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Burbáguena: Wie Migranten ein sterbendes Dorf in Spanien revitalisieren

Spanien

„Hier ist wieder Leben“: Wie Zuwanderer ein sterbendes Dorf in Spanien retten

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    Die Migranten des Accem-Aufnahmeheims brachten neues Leben in das spanische Dorf Burbáguena.
    Die Migranten des Accem-Aufnahmeheims brachten neues Leben in das spanische Dorf Burbáguena. Foto: Accem

    Während vielerorts in Europa die Angst vor Migration wächst und rechte Parteien Erfolge feiern, zeigt ein kleines Dorf in Spanien, dass Migration auch eine Chance sein kann: Burbáguena – ein Ort in der nordspanischen Provinz Teruel, wie viele andere vom Ausbluten bedroht – hat sich dank neuer Bewohner grundlegend verändert. Heute gilt Burbáguena als Vorzeigemodell dafür, wie Migration neues Leben in ein sterbendes Dorf bringen kann.

    Noch vor wenigen Jahren drohte die Gemeinde in der ländlichen Region Aragonien zu veröden. 2019 lebten gerade einmal 200 Menschen in Burbáguena. Es fehlte an jungen Familien, an Arbeitskräften, an Zukunftsaussichten. Dann kam die Wende: Mit der Eröffnung eines Aufnahmezentrums für Migranten, Geflüchtete und Asylsuchende durch die spanische Hilfsorganisation Accem im Jahr 2021 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Dorfes.

    Rund 100 Einwanderer haben sich dauerhaft niedergelassen

    Seitdem wurden über 1000 Einwanderer in der Einrichtung betreut. Rund 100 von ihnen haben sich anschließend dauerhaft in der Region niedergelassen. Dank der zugewanderten Bürger wächst die Einwohnerzahl Burbáguenas. Heute wohnen dort wieder nahezu 350 Menschen – ein Plus von mehr als 70 Prozent in nur vier Jahren.

    „Was das für Burbáguena bedeutet, ist schlicht: Leben. Leben auf der Straße, in den Häusern“, freut sich Bürgermeister Joaquín Peribáñez. Wo zuvor fast schon gespenstische Stille herrschte, hört man heute wieder Stimmen und man sieht neue Gesichter. Eine Erfolgsgeschichte, wie der Bürgermeister betont: „Sagen wir es so: Die Tatsache, dass es keine schlechten Nachrichten gibt, ist die beste Nachricht”, erklärte Peribáñez im Radiosender Ser.

    Konflikte gibt es kaum, im Dorf herrscht „Normalität“

    Der positive Einfluss der aus Afrika, Lateinamerika oder der Ukraine zugewanderten Neubürger ist spürbar: Der von der Schließung bedrohte Dorfladen öffnet nun regelmäßig, ebenso die Bäckerei und die Apotheke. Es gibt wieder einen Schulbus und eine Kinderkrippe – Versorgungsdienste, die bereits geschlossen waren, weil es keine Kinder mehr gab. Mit dem Zuwachs für die kleine Dorfgemeinschaft kamen wieder junge Menschen. Mit ihnen kehrten nicht nur Leben und Perspektive zurück, sondern auch wirtschaftliche Impulse: Es entstanden sogar neue Jobs.

    Was ebenfalls bemerkenswert ist: Das Zusammenleben funktioniert ohne Konflikte. Es herrsche „Normalität“ im Dorf, heißt es im Rathaus. Die Einwanderer hätten keinerlei Probleme verursacht und sich ins Dorfleben integriert. Sie nehmen an den Festen teil, plaudern mit den Einheimischen und helfen bei nachbarschaftlichen Aktivitäten. Ein besonders sichtbares Zeichen dieses Miteinanders: Auf dem Dorfplatz spielen einheimische sowie zugewanderte Kinder Seite an Seite.

    Zum Erfolg der Integration trug bei, dass es im Dorf und in der ländlichen Umgebung Arbeit gibt. „Wir sind gastfreundlich. Und das lohnt sich – denn Arbeitskräfte werden dringend gebraucht“, sagt Bürgermeister Peribáñez. Ein in der Nähe liegendes Seniorenheim konnte mit den Zuwanderern Personallücken beim Pflegepersonal schließen. Auch in den Betrieben der Land- und Viehwirtschaft kamen etliche Migranten unter. Sie übernahmen Tätigkeiten, für die sich in dem abgelegenen, überalterten Landkreis keine einheimischen Arbeitskräfte fanden.

    Premierminister Sánchez sieht fast die Hälfte der Gemeinden vom Aussterben bedroht

      Viele der Neuankömmlinge flohen vor Krieg, Armut oder politischer Verfolgung. Einige überquerten das Mittelmeer in kleinen Booten, andere kamen mit dem Flugzeug oder über die Landgrenze nach Spanien. Peribáñez: „Wenn man hört, was diese Menschen erlebt haben, läuft es einem eiskalt den Rücken runter.“

    Das Projekt in Burbáguena steht in krassem Gegensatz zur Realität in anderen Teilen Spaniens, wo Migration teils mit Angst, Vorurteilen oder Gewalt begegnet wird. In der Kleinstadt Torre Pacheco kam es vor kurzem zu rassistischen Übergriffen, die landesweit Entsetzen auslösten. Dort machten rechtsextreme Gewalttäter Jagd auf Migranten, nachdem ein Rentner von einem Nordafrikaner zusammengeschlagen worden war.

    Migration als Möglichkeit, um der Entvölkerung des Hinterlands entgegenzusteuern: Spaniens sozialdemokratischer Premier Pedro Sánchez hat diese Chance erkannt. „Fast die Hälfte unserer Gemeinden ist vom Aussterben bedroht“, sagte er. Viele ländliche Schulen stünden kurz vor der Schließung, „weil es an Kindern fehlt“.

    Spaniens Zentralbank bestätigte, dass die Migration ein Pfeiler des ökonomischen Erfolgs ist. Mehr als 1,5 Millionen Zuwanderer kamen seit 2020 ins Land. In einer alternden Gesellschaft sorgen sie für eine Verjüngung am Arbeitsmarkt und tragen zur Finanzierung der Sozialsysteme bei.

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