Acts, wie sie auch in Berliner Clubs zu finden sind", erläutert die Sprecherin. Reinhardt meint: "Es werden vor allem Independent und Hinterhof-Garagenbands gefragt sein." Und für einige von ihnen könnte der Soap-Auftritt den Kick ins Geschäft bedeuten.
Schließlich schauen allabendlich um 19.40 Uhr knapp vier Millionen potenzielle Musikkäufer zu. Und ein Ende der vor fast 17 Jahren gestarteten Ur-Soap des deutschen Fernsehens ist angesichts der Quoten nicht absehbar. Nun soll die Story mit Bands aus dem realen Leben weiter aufgepeppt werden, denn, so meint Wäldrich: "Die GZSZ-Junkies wollen auch etwas erleben, was nicht Fiktion ist."