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Doppelfolge am Sonntag: So lebt Wotan Wilke Möhring außerhalb des „Tatorts“

Interview

„Mit meinen Kindern verbinde ich Hoffnung“: So lebt Wotan Wilke Möhring außerhalb des „Tatorts“

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    Schauspieler Wotan Wilke Möhring ist seit zwölf Jahren „Tatort“-Kommissar. Auch privat schreckt er vor Herausforderungen nicht zurück.
    Schauspieler Wotan Wilke Möhring ist seit zwölf Jahren „Tatort“-Kommissar. Auch privat schreckt er vor Herausforderungen nicht zurück. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

    Herr Möhring, am Sonntag ist ein neuer „Tatort“-Zweiteiler mit Ihnen zu sehen. Der Krimi ist aus „Spiegel“-Titelgeschichten gestrickt. Wie kam es dazu?

    WOTAN WILKE MÖHRING: Wir haben uns für unsere „Tatort“-Inhalte vorgenommen, dass diese Filme einen ungewöhnlich engen Bezug zur Realität haben sollen. Um diese Realitäten abzubilden, müssen wir uns, so traurig das ist, dann oft gar nicht so viel ausdenken. Denn es passiert ja so viel, wenn man nur genau hinschaut. Und wir wollten speziell bei diesen Filmen den Blick etwas weiten und versuchen zu zeigen, was hinter diesen Kriminalfällen steckt. Wir stellen also das dar, was eine normale Medienberichterstattung nicht leisten kann.

    Die Filme „Ein guter Tag“ und „Schwarzer Schnee“ basieren auf der Recherche eines Reporters, der über die Entwicklungen in den Niederlanden im Zusammenhang mit verfehlter Drogenpolitik berichtet. Es geht um Folterungen, Attentate, Auftragskiller. Das ist richtig harter Stoff, vor allem bei diesem engen Bezug zur Wirklichkeit, oder?

    MÖHRING: Ein interessanter Aspekt der Produktion war für mich die Annahme, dass Justiz und Staat bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens oft an ihre Grenzen stoßen.

    Sie sind seit zwölf Jahren „Tatort“-Kommissar. Was reizt Sie, abgesehen vom wirtschaftlichen Ertrag, an diesem Format immer noch?

    MÖHRING: Ich mag die Abwechslung. Ich hatte auch früher schon Anfragen vom „Tatort‘“ und war anfangs ein wenig skeptisch, ob das etwas für mich ist. Aber aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass wir weit entfernt vom Alltagstrott sind. Immer neue Geschichten, neue Partnerinnen und Partner, andere Regisseure. Mir macht es nach wie vor Freude, ins Alter Ego mit der Lederjacke zu schlüpfen. Wir stellen immer den Fall in den Vordergrund, wollen am Puls der Zeit bleiben und auch mal härtere, unbequeme Themen erzählen.

    Im nächsten „Tatort“ ermittelt Wotan Wilke Möhring alias Kommissar Falke mit der niederländischen Fahnderin Lynn de Baer (Gaite Jansen).
    Im nächsten „Tatort“ ermittelt Wotan Wilke Möhring alias Kommissar Falke mit der niederländischen Fahnderin Lynn de Baer (Gaite Jansen). Foto: Georges Pauly, NDR, ARD/dpa

    Ihre Filmfiguren sind auch jenseits des „Tatorts“ oft ehrlich, loyal und versuchen eine moralische Instanz zu sein. Werden Sie so gecastet oder ist es das, was sie persönlich den Rollen mitgeben?

    MÖHRING: Ich glaube beides. Ich habe aber auch schon Durchgeknallte gespielt, in deren Rollen man alles, was nicht moderat ist, mal spielerisch loswerden kann. Das ist für einen Schauspieler wichtig, denn als Hauptdarsteller muss man in den meisten Fällen eher moderat bleiben und kann nicht immer voll auf die Kacke hauen. Aber es stimmt schon, ich habe einen sozialdemokratischen Kompass und eine Grundhaltung dem Gesetz gegenüber.

    Sie gehören zu Deutschlands erfolgreichsten Schauspielern. Was ist Ihre Methode, um sich zu erden?

    MÖHRING: Zuerst, will ich mal sagen, steht vor dem sogenannten Glamour ganz viel Arbeit. Wir haben oft Drehzeiten, da bekämen manche Albträume: 70 bis 80 Stunden die Woche. Nachtdrehs in Eiseskälte. Das ist nicht immer Zuckerschlecken. Außerdem habe ich drei Kinder – mehr brauche ich zum Thema Erdung eigentlich nicht zu sagen.

    Ihr Vater war Bundeswehroffizier, Ihre Mutter Lehrerin – von wem haben Sie in der eigenen Erziehung mehr mitbekommen?

    MÖHRING: Am meisten, glaube ich, knetet einen das Leben selbst durch und formt einen zu dem, der man dann ist. Jeder muss seinen inneren Kompass selbst ausrichten. Wer daran nun den größten Anteil hat – keine Ahnung!

    Sie mögen beruflich wie privat keine Komfortzonen und schätzen Herausforderungen. Welche denn besonders?

    MÖHRING: Die Herausforderungen, die ich nicht kenne. Es sind oft unerwartete Dinge, gegen die ich mich sogar vielleicht erst einmal sträube. Wie zuvor erwähnt, drei Kinder vernünftig großzuziehen, ist auch schon eine ziemliche Challenge.

    Sie lieben es offensichtlich, mit Ihren Töchtern zusammen Zeit zu verbringen. „Kinder geben deinem Dasein Sinn und Hoffnung. Kinder sind das personifizierte Morgen. Und sie geben dir eine Heimat“, haben Sie in einem Interview gesagt. Können Sie das genauer erklären?

    MÖHRING: Das heißt, dass ich mich da wohlfühle, wo meine Kinder sind. Sie sind mir am nächsten. Meine Kinder sind einfach tolle Menschen – und nicht nur, weil sie meine Kinder sind. Ich bekomme von denen viel zurück. Und Kinder sind auch ein sichtbares Zeichen dafür, dass ich an einen Morgen glaube. Selbst, wenn mal alles schiefläuft und man keinen Bock mehr hat, lohnt es sich allein ihretwegen einfach weiterzumachen.

    Moderator Kai Pflaume (Mitte) lud den 58-Jährigen zu sich in die Quizshow ein.
    Moderator Kai Pflaume (Mitte) lud den 58-Jährigen zu sich in die Quizshow ein. Foto: NDR, Morris Mac Matzen

    Sie leben von der Mutter Ihrer Kinder getrennt. Wie bekommt man als Schauspieler die Vaterrolle gut hin

    MÖHRING: Wir machen Halbe-Halbe. Ich bin kein Wochenend-Vater, der weder die Schulfreunde kennt noch einen Zahnarzttermin vereinbart – das wäre nichts für mich.      

    Sie sind seit einigen Monaten Teamkapitän beim beliebten Quiz „Wer weiß denn sowas“ mit Kai Pflaume. Wie kam es denn dazu? Das war eine Überraschung.

    MÖHRING: Für mich auch. Es kam die Anfrage und ich dachte: Warum denn nicht? Endlich einmal etwas, was auch meine Kinder sehen können. Ich war ja zuvor schon ein paarmal als Gast da und es hat mir immer Spaß gemacht. Das ist eine Sendung, zu der alle hinkommen – meine Freunde, Kolleginnen und Kollegen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Man kann sich nicht blamieren, muss nicht angelerntes Wissen präsentieren, sondern die Antworten möglichst kreativ herleiten. Als Kai mich gefragt hat, habe ich sofort zugesagt.      

    Sind Sie privat auch ein Quiztyp?

    MÖHRING: Nein, null! Ich bin allerdings schon wissensdurstig. Wenn ich beispielsweise ein Sprichwort höre, das ich nicht kenne, dann finde ich schon interessant, wo es herkommt. Denn alles hat ja seine Bedeutung.      

    Zur Person

    Wotan Wilke Möhring, 58, ist Schauspieler und Musiker. Neben vielen Filmen und Serien ist er aktuell in dem Quiz „Wer weiß denn sowas?“ (ARD) zu sehen. Am Sonntag, 20.15 Uhr, spielt er in der „Tatort“-Doppelfolge „Ein guter Tag / Schwarzer Schnee“, ebenfalls im Ersten.

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