Dass es beim Eurovision Song Contest nicht nur um die Musik geht, dürfte jedem klar sein. Auch beim ESC 2014 in Kopenhagen stand bei der Siegerin Conchita Wurst wohl vielmehr die außergewöhnliche Erscheinung und Persönlichkeit im Vordergrund, als die solide musikalische Darbietung der Sängerin. Oder sollte man eher sagen: Sänger?
Conchita Wurst ist der Künstlername von Thomas Neuwirth, einem Österreicher, der als Dragqueen mit Bart den ersten ESC-Sieg für die Alpennation seit 1966 holte. Die Botschaft des Travestiekünstlers: Mehr Toleranz und Akzeptanz für Schwule, Lesben oder Transsexuelle.
ESC 2014: Conchita Wurst gewinnt für Österreich
Dass dafür immer noch gekämpft werden muss, machte der ESC 2014 deutlich: Im Vorfeld der Show regte sich vor allem in Osteuropa Widerstand gegen den Auftritt von Conchita Wurst. Auch eine Boykott-Petition ging durch das Netz. Ohne Erfolg.
Der Österreicher ging in Dänemark an den Start und siegte mit 290 Punkten souverän vor den Niederlanden und Schweden. Auch aus eher konservativen Ländern wie Irland gab es die berühmten „twelve points“. Der erfahrene deutsche ESC-Kommentator Peter Urban zeigte sich überrascht ob der klaren Votings für die Dragqueen: „Vielleicht hat sich Europa einfach geändert.“
Eurovision Song Contest 2014: Deutschland mit Elaiza nur auf Platz 18
Für Deutschland gab es in der Kopenhagener Werfthalle dagegen nichts zu holen. Das Trio Elaiza landete mit 39 Punkten abgeschlagen auf dem 18. Platz. Trotzdem war es ein gelungener Auftritt von Ela, Yvonne und Natalie: Musikalisch einwandfrei, natürlich, sympathisch. Den Berlinerinnen merkte man an, wie sehr sie ihre Darbietung vor 180 Millionen Zuschauern genossen.
Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten verzichteten sie auf eine ausufernde Bühnen-Show. Keine Tänzer, Turner, Trapeze, Trampoline, Hamsterräder, Funkenregen oder Lichteffekte – sehr angenehm für den oftmals reizüberfluteten ESC-Zuschauer. Auch Peter Urban machte seine Erfahrung mit explosiven Effekten: Als direkt vor den Kommentatoren-Boxen Konfetti herausgeschossen wurde, verlor er kurzzeitig die Fassung und fluchte auf Englisch ins Mikrofon.
ESC 2014: Zuschauer pfeifen gegen Russland
Eines machte der Eurovision Song Contest 2014 zudem deutlich: Durch sein Auftreten im Ukraine-Konflikt ist Russland in Europa derzeit wenig beliebt. Sowohl beim russischen Song als auch den Punktevergaben von und nach Russland gab es Pfiffe und Buh-Rufe der rund elftausend Zuschauer in der Halle. Der ESC ist längst nicht nur eine Bühne für Musik.