Es war das Ende einer langen Suche, aber auch der letzten Hoffnung, dass die elfjährige Lyhanna noch lebt: Am Donnerstagabend fanden französische Ermittler in einem Silo im südwestfranzösischen Departement Gers ihre Leiche. Seit dem Verschwinden des Mädchens am Freitag vor einer Woche hatten ein Großaufgebot der Polizei sowie Bürger die Region nach Hinweisen abgegrast. „Die Trauer und die Wut der Eltern lassen sich nicht in Worte fassen“, sagte deren Anwalt, François Roujou de Boubée, nach der fürchterlichen Entdeckung.
In Frankreich wächst die Empörung über ein mögliches Behördenversagen. Denn gegen den Tatverdächtigen Jérôme Barella lagen mehrere Hinweise wegen sexueller Belästigung und Anzeigen wegen Vergewaltigung Minderjähriger vor, ohne dass er je juristisch belangt wurde. Der 41-Jährige sitzt in Untersuchungshaft und leugnet seine Schuld. Doch die Tatsachen belasten ihn schwer.
Bilder der Videoüberwachung zeigen, wie Lyhanna in sein Auto stieg
Nicht nur arbeitete er früher in dem landwirtschaftlichen Betrieb, in dem das tote Kind gefunden wurde. Auch zeigten Bilder der Videoüberwachung, dass Lyhanna in sein Auto stieg. Nachdem Barella erst geleugnet hatte, sie an jenem Tag gesehen zu haben, behauptete er schließlich, sie zum Schwimmbad gefahren zu haben. Doch dort kam sie nie an. Beide kannten einander, denn die Jugendliche war mit einer seiner Töchter befreundet. Weil Lyhanna ihren Eltern einige Monaten zuvor erzählt hatte, dass Barella sie bei einer Party gekitzelt und berührt hatte, hatten diese jeglichen Kontakt untersagt.
Und es gab es weitere Vorwürfe gegen den Familienvater. So beschuldigte ihn die Mutter einer anderen Freundin seiner Tochter, diese zwischen September 2024 und Mai 2025 mehrmals vergewaltigt zu haben. Zwar leitete die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung ein, doch war Barella nie vorgeladen und verhört worden. Bereits 2022 warfen Eltern Barella die Vergewaltigung einer zur Tatzeit knapp Siebenjährigen in seinem Haus vor – die Ermittlungen wurden mangels „handfester Beweise“ eingestellt. 2017 zeigte eine weitere Mutter den damals 30-Jährigen an, weil er ein Verhältnis mit ihrer 17-jährigen Tochter hatte. Doch weil dieses einvernehmlich war, schritten die Behörden nicht ein. 2021 war er aufgrund einer „unangemessenen Beziehung“ mit einer Gymnasiastin von seiner Stelle als Aushilfe-Hausmeister einer Schule entlassen worden.
„Wir sind alle entsetzt über diese systematischen Fehler“
„Wir sind alle entsetzt über diese systematischen Fehler, die unsere mangelhafte Organisation offenbart und auch darüber, dass wir die Aussagen von Kindern nicht ernst nehmen“, sagte Justizminister Gérald Darmanin. Regierungssprecherin Maud Bregeon nannte die Vorgänge „absolut unerträglich“.
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