Zu seinen Lebzeiten galt er als Legende, im Tod beschäftigt sein Fall die Gerichte: Sieben Jahre sind es her, dass der frühere Schalke-Manager Rudi Assauer aufgrund einer Alzheimer-Erkrankung aus dem Leben gerissen wurde. Schon kurz nach der Beisetzung begann der Streit um sein Erbe. Nun schaltet sich die Justiz ein: Die Staatsanwaltschaft Essen hat Anklage gegen die Tochter von Assauer, Bettina Michel, erhoben. Die Vorwürfe haben es in sich.
Es geht um 767.000 Euro, die sie ihrem Vater abgenommen haben soll, wie der Focus berichtet. Michel soll drei Komplizen gehabt haben: die ehemalige Privatsekretärin Sabine Söldner, einen inzwischen verstorbenen Arzt sowie einen Fußballtrainer. „Die Anklagepunkte lauten banden- und gewerbsmäßiger Betrug sowie Abgabe der falschen Versicherung an Eides statt“, schreibt das Magazin. 22 Seiten soll die Anklageschrift umfassen. Die Ermittlungen hatten sich über mehrere Jahre hingezogen. Das Wort Familien-Bande jedenfalls bekommt mit diesem Vorwurf einen neuen Ton.
Anklage gegen Tochter und Sekretärin
Schon früh hatte es öffentlichen Streit über das Auftreten vor allem von Bettina Michel und Sabine Söldner gegeben. Nach außen gaben sich die beiden Frauen als liebevolle Betreuerinnen des angeschlagenen Assauers. Die Rollen waren klar verteilt: Zwei Kämpferinnen, die den kranken Mann vor seinem eigenen Umfeld schützen müssen. „Papa, ich bin für dich da: Wie Sie Demenzkranken helfen können“, hieß ein Buch, das Bettina Michel im Jahr 2014 veröffentlichte. Assauers Ex-Frau Britta warf Michel und Söldner hingegen vor, den Ex-Fußballer „entmündigt, ausgetrickst und ausgenommen“ zu haben. Später musste sie sich verpflichten, diese Vorwürfe nicht mehr zu wiederholen.
Was zunächst den Anschein eines Dramas um verletzte Gefühle und Eifersucht hatte, entpuppt sich nun als Fall für die Ermittler. Schon weit vor dem Tod Assauers soll das Quartett versucht haben, dessen Alzheimer-Erkrankung auszunutzen für den eigenen Profit. Michel hatte ihren Vater in dessen letzten Lebensjahren zu sich in ihr Haus geholt. Sie habe, so wirft ihr die Staatsanwaltschaft vor, sich monatlich 3500 Euro überwiesen – das Geld aber nicht in die Pflege des kranken Vaters investiert.
Michel und Söldner weisen die Vorwürfe zurück
Söldner wiederum soll sich mit Unterstützung des ebenfalls der „Bande“ angehörenden Arztes eine notarielle Generalvollmacht erschlichen haben. „Ab Sommer 2015 sollen sie mehrere Immobilien verkauft haben: Assauers Villa in Gelsenkirchen für rund 700.000 Euro, später ein Objekt in Bielefeld für rund drei Millionen Euro“, schreibt der Spiegel. Sowohl Michel als auch Söldner bestreiten die Vorwürfe. Die Anwälte der beiden sagten dem Focus: „Wäre der Verstorbene nicht Rudi Assauer, wären nach unserer Auffassung niemals derart umfangreiche Ermittlungen angestellt worden.“
Als Manager von Schalke 04 (1981 bis 1986 und 1993 bis 2006) wurde Assauer auch der Öffentlichkeit über den Sport hinaus bekannt. Als charismatischer Macher mit Zigarre als Markenzeichen prägte er jahrelang die Bundesliga und verdiente hervorragend. Sein Vermögen soll sich laut Medienberichten noch im Jahr 2011 in einer Größenordnung von 2,3 Millionen Euro bewegt haben – bei Assauers Tod war zumindest laut Michels Aussage kaum mehr etwas davon übrig. Vor dem Landgericht Bochum erklärte sie im Mai 2024, der Nachlass ihres Vaters habe lediglich noch 45.000 Euro umfasst.
Assauer galt als Macho und Macher
Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Justiz mit Assauers Erbe beschäftigt. Das Amtsgericht Recklinghausen hat schon im Jahr 2022 das Testament Assauer für ungültig erklärt. Laut dem Beschluss des Gerichts war er bei der Unterzeichnung im Jahr 2012 angesichts seiner Alzheimer-Demenz-Erkrankung testierunfähig. Das damals für ungültig erklärte Testament sah laut dem Gerichtssprecher Assauers ältere Tochter Bettina Michel als Alleinerbin vor. Der jüngeren Tochter wäre nur ein Pflichtteil geblieben.
Das Schicksal von Rudi Assauer bewegte viele Menschen, auch wegen seines – wenn auch späten – offenen Umgangs mit seinem Schicksal. Ein Fernsehteam hatte ihn während seiner Alzheimer-Erkrankung begleitet und einen Mann gezeigt, der nur noch wenig mit dem Malocher und Macho gemein hatte. Der gelernte Stahlbauschlosser war insgesamt 18 Jahre Manager auf Schalke. Durch seine Beziehung zur Schauspielerin Simone Thomalla wurde er auch für die Boulevard-Medien interessant. Als Kind des Ruhrgebietes wird er noch heute von vielen Menschen im Pott verehrt. Mit der Arena auf Schalke hat er sich ein Denkmal gesetzt – der Platz vor dem Stadion trägt seinen Namen. (mit dpa)
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