Für viele Londoner ist der Flughafen Stansted ein Tor zur Welt. Wer hier abfliegt, denkt an Wochenendtrips nach Barcelona, an Familienbesuche in Osteuropa oder an den Sommerurlaub am Mittelmeer. Doch nun rückt der Airport, nordöstlich der britischen Metropole gelegen, aus einem anderen Grund in den Fokus der Öffentlichkeit. Nach der Veröffentlichung weiterer Unterlagen im Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein durch den US-Kongress prüft die Polizei von Essex Hinweise auf private Flüge des Milliardärs, die über den Flughafen abgewickelt worden sein sollen.
Zuvor hatte der frühere Labour-Premierminister Gordon Brown in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitschrift New Statesman darauf hingewiesen, dass der als „Lolita Express“ bekannte Privatjet des mittlerweile in Haft verstorbenen US-Finanziers nahezu 90 Flüge von oder zu britischen Flughäfen absolviert habe, mehrere davon nach seiner Verurteilung im Jahr 2008. „Kurz gesagt hatten die britischen Behörden wenig oder gar keine Ahnung, wer durch unser Land geschleust wurde“, so Brown. Darauf deuten auch Recherchen der BBC hin, wonach Flugprotokolle teils unvollständig und einzelne Passagiere darin lediglich als „weiblich“ geführt worden seien.
Mädchen aus Lettland, Litauen und Polen nach London geflogen?
E-Mails aus den US-Ermittlungen würden nun jedoch dokumentieren, wie Epstein junge Frauen über Stansted nach Großbritannien bringen ließ, schrieb Brown. Der US-Milliardär habe damit geprahlt, wie günstig die Flughafengebühren dort im Vergleich zu Paris seien, um Mädchen aus Lettland, Litauen und Russland zu transportieren. Zudem werde in den Nachrichten deutlich, dass mindestens eine der genannten Frauen in einem Zusammenhang mit dem früheren Prinzen Andrew stehe. Damit rückt der gefallene Royal erneut in den Fokus, in der Woche seines 66. Geburtstags an diesem Donnerstag. Sein Name ist seit den Anschuldigungen der US-Amerikanerin Virginia Giuffre, sie als Minderjährige dreimal sexuell missbraucht zu haben, mit dem Epstein-Skandal verbunden. Zuletzt bestätigte die Polizei, dass sie zudem Vorwürfe prüft, wonach Andrew in seiner früheren Funktion als britischer Handelsbeauftragter vertrauliche Informationen an Epstein weitergegeben haben soll.
Zur Debatte um Epsteins Flüge über Stansted erklärte der Flughafen, Privatmaschinen würden nicht über das reguläre Terminal abgefertigt, sondern über eigenständige Dienstleister mit separaten Gebäuden und eigenen Zufahrten. Passagiere beträten weder die Abflughalle noch öffentliche Bereiche des Airports. Für Ein- und Ausreisekontrollen sei die staatliche Grenzbehörde, die „Border Force“, zuständig.
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