Ein im Auftrag des Postdienstleisters DHL in Leipzig gestartetes Frachtflugzeug ist in der Nähe des Flughafens der litauischen Stadt Vilnius in die Nähe eines Wohnhauses gestürzt.
Bei dem Unglück sei eine Person ums Leben gekommen und eine weitere Person verletzt worden, zitiert der litauische Rundfunk einen Sprecher des Rettungsdienstes am Montag. Der Absturz ereignete sich wenige Kilometer entfernt vom Flughafen der Hauptstadt. Bei der Maschine handelt es sich um ein Flugzeug der spanischen Fluggesellschaft Swift Air.
Flugzeugabsturz in Litauen: Ein Todesopfer unter der vierköpfigen Crew
Nach Daten des Rettungsdienstes waren die Einsatzkräfte um 5.28 Uhr Ortszeit am Montag informiert worden, dass es einen Flugzeugabsturz gab und ein zweistöckiges Gebäude in Flammen stehe. Zahlreiche Einsatzkräfte waren im Einsatz. Der Verkehr am Unfallort war eingeschränkt.
Es befanden sich vier Personen in dem Flugzeug, bei dem es sich laut dem Portal Flightradar24 um eine Boeing 737-400 handelt. Eine Person der vierköpfigen Crew sei tot, drei weitere seien in ein Krankenhaus gebracht worden.
Zunächst kursierten Berichte, wonach das Flugzeug direkt auf ein Wohnhaus gestürzt sei, dies ist jedoch nicht der Fall. Dennoch fing das Gebäude Feuer. Die zwölf Bewohner konnten es rechtzeitig und unversehrt verlassen.
DHL-Flugzeug stürzt in Litauen ab: Verdacht auf möglichen Brandsatz
Die Ursache des Flugzeugunglücks nahe dem Flughafen von Vilnius ist aktuell noch unklar, erläuterte der Chef des Tochterunternehmens. Allerdings tut sich aufgrund von Vorfällen in der jüngeren Vergangenheit der Verdacht eines Brandanschlages auf.
Ende August warnten deutsche Sicherheitsbehörden vor „unkonventionellen Brandsätzen“, die von Unbekannten über Frachtdienstleister verschickt werden. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Bundeskriminalamt (BKA) verschickten einen entsprechenden Warnhinweis an Unternehmen der Luftfahrt- und Logistikbranche.
Die Warnmeldung wurde in Sicherheitskreisen unter anderem mit einem Vorfall im DHL-Logistikzentrum Leipzig in Verbindung gebracht, das als weltweites Drehkreuz des Unternehmens fungiert. Dort soll im Juli ein aus dem Baltikum verschicktes Paket Feuer gefangen haben, das einen Brandsatz enthielt. Angesichts des Ukraine-Konflikts wurde Russland als möglicher Drahtzieher genannt.
Scholz, Baerbock und Pistorius äußern sich zum Absturz
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte im ZDF-heute journal auf die Frage, ob Russland hinter dem Absturz stecke: „Wir gucken uns das genau an, wir können das gegenwärtig nicht sagen.“ Er fügte hinzu: „Es könnte so sein.“ Formen sogenannter hybrider Kriegsführung seien gegenwärtig auch in Deutschland festzustellen. „Deshalb muss das auch genau untersucht werden.“ Es werde aber erst dann ein Schuldiger benannt, wenn dies auch nachvollziehbar zu beweisen sei.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock verlangte eine volle Aufklärung des Absturzes und sagte, die Behörden beider Länder ermittelten derzeit „in alle Richtungen“. Sie schloss neben einem technischen Unglück auch die Möglichkeit eines absichtlich herbeigeführten Absturzes nicht aus. In Europa habe es in jüngster Zeit mehrfach „hybride Angriffe“ auf einzelne Personen oder Infrastruktur gesehen, sagte die Grünen-Politikerin auch mit Blick auf die vor einer Woche erfolgte Beschädigung zweier Datenkabel in der Ostsee.
DHL lagen nach eigenen Angaben bisher keine Hinweise auf verdächtige Pakete an Bord der Maschine vor, auch das Bundesverteidigungsministerium hat nach Angaben von Minister Boris Pistorius bislang keine Erkenntnisse über einen möglichen Sprengsatz. Der SPD-Politiker forderte erhöhte Sensibilität bei bestimmten Frachtsendungen. „Gleichzeitig wissen wir auch, dass es in diesem Feld wohl keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Aber die Lücken, die es gibt, die man erkennt, müssen geschlossen werden“, sagte der Minister und ergänzte: „Das weiß sowohl die zivile Luftfahrt als auch die militärische.“
Auch im britischen Birmingham war ein Brandsatzpaket in Flammen aufgegangen, nach den beiden Vorfällen hatten Sicherheitsbehörden in Litauen und Polen laut dem Wall Street Journal (WSJ) fünf Verdächtige festgenommen.
Flugzeugabsturz in Litauen: Zwei konkrete Vermutungen über Unglücksursache
Stand jetzt scheint diese Theorie jedoch nicht zuzutreffen: Es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass es sich um Sabotage oder einen Terroranschlag gehandelt habe, sagte der litauische Verteidigungsminister Laurynas Kasciuna. Ganz auszuschließen sei dieses Szenario jedoch nicht. Die Ermittlungen über die Unfallursache würden noch etwa eine Woche dauern.
Der Absturz sei stattdessen „höchstwahrscheinlich auf einen technischen Fehler oder ein menschliches Versagen zurückzuführen“. Beim Todesopfer handelt es sich laut Behördenangaben um einen Insassen mit spanischer Nationalität. Ein Deutscher, ein weiterer Spanier und ein Litauer überstanden den Flugzeugabsturz verletzt. Der Zustand von mindestens einem Besatzungsmitglied soll Medienberichten zufolge ernst sein.
Mit einem der Verletzten konnte nach Angaben von Polizeichef Arunas Paulauskas im Krankenhaus bereits gesprochen worden. Laut diesem habe es keine Anzeichen auf ungewöhnliche Aktivitäten an Bord oder im Inneren des Flugzeugs gegeben. Demnach schien der Flug routinemäßig verlaufen zu sein, dann habe es einen Aufprall auf dem Boden gegeben.
Derzeit wird nach Black Box gesucht
In den Überresten der Maschine soll sich Paulauskas zufolge noch die sogenannte Black Box befinden. Diese kann dabei helfen, die Ursache für den Absturz zu klären. Weitere Erkenntnisse könnte auch die Überprüfung der Anflugsysteme des Flughafens durch die polnische Flugsicherung bringen, die nach dem Absturz im Zuge einer bereits zuvor geplanten Routineüberprüfung erfolgt ist.
An den Ermittlungen werden sich nach litauischen Angaben auch Experten aus dem Ausland beteiligen. Aus Deutschland sollen vier und aus Spanien zwei Ermittler in Litauen eintreffen, zudem sollen zwölf Personen aus den USA die Suche nach der Unfallursache unterstützen - darunter fünf vom Flugzeughersteller Boeing. (mit dpa)
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