Die Reform von ARD, ZDF und Deutschlandradio nimmt weiter Gestalt an: Die linearen Spartenkanäle ARD-alpha, tagesschau24 und One werden zum Jahresende gestrichen. Dies hatten die Länderchefs bereits im Herbst 2024 unter dem Motto „mehr Klasse statt Masse“ und unter wachsendem öffentlichem Druck im Grundsatz beschlossen. Den Sendern überließen sie die Entscheidung, was genau wegfallen soll.
Immerhin: Die Richtung stimmt
Vorbehaltlich der Gremienzustimmung seitens der ARD ist nun klar: Es herrscht künftig vor allem mehr Klarheit. Klar ist aber auch: Der große Wurf, der die mit Beitragsmilliarden gesegneten Öffentlich-Rechtlichen merklich schlanker machen und ihre ungezählten Kritiker beschwichtigen wird, ist dieser Reformschritt gewiss nicht. Zunächst allerdings: Die Richtung stimmt. Aus diesen drei Gründen:
1. Die neuen, „alten“ Programme erhalten unter den Markennamen „phoenix von ARD und ZDF“, „neo von ARD und ZDF“ (geht aus ZDFneo und One hervor) und „info von ARD und ZDF“ (geht aus ZDFinfo hervor) jeweils endlich ein eindeutiges Profil und stehen für Information, Unterhaltung für junge Erwachsene und Dokumentation.
Zuvor hatte man sich beispielsweise mit phoenix und tagesschau24 zwei Kanäle geleistet, die neben Nachrichten auch Dokumentationen zeigten – einen „echten“ Rund-um-die-Uhr-Nachrichtensender, wie man ihn aus angelsächsischen Ländern kennt, insbesondere in Live-Nachrichtenlagen, hatte man blamablerweise nicht. Umso wichtiger die Ankündigung, dass das Profil von phoenix geschärft und dessen „Kerngeschäft“ in Zukunft „aktuelle Liveberichterstattung“ sein soll. Das wird aus phoenix zwar kein BBC News machen – aber doch einen Ort, an dem die Öffentlich-Rechtlichen ihre oft von ihnen beschworene Nachrichtenkompetenz demonstrieren können.
2. Phoenix, neo und info werden künftig sämtlich gemeinsam von ARD und ZDF veranstaltet. Sie bündeln und senden gemeinsame Inhalte.
3. Und, glücklicherweise: Die bisherigen (Kooperations-)Angebote arte, 3sat und KiKA bleiben bestehen. Glücklicherweise, weil: Es sind gerade Programme wie phoenix oder 3sat, die den Kern des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags ausmachen. Sie können, sollen und müssen das tun, was Privatsender, die sich unter den Bedingungen der freien Marktwirtschaft finanzieren, nicht in dieser Weise tun können: die stundenlange Übertragung von Parlamentsdebatten oder die Schwerpunktsetzung auf Kleinkunst und Hochkultur. Und das: ohne Quotendruck.
Fraglich, ob die Reform nennenswerte Auswirkungen auf den Rundfunkbeitrag haben wird
Das große Aber: Für ARD und ZDF bedeutet die Umstrukturierung zweifelsohne intern einen massiven Wandel – für das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem bedeutet der Wegfall von drei linearen Spartenkanälen (und noch mehr Hörfunkprogrammen) jedoch keine strukturelle Verschlankung. So ungewiss wie das tatsächliche Einsparpotenzial, so fraglich ist, ob es nennenswerte Auswirkungen auf die Höhe des Rundfunkbeitrags geben wird. Und der wird wohl – und das ist einer der entscheidenden Punkte für die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – sinken oder zumindest stabil bleiben müssen.
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