Ist die Suppe versalzen, ist der Koch verliebt, heißt es im Volksmund. Dass es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen salzigem Geschmack und den Schmetterlingen im Bauch gibt, haben jetzt Forscher des Technologie Transferzentrums (TTZ) Bremerhaven in einem Versuch herausgefunden.
Frisch Verliebte erkannten dabei salzigen und sauren Geschmack im Wasser schon in viel niedrigerer Konzentration als die anderen Testteilnehmer. Bitter und süß bemerkten sie hingegen erst später als der Rest der Gruppe.
Der Grund dafür liegt in den Hormonen, erklärt Dr. Markt Lohmann, Leiter der Sensorik-Abteilung am TTZ. Ist man verliebt, wird das Serotonin im Blut weniger. Es ist unter anderen an der Wahrnehmung von Geschmäcken beteiligt. Und so empfinden frisch Verliebte jedes Essen und Getränk weniger bitter und weniger süß, dafür aber salziger und saurer.
Doch die Veränderung des Geschmacksinns ist nicht die einzige Auswirkung der Schmetterlinge im Bauch. "Das ganze Hormonsystem hat uns im Griff", erklärt der Diplom-Psychologe Peter Groß. Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet und sorgen für heftige Gefühle bis hin zu richtigem Fieber. "Die Liebe macht blind und wir haben nur noch ein Ziel: Vermehrung."
Der Frühling tut sein übriges: Durch das Sonnenlicht vermindert sich das Melatonin, das für den Schlaf zuständig ist. Stattdessen werden mehr Glückshormone ausgeschüttet als im trüben Winter: Das sexuelle Begehren wird angekurbelt, so Groß.
In wen man sich letztendlich verliebt, sei kein Zufall. "Bei der Partnerwahl folgen wir angeborenen Urzeit-Programmen", glaubt Diplom-Pädagoge Marcus Damm. Große Statur, markantes Gesicht, selbstbewusstes Auftreten und ein hoher sozialer Status lassen Frauenherzen höher schlagen. Männer begutachteten zuerst das Taille-Hüft-Verhältnis einer Frau, will der Psychologe Devendra Singh herausgefunden haben: Große Brüste, breite Hüften und eine schlanke Taille gelten als Zeichen von Fruchtbarkeit.
Und dann kommt es auch immer auf den Moment an, in dem man sich kennenlernt. In Extremsituationen soll das Verlieben besonders gut klappen. Der beste Beweis: Das Brücken-Experiment aus den Siebziger Jahren. Dabei mussten die einen Männer über eine sichere Brücke gehen, die anderen über eine zwischen Klippen verlaufende Hängebrücke. Am Ende stand jedes Mal dieselbe Frau, die ein Interview mit ihnen führte und "für Rückfragen" ihre Telefonnummer verteilte. Die Hängebrücken-Männer riefen viermal häufiger an - die Aufregung durch das Laufen über die wacklige Brücke war wohl auf die Frau an deren Ende übertragen worden.
Ein kleiner Lichtblick: Die Menschen sind nicht allein von Hormonen gesteuert. Man kann in seine Gefühle auch bewusst eingreifen: "Doch das bedeutet einen enormen Aufwand", sagt Psychologe Groß. Wem das zu anstrengend ist, der kann auf Oxytocin setzen: Das "Bindungshormon" sorgt dafür, dass nicht nur die kurze Verliebtheit zählt, sondern auch das längerfristige Zusammensein. Und spätestens nach einem Jahr ist sowieso Schluss mit dem Hormonchaos.
Die Hormone hinter den Gefühlen