Schon wieder Theater! Nachdem sich die Münchner Charakterköpfe Batic und Leitmayr erst am 2. Weihnachtsfeiertag durch die Probenräume des Residenztheaters gefragt hatten, suchen nun ihre Kollegen Ballauf und Schenk in der Kölner Oper ein Phantom. Es bleibt eins der größten Rätsel des Sonntagabendkrimis, warum es die Programmplaner der ARD-Sendeanstalten einfach nicht hinbekommen, ärgerliche Doppelungen in knapp nacheinander ausgestrahlten Folgen zu vermeiden. Mal ist das Motiv dasselbe, mal eben der Schauplatz. Doch während man bei Batic und Leitmayr über 90 Minuten den Finger am Ausschaltknopf hatte, bekommt man beim Kölner Fall große Lust auf einen Opernbesuch.
Wo die Münchner über nichtssagende Bühnengerüste kletterten, geht es in den Tiefen des Kölner Opernhauses bunt und leidenschaftlich zu. Wo man in Bayern auf ein holzschnittartiges, selbstverliebtes Theaterensemble traf, ist der Fall am kommenden Sonntag (ARD, 20.15 Uhr) eine Liebeserklärung an die Musik. Haydns „Schöpfung“ gibt der Episode nicht nur ihren Namen, sondern wird (vom echten Kölner Opernchor) aus voller Kehle geschmettert. Und die gute Seele des Hauses rollt derweil auf einer Requisitencouch durchs Bild, als wäre sie ihr natürliches Fortbewegungsmittel.
Dann liegt Elli (Ines Lutz), die „Herrin der Rüstkammer“, tot auf der Bühne. Sie steckt im Kleid der „Königin der Nacht“, in ihrem Herz eine Kugel. Die KTU stellt schnell fest, dass in diesem Outfit schon mal jemand starb: ein Mann mit glockenheller Stimme, Countertenor David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol). Während Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) über den Verbleib der Leiche rätseln, hängt ein weiterer Toter von der Bühnendecke. Und das Phantom mit weißer Maske, das ihn dort aufgeknüpft hat, fühlt sich so sicher im Gewirr der zahllosen Gänge und Treppen, dass es in aller Ruhe Ballaufs Blick sucht, bevor es im Dunkeln der Hinterbühne verschwindet.
Als Drehort dienten die echte Kölner Oper und deren Interimsspielstätten im Stadtteil Deutz. Eigentlich hätte der 94. Kölner Fall komplett im neu sanierten Haus gedreht werden sollen, das auch in der Realität seit mehr als zehn Jahren Baustelle ist. Doch, wie das so läuft heutzutage – Grüße gehen raus auf die sehr realen Kulturbaustellen Augsburg, Nürnberg und Würzburg –, das Gebäude ist nicht rechtzeitig fertig geworden. Drehbuchautor Wolfgang Stauch musste seine Vorlage kurz vor knapp noch ändern.
Im Film ist die Oper ein Ort mit Wodka im Klospülkasten, Todesschreien über die Lautsprecheranlage und ganz viel Liebe, Tod und Drama. Vielleicht etwas zu schnell inszeniert die Kamera die Sopranistin Valerie Schmitt (Hannah Schiller) als zentrale Figur des Falls – äußerlich eine Art Greta Thunberg des Theaters, die ohne Pillen und Schnaps nicht auf die Bühne kann. Lustig wie eine Operette, wenn die Kommissare sie ins Verhör nehmen, sie sich aber rauszureden versucht. Schmitt: „Ich muss jetzt singen.“ Schenk: „Das wäre gut.“
Alle Türen öffnet den Kommissaren in diesem Fall (Regie: Torsten C. Fischer) das selbsternannte „Multitool“ der Oper, die Elektrikerin Eva Krüger. „Tatort“-Dauergast Katja Bürkle glänzt in der Rolle, obwohl ihre Figur unglamouröser nicht sein könnte: immer ungeschminkt, pragmatisch, die Arbeitskleidung ein Blaumann. Sie sagt den besten Satz des ganzen Falls: „Alle wünschen hier allen nur das Aller-, Allerbeste. Und die meisten stellen sich darunter einen ziemlich qualvollen Tod in der Hölle vor.“ Große Oper einfach!
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