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Berg und Tobler im „Tatort“ aus Freiburg: „Das jüngste Geißlein“ hat ein verstörendes Ende

Tatort-Kolumne

Der „Tatort“ aus Freiburg ist diesmal ein astreines Märchen – das nicht gut ausgeht

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    Andreas Frei ist einer von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -kritikern unserer Redaktion.
    Andreas Frei ist einer von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -kritikern unserer Redaktion. Foto: Augsburger Allgemeine (Illustration)

    Es war einmal ein älterer Kommissar, der hatte seine Kollegin nicht mehr wirklich lieb, jedenfalls nölten sich die beiden ständig gegenseitig an. So lange, bis es gar manchen vor dem Fernseher nervte. Als der Bruder des Kommissars starb und dieser daraufhin ein lange gehütetes Familiengeheimnis verriet, schien es, als würde jetzt alles gut werden. Dann kam die nächste Folge des Freiburger „Tatorts“, zu sehen am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten, und was passierte? Die Nölerei ging erst mal weiter. Ohne Moral von der Geschicht. Ende des Krimi-Märchens?

    Moment! Es gibt ja noch einen Fall in der Folge „Das jüngste Geißlein“. Bei dem man sich die Frage stellen darf, welchen Anteil am Drehbuch das Autoren-Duo Ulrike Schölles und Rudi Gaul hat und welchen die Brüder Grimm. Denn dass die Episode stark an das berühmte Märchen „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“ erinnert, und zwar nicht nur im Titel, ist so was von gewollt. Im Grunde ist dieser „Tatort“ ein modernes filmisches Remake. Nur das Ende, um dies vorwegzunehmen, ist ungleich verstörender.

    So viel Retro in diesem „Tatort“ aus Freiburg: Eliza klammert sich an einen Walkman samt Kassette

    Hauptkommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) – obwohl außer Dienst, nachdem auf seinem Hof die verbuddelte Leiche seines Vaters gefunden worden war und jetzt interne Ermittlungen laufen – entdeckt in einem alten Haus, in der hölzernen Standuhr, ein verängstigtes und allein gelassenes Mädchen in weißem Kleidchen. Eliza (überzeugend: Hanna Heckt) trägt Kopfhörer und klammert sich an einen Walkman (hach, früher...) samt Kassette (nochmal hach!), auf der was in Dauerschleife läuft? Genau: besagtes Märchen.

    Alles, was Berg dem schweigsamen und schon länger von einer Psychologin betreuten Kind zunächst entlocken kann, ist, dass die Mama in den Forst gegangen ist. Wohin auch sonst, siehe Grimm, bietet sich außerdem an im wie immer grau und trist präsentierten Schwarzwald. Im Haus sind überall Blutspuren, und kurze Zeit später wird ihr (vermeintlicher) Vater tot aus einem See gefischt.

    Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ist der Einzige, dem Eliza (Hanna Heckt) vertraut.
    Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ist der Einzige, dem Eliza (Hanna Heckt) vertraut. Foto: Benoît Linder, SWR/dpa

    Ergo der erste Verdacht von Berg und seiner (offiziell ermittelnden) Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau): Hat die Mutter ihren Partner getötet? Motiv: häusliche Gewalt? War der Vater also der böse Wolf, um mit den Brüdern Grimm zu sprechen? Zumal er beschwert mit Steinen in den Jackentaschen am Seegrund gefunden wurde. Die Alte aber sagte: „Jetzt geht und sucht Wackersteine, damit wollen wir dem gottlosen Tier den Bauch füllen, solange es noch im Schlafe liegt...“

    Irgendwann vermischen sich Fantasie, Märchen und Kriminalfall zu einem verwirrenden Konstrukt

    Tobler fängt an, mithilfe des Grimmschen Originaltextes einen Zugang zu der Geschichte zu bekommen. Es stellt sich heraus, dass die Mutter verzweifelt versucht hat, ein weiteres Kind zu bekommen – ohne Erfolg. Eine Traumvorstellung, immer wieder ins Bild gesetzt mithilfe sechs weiterer Mädchen in weißen Kleidern, die Eliza in merkwürdige Handlungen treiben. Irgendwann vermischen sich Fantasie, Märchen und Kriminalfall zu einem verwirrenden Konstrukt.

    Berg ist der Einzige, dem Eliza zu vertrauen scheint. Und sei es zeitweise auch nur, indem er ihr ein Lied vorsingt. Womit für Tobler klar ist: Berg muss ihr helfen, ungeachtet seiner erst brüsken Ablehnung: „Wir sind kein Team mehr.“ Am Ende, das ist, wenn man so will, die gute Moral von dieser Geschicht, sind sie es halt irgendwie doch noch.

    Und dann ist da eben der andere, verstörende Schluss dieser Kriminalerzählung. Bei dem Eliza Berg anlächelt und sagt: „Siehst du, Märchen gehen immer gut aus.“ Dem Kommissar gefrieren dabei die Gesichtszüge. Und niemand tanzt vor Freude um den Brunnen herum.

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